Kategorie-Archiv: Fragen & Antworten

Corinna Wieja: Kinderbücher schreiben

Corinna Wiejas Kinderkrimi “Detective Invisible” habe ich neulich rezensiert. Nun habe ich ihr noch etliche Fragen zum Schreiben von Kinderbüchern gestellt: woher ihre Ideen kommen, wie sie einen Verlag gefunden hat, welche Rolle das Lektorat für sie spielt usw.
1001 Dank fürs Beantworten meiner Fragen – und los geht’s:

Arbeitest du ausschließlich als Autorin?
Nein, ich übersetze auch Bücher, TV-Werbespots und Marketingbroschüren. Schreiben und Übersetzen machen mir gleichermaßen riesig Spaß, weil es sehr abwechslungsreich ist und ich gerne in Text- und Geschichtenwelten eintauche.

Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Geschichten habe ich mir eigentlich schon immer gerne ausgedacht. Ich habe auch immer gern gelesen. Meistens waren die Bücher schneller ausgelesen als mir lieb war und deshalb habe ich irgendwann auch angefangen, meine eigenen Geschichten aufzuschreiben. Später habe ich mir dann abends beim Zubettgehen Geschichten für meine Kinder ausgedacht. Meine Kinder sind heute noch meine wichtigsten Kritiker meiner Geschichten.

Besuchst du Schreibkurse, Workshops, bist du in Schreibforen unterwegs, hast du eine Schreibgruppe?
Ja, ja, jein und ja. Ohne meine Schreibgruppe, die Löwenherzmädels, drei befreundete Autorinnen, könnte ich mir das Schreiben heute gar nicht mehr vorstellen. Ich habe sie bei einem Exposé-Workshop kennengelernt. Sie lesen meine Texte mit Adlerblick und zeigen mir ungeschönt sämtliche Schwächen auf, die ich übersehen habe. Ihre Meinung zu meinen Geschichten ist mir sehr wichtig. Schreibkurse besuche ich eher selten, aber doch immer wieder mal, um an meinen Schwächen zu arbeiten und von erfahrenen Autoren zu lernen. In einem Schreibforum bin ich eigentlich nicht unterwegs, aber in einem Forum für Kinderbuchautoren, der Schreibwelt. Dort kann ich mich ebenfalls mit anderen AutorInnen austauschen.

Für wen schreibst du?
Ehrlich gesagt in erster Linie für mich ;-). Ich schreibe Geschichten auf, die einfach so in meinem Kopf auftauchen, weil sie sich sonst dort einnisten und ich immerzu dran denken muss. In zweiter Linie für meine Kinder und alle anderen Kinder, weil ich hoffe, dass ich mit meinen Geschichten den einen oder die andere zum Lachen bringen kann.

Welche Bücher schreibst du am liebsten?
Lustige Bücher, aber spannend müssen sie auch sein. Und ich mag Geister.

Was ist von einem Buch zuerst da: eine Figur, die Handlung, eine Szene oder?
Das ist ganz unterschiedlich. Bei meinem Kinderkrimi “Kommissar Unsichtbar” ist die Idee zur Figur eines Geister-Detektivs ganz plötzlich aufgetaucht, als ich in der Badewanne gelegen bin. Da stand er mir bildlich mit seinen gestreiften Hosen und dem Monokel vor Augen und ich habe die Handlung um ihn herumgestrickt. Bei Amanda aus “Dschinntastisch” war es ganz ähnlich. Ich hab sie vor mir gesehen, wie sie mit ihrem Fuß aufstampft und “Ich will aber keine blöden Wünsche erfüllen!”, schreit. Bei anderen Geschichten schoss mir zuerst ein Satz oder eine Situation durch den Kopf und dann erst kamen die Figuren dazu.

Woher kommen deine Ideen?
Auch das ist ganz unterschiedlich. Ein Wort kann ein Auslöser sein oder eine Idee kommt durch die “Was-wäre-wenn-Frage”. Manchmal habe ich beim Spazierengehen oder Putzen plötzlich eine Situation vor Augen, die es weiterzuspinnen lohnt. Aber nicht jede Idee taugt auch für ein Buch.

Wie lange dauert es, ein Buch zu schreiben?
Das lässt sich schwer sagen, weil ich die Buchidee erst einmal eine ganze Weile im Kopf hin und her wende, bis ich die Geschichte quasi wie einen Film vor meinem inneren Auge ablaufen lassen kann. Auch vor dem Überarbeiten lasse ich den Text immer eine Weile “liegen und reifen”, um einen  frischen Blick zu bekommen und zu sehen, ob der Text harmonisch und flüssig klingt . Für “Kommissar Unsichtbar” habe ich mehrere Monate gebraucht. Ich habe immer wieder überarbeitet und neu gefeilt. Ich denke, im Schnitt brauche ich von der Idee bis zum fertigen Buch etwa drei Monate. So lang sind meine Geschichten ja nicht, meistens so etwa 120 bis 150 Seiten. Bei kürzeren Geschichten geht’s schon auch schneller. Kurzgeschichten schreibe ich schon auch mal an einem Tag, wenn ich sie erst mal im Kopfkino klar vor Augen habe. Das Vorlesebuch, das im Juni von mir erscheinen wird, habe ich innerhalb weniger Wochen geschrieben und wieder überarbeitet.

Hast du bestimmte Schreibgewohnheiten?
Ja, ich versuche, das Schreiben fest in meinen Tag einzuplanen. Meistens fange ich den Tag mit meinen Schreibprojekten an und arbeite eine bis zwei Stunden daran, ehe ich die Übersetzungsaufträge bearbeite. Das klappt nicht immer, manchmal gibt es eilige Übersetzungsprojekte oder der Abgabetermin für eine Buchübersetzung steht an. Dann stelle ich meine eigenen Projekte hintenan und versuche abends noch ein wenig zu schreiben. Auch am Wochenende schreibe ich gerne. Zum Schreiben sitze ich eigentlich so gut wie immer an meinem Schreibtisch im Arbeitszimmer mit einer Tasse Kaffee und einem Teller Keksen in Reichweite. Zum Überarbeiten gehe ich aber gern in die Küche oder ins Wohnzimmer, weil ich festgestellt habe, dass ein Ortswechsel auch meinen Blick für Fehler schärft.

Wie hast du deinen ersten Verlag gefunden?
Ich bin sehr begeistert vom Langenscheidt-Konzept, in Kinderbüchern englische Dialoge mit deutschem Text zu kombinieren, weil man so quasi nebenbei seinen Wortschatz vertiefen kann. Außerdem verbindet es auf wunderbare Weise meine beiden Traumberufe, das Schreiben und Übersetzen. Also habe ich mich entschlossen, “Kommissar Unsichtbar”  auf Deutsch und Englisch zu schreiben. Dann habe ich das Manuskript einfach an den Langenscheidt Verlag geschickt und prompt Antwort vom Lektorat erhalten. Das war wirklich ein Glücksfall, dass Langenscheidt gerade eine solche Idee suchte. Normalerweise braucht man schon sehr viel Geduld und ein dickes Fell, um ein Buch an den Verlag zu bringen. Es gibt sehr viele tolle Ideen und Autoren, aber im Vergleich dazu eben auch nur begrenzt Programmplätze in den Verlagen. Inzwischen habe ich eine Agentin, die meine Ideen und Manuskripte an die Verlage vermittelt.

Was war dein erstes Buch?
“Detective Invisible – Kommissar Unsichtbar” im Langenscheidt Verlag. Vorher habe ich allerdings schon mehrere Gute-Nacht-Geschichten in verschiedenen Anthologien veröffentlicht.

Welche Rolle spielt für dich das Lektorat bzw. der Lektor?
Eine große Rolle. Der Lektor oder die Lektorin lesen das Manuskript ganz unvoreingenommen und mit frischem Blick. Wenn ein Buch das Lektorat überzeugt hat, ist das für mich noch einmal ein großes Kompliment und ein weiteres Qualitätskriterium, denn dann hat es nach meinen Kindern, meinem Mann und meinen Löwenherzmädels eine weitere große Hürde genommen. Und es ist ein schönes Gefühl, wenn man andere von und mit seinen Ideen begeistern kann. Außerdem erhalte ich durch das Lektorat auch Anregungen, die das Buch noch besser machen und mir auch hilfreich für meine zukünftige Arbeit sind.

Wie stellst du dir den “idealen Lektor” vor?
Ich habe bis jetzt nur mit idealen Lektorinnen zusammengearbeitet :-). Sie geben mir konstruktive Kritik, sind Feuer und Flamme für meine Geschichten, behalten den Blick für das Wesentliche, und wenn sie in den Text eingreifen, dann so einfühlsam, dass mein Schreibstil und auch die Botschaft, die ich gerne mit dem Buch vermitteln will, gewahrt bleibt, und das Buch wirklich nur besser dadurch wird.

Was ist dein aktuelles Buch?
Mein aktuelles Buch ist “Detective Invisible – Kommissar Unsichtbar”. Im Februar kam die Anthologie “Meine schönsten Gute-Nacht-Geschichten für 3, 5 und 10 Minuten” im Compact Verlag heraus, für das ich gemeinsam mit meiner netten Kollegin Julia Breitenöder die Geschichten beigesteuert habe. Voraussichtlich im Juni wird ein weiteres Vorlesebuch von mir erscheinen.

An welchem Buch schreibst du gerade?
Gerade fertiggestellt habe ich die Überarbeitung von “Dschinntastisch – das Mädchen aus der gelben Tasche”. Die Idee hat kürzlich bei einem Ideenwettbewerb gewonnen. Jetzt hoffe ich, dass bald ein gedrucktes Buch daraus wird. Außerdem schreibe ich derzeit an einem Buch für Mädchen ab 10, bei dem die Heldin von einem Fettnäpfchen ins nächste stolpert, und habe viel Spaß dabei. Und mehrere Ideen warten in der Schublade auf Ausarbeitung.

Machst du für deine Bücher Werbung, wenn ja, wie?
Hm, ich schreibe auf Twitter und Facebook und in meinen Netzwerken, wenn ein neues Buch von mir erscheint. Ansonsten stehe ich für Lesungen zur Verfügung. Und ich freue mich auch immer, wenn eins meiner Bücher in Blogs oder in Buchshops rezensiert wird.

Kannst du dir vorstellen, in eigener Regie – also im Selbstverlag o. ä. – Bücher zu veröffentlichen?
Hm, ich weiß nicht. Im Moment wüsste ich gar nicht, wie ich das anpacken soll. Ich kenne mich mit Layout und Covergestaltung so gar nicht aus, und wenn ich mir vorstelle, ich müsste mein Manuskript irgendwie in eine druckbare Datei verwandeln – ich glaub, allein damit wäre ich mehrere Tage beschäftigt. Und damit ist es ja noch nicht getan. Man muss sich um die Vermarktung und eingehende Bestellungen kümmern, und bestimmt noch vieles mehr. Ich ziehe den Hut vor jedem, der eine solch große Herausforderung allein meistert. Ich mag mir darum aber keine Gedanken machen. Am liebsten würde ich nur schreiben, der Rest möge sich bitte von selbst regeln :-).

Was hältst du von E-Books?
Finde ich praktisch für unterwegs, vor allem im Urlaub, weil ich dadurch einen leichteren Koffer habe ;-). Aber gewöhnlich lese ich immer noch lieber die gedruckte Version, weil ich das Rascheln der Seiten und den Geruch so gern mag.

Was liest du selbst gern?
Krimis und humorvolle Bücher, gerne auch historisch. Und natürlich auch immer wieder Kinder- und Jugendbücher.

Welche fünf Kinder- und Jugendbücher würdest du immer wieder empfehlen?
Oh je, nur fünf, das wird schwierig. “Die Gebrüder Löwenherz” von Astrid Lindgren, das ist mein absolutes Lieblingsbuch, obwohl es das schwierige Thema “Tod” behandelt. “Die Unendliche Geschichte” von Michael Ende – da ist schon der Titel sehr vielversprechend.  “Tom Sawyer und Huckleberry Finn” von Mark Twain, “Wir pfeifen auf den Gurkenkönig” von Christine Nöstlinger, “Der Buchstabenfresser” von Paul Maar, weil er so schön mit Worten spielt.

Und als Bonus: “Wie die Kichererbsenprinzessin ihr Lachen zurückbekam” von Hilke Rosenboom und die Tintenherz-Trilogie, die ist zwar noch relativ jung, aber ich glaube, man kann sie schon zu den Klassikern zählen.

Zum Weiterlesen:

Wie ein Porträtbuch entsteht: Birte Vogel über “Hannover persönlich”

Seit einer Weile begleitet mich ein schönes, griffiges Buch mit Lesebändchen und vielen Leuten darin: das Porträtbuch “Hannover persönlich”, das meine Kollegin Birte Vogel geschrieben hat und das im Dezember 2011 erschienen ist.

“Hannover persönlich” ist ein sehr lebendiges Buch. Birte Vogel hat acht Männer und sechs Frauen, die in Hannover leben oder gelebt haben, interviewt und Porträts von ihnen geschrieben – die in keinem einzigen Moment langweilen, dafür aber ergreifen, motivieren, informieren und mehr, die einen jedenfalls nicht kaltlassen.

Unter den Interviewten sind ein Kinderbuchautor (Ingo Siegner), eine Schauspielerin (Annika Dickel), ein Clown (Peter Shub), eine Taubblinden-Pädagogin (Inez Aschenbrenner) und ein Radrennfahrer (Grischa Niermann). Was für eine Mischung! Absolut gelungen, so wie das ganze Buch.

Und da man Leuten, die richtig gute Bücher machen, nie genug Fragen stellen kann, habe ich alle aufgeschrieben, die mir so in den Sinn kamen: über das Porträtschreiben, die Entstehung des Buches, über die Interviews, die Fotos, auch über Hannover … Vielen Dank, liebe Birte, dass du dir die Zeit genommen hast, sie zu beantworten. Und euch kann ich nur empfehlen: Lest dieses Buch. Auch, wenn ihr mit Hannover (so wie ich) gar nichts zu tun habt – denn es geht nicht um die Stadt, sondern um die Menschen. Um “Hannover persönlich”.

Was machst du beruflich, wenn du nicht gerade ein Porträtbuch schreibst?
Ich schreibe Porträts, Interviews und Reportagen für Zeitungen und Zeitschriften, Imagetexte im Bereich Kunst und Kultur, Reden, Biografien, Chroniken und Sachtexte (auch als Ghostwriterin).

Seit wann schreibst du Porträts?
Ich habe vor ungefähr drei Jahren begonnen, mich darauf zu spezialisieren.

Liest du selbst gern Porträts? Über wen?
Leider werden nur sehr wenige Porträts veröffentlicht, und wenn, dann nur in Zeitungen oder Zeitschriften und meistens „kalt‟, d. h. ohne dass die JournalistInnen selbst mit den betreffenden Personen gesprochen haben, oder als Kurzbiografien. Ich würde sehr gerne mehr Porträts lesen, wenn es sie denn gäbe. Mich interessieren alle Menschen, ihr Weg, ihre Geschichte, ihre Motivation. Vielleicht habe ich das Buch auch geschrieben, um endlich mal ein Buch zu haben, das ich auch selbst gern lesen würde: eine Mischung von Prominenten und Unbekannten, die frei von sich selbst erzählen, denen ich als Leserin näher, aber nicht zu nahe komme. Weiterlesen

Fünf Fragen an einen Schnökologen

Neulich hielt Dr. Konrad Büchner, der bekannte Schnökologe, in Schwarzenberg einen seiner brillanten Vorträge. Hernach bat ich ihn um ein Interview, und jetzt kann ich Euch seine Antworten präsentieren. Außerdem stellt er – exklusiv fürs Querbeet-Blog – einen Auszug aus der Schnökeböb zur Verfügung. Tausend Dank, Dr. Büchner, und mögen Ihre Vorträge immer bestens besucht sein!

Bevor es losgeht: Dr. Büchner hat natürlich eine Website: Sagenhafter Fläming
Und im Schwarzenberg-Blog gibt es einen Artikel über den Vortrag in Schwarzenberg: Das Alte Testament nach Dr. Büchner – der Knaller!

Jetzt aber: Fünf Fragen an einen Schnökologen:

1. Was ist ein Schnökologe?
Ein Schnökologe ist ein Sprachwissenschaftler, der sich mit Schnökendöns beschäftigt, also der gereimten Alttagssprache, die man im Fläming in der Vergangenheit sprach – ungefähr bis zum Dreißigjährigen Krieg.

2. Wie wird man Schnökologe?
Es ist sozusagen eine Berufung – ja, man muß den Ruf vernehmen, so möchte ich es fast etwas pathetisch formulieren (siehe auch Frage 4).

Um etwas auszuholen: in meiner Kindheit hörte ich die Alten noch davon erzählen, dass ihre Alten davon sprachen, dass die Alten ihrer Alten noch Schnökendöns von ihren Alten kannten, und man sprach sogar von den „Schnökendönschen Manuskripten“, einer geheimnisvollen Sammlung von Aufzeichnungen, Lebensbeichten, Memoiren, Testamenten, Briefen, Urkunden, Dokumenten und Zetteln in ebendieser Sprache.

Nun, um es kurz zu machen, diese Manuskripte fielen mir in die Hände und ich begann, mich mit Schnökendöns zu beschäftigen.

3. Womit beschäftigen Sie sich zur Zeit als Schnökologe?
Ich übersetze ein altes Weihnachtslied. Denn in meiner Weihnachtsstube in Bad Belzig wird jedes Jahr ein neues Lied gesungen. Bisher waren das z. B. „Ölle Jöhre wönne“ und „Öh dö Fröhlöcke“.

Aber vor allem arbeite ich z. Z. mit an dem Theaterstück „Luther, Liebe und Intrige“, welches den Aufenthalt Dr. Martin Luthers 1530 in Belzig zum Thema hat & das 2011 mit über 40 Darstellern auf der Burg Eisenhardt in Bad Belzig aufgeführt wird. Dafür habe ich die historische Beratung übernommen und werde auch selbst eine kleine Rolle spielen. Das Stück stammt übrigens von Frank Grünert und Harald Richter.

4. Gibt es noch andere Schnökologen außer Ihnen?
Nein, nicht direkt. Aber es gibt einen art- und wesensverwandten Wissenschaftler, mit dem ich in regem Austausch stehe: Prof. Olde Möhre aus den USA. Meinem Publikum in Bad Belzig ist dies inzwischen ein vertrauter Name.

5. Welche Texte in Schnökendöns haben Sie schon übersetzt?
Es sind Sammlungen zur Geschichte Belzigs, zu Wiesenburg, zur wahren Historie der Burg Eisenhardt, jeweils eine thematische Sammlung zu den weihnachtlichen und zu den vorweihnachtlichen Bräuchen der alten Fläminger (wussten Sie z. B., dass sowohl der Glühwein, als auch die Pyramide Erfindungen aus dem Fläming sind?) und meine letzte große Arbeit: die Übersetzung weiter Teile der „Schnökeböb“ – der gereimten Flämingbibel.

Daraus hier die Einleitungsworte von dem wohl bekanntesten Fläminger Heimatdichter schnökendönscher Mundart, von Johann Öthe: Weiterlesen

Fünf mal fünf Fragen an eine Texterin

Fünf mal fünf Fragen an eine Texterin. So viele Fragen – an wen? Judith Burger, www.judith-burger.de und www.text-burger.de (Blog).

1. Warum bist Du Texterin?
Es hat sich so gefügt. Eins ist zum anderen gekommen. Ich habe es ausprobiert, weil mir die Arbeit mit Sprache nahe lag. Da hatte ich Lust drauf.

2. Wie bist Du Texterin geworden?
Ich hatte mein Studium abgeschlossen und vertrieb mir so die Zeit mit Kellnern, Theater-Spielen, Kolumnen schreiben. Das war eine wirklich schöne Zeit. Aber diese berühmte Formulierung kam meinem unsteten Lebenswandel bedrohlich näher: „Was Richtiges machen. Was Ordentliches. Etwas, mit dem alles geregelt ist.“ Just zu diesem Zeitpunkt bekam eine Freundin von mir ihren ersten Job als Juniortexterin. Ich wohnte mit ihr zusammen und bekam so den Arbeitsalltag hautnah mit. Ich dachte, das kann ich doch auch! Ein halbes Jahr später ging ich nach Frankfurt Main. Dort bewarb ich mich mit Kolumnen-Texten und Rezensionen, in Sachen Werbetext hatte ich null Ahnung. In meinem Lebenslauf stand, dass ich als Nachtputze gearbeitet habe, das fanden die irre lustig. Ich glaube, sie haben etwas in mir gewittert.

3. Heißen Texter schon immer Texter?
Das weiß ich nicht. Hm, ich könnte an dieser Stelle vielleicht etwas anderes erzählen, vielleicht von meinem ersten Text-Job. Das war ein Kundenanschreiben für die Modemarke Windsor. Ich war völlig überfordert und brachte keinen Satz auf das Papier. Dann kam mein damaliger Chef, grinste nur und meinte: „Mal ganz ruhig bleiben, das kriegen wir schon hin. Texter fallen eben nicht vom Himmel.“
Ist das eine gute Ersatzantwort?

4. Seit wann gibt es Texter?
Seit Balisto Keksriegel… Hihi, nein, Texter sind wohl so alt wie Werbung, oder? Früher hießen die „Schreiber“? Glaube ich…

5. Welche Texte textest Du so? Weiterlesen

Fünf Fragen an einen Wikinger von heute

Die “Fünf Fragen an einen Wikinger von heute” habe ich Maic Gronych gestellt, der auch die Seite http://www.huginn.de betreibt. Vielen Dank für die ausführlichen Antworten!

1. Welches Bild haben Sie von den Wikingern damals – was waren das für Menschen, wie lebten sie?
Einerseits waren sie Bauern und Handwerker, die, durch ihre Kultur und die klimatischen Einflüsse, ihre Heimat zum Teil verlassen mussten. Andererseits waren sie Künstler und Entdecker, die zu ihrer Zeit beeindruckende Gewerke geschaffen haben. Die Wikinger lebten in einer sehr stark an der Natur orientierten Gemeinschaft. Das Klima war hart und die urbar gemachten Ländereien waren nicht gerade groß. Dadurch bekam meist der älteste Sohn den Hof des Vaters, sodass die jüngeren Söhne sich etwas anderes suchen mussten, wenn sie sich etwas aufbauen wollten. Das Leben war schwer zu bestreiten: Alles musste selbst erarbeitet werden, manchmal waren die Ernten schlecht und so manche Fehde sorgte dafür, dass die ein oder andere Familie verschwand. Doch sie hatten auch eine der ersten Demokratien auf Island eingerichtet und Frauen hatten einen sehr hohen Stellenwert. Sie waren Künstler in so manchem Handwerk. Entdecker, Eroberer, aber auch als Händler waren sie sehr weit in Europa unterwegs. Weiterlesen

Couscous am Freitag oder Fünf Fragen an die Dialogbloggerin

1. Warum bloggst Du?
Es ist immer wieder spannend, ein interessantes Thema zu suchen, dazu zu recherchieren und die Inhalte so zu vermitteln, dass sie den Leser erreichen. Am meisten freue ich mich, wenn Leute Kommentare in meinem Blog hinterlassen. Dann sehe ich, dass sie das Thema so sehr interessiert hat, dass sie selbst etwas dazu sagen wollen. Ich finde es schön, wenn ich andere Menschen mit meinen Texten zum Nachdenken bewegen kann.

2. Wie bist Du auf den Blognamen gekommen?
Die Themen, die ich in meinem Blog behandle, haben eines gemeinsam: den Dialog. Den Dialog zwischen Menschen, zwischen Kulturen und Religionen, aber auch den Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Deshalb habe ich den Namen „Dialogtexte“ gewählt.

3. Wie würdest Du Dein Blog beschreiben?
Ich versuche in meinem Blog, Themen aus der Wissenschaft zu „übersetzen“. Ich finde es schade, dass Forschungsergebnisse aus den Geisteswissenschaften wenig zu aktuellen Debatten beitragen. Das liegt mit Sicherheit auch daran, dass Wissenschaftler in ihrer jeweiligen Fachsprache kaum Gehör finden.
In meinem Blog behandle ich insbesondere Themen aus der Ethnologie und angrenzenden Wissenschaften. Viele Beiträge drehen sich um Kulturdialog, Migration und Integration.

4. Wo findest Du Deine Themen? Weiterlesen

Fünf Fragen an die Wortakzente-Bloggerin

(Daniela Dreuth bloggt seit November 2009 auf http://wortakzente.wordpress.com/. Am Schluss und ausnahmsweise: die Frage 3,5!)

1. Warum bloggst Du?
Vor einem Jahr hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich einmal bloggen und twittern würde. Letzten Mai habe ich angefangen zu twittern. Über Twitter-Links habe ich viel in Blogs gelesen. Ich hatte damals ganz viele Ideen, worüber ich auch gerne einmal schreiben würde. Also habe ich kurzerhand ein Blog eröffnet. Ich schrieb einige Artikel, beschäftigte mich mit der Land- und der Bundestagswahl und merkte dann plötzlich, dass nichts mehr nachkam. Daraufhin habe ich mein Blog kurzerhand gelöscht. Natürlich habe ich das schon zwei Wochen später bedauert, als irgendetwas passierte, wozu ich meine Meinung gerne in mehr als 140 Zeichen geäußert hätte. Im November habe ich dann meinen zweiten Anlauf gestartet.

2. Wie bist Du auf den Blognamen gekommen?
Das ist eine schwierige Frage! So genau weiß ich das gar nicht mehr. Ursprünglich dachte ich, ich würde vor allem über Sprache, Sprachverirrungen, Fehler und ähnliches schreiben. Der Name sollte also etwas mit Wort oder Text zu tun haben. “Wortakzent” kam mir ganz plötzlich in den Sinn, gefiel mir und war noch nicht vergeben. Da der Name nach dem Löschen des Blogs unwiderruflich weg ist, machte ich beim Neustart “wortakzente” daraus, was mir sogar besser gefällt. Letztlich schreibe ich gar nicht über Sprache.

3. Wie würdest Du Dein Blog beschreiben? Weiterlesen

Fünf Fragen an einen Ritter von heute

Im Schwarzenberger Jahr gibt es zwei Daten, die ich mir rot ankringle: Immer im August findet das Altstadtfest statt, und im Dezember ist für eine Woche Weihnachtsmarkt. Dieses Jahr beim Altstadtfest fiel mir eine Rittergruppe auf, die am Unteren Tor ihre Zelte aufgeschlagen hatte – mit Kind war das natürlich eine große Sache, und Fragen (über Fragen über Fragen) wurden sehr nett beantwortet. Der Dialekt erschien mir vertraut – kein Wunder, denn die Ritter, Damen und Gefolgsleute gehörten zur Compagnia degli Scoiattoli Neri, einem Verein mit Sitz in Aue.

Meine fünf Fragen fürs Blog hat mir Jörg Schneider alias Georg von Gangloff beantwortet – dankeschön dafür.

1. Warum gibt es heute noch Ritter bzw. warum machen Sie das?
Auf diese Frage gibt es viele Antworten. Man könnte sagen:
- Ich bin nie erwachsen geworden und habe mir so einen Kindheitstraum verwirklicht.
- Das Mittelalter birgt so viele interessante Dinge und Geschichten, die es wert sind, am Leben erhalten zu werden.
- Als “Ritter” kann man sein Interesse am Mittelalter ausleben. Ein Eisenbahnfan hat sicher auch eine Modelleisenbahn zu Hause.
- Indem man für einen begrenzten Zeitraum ins Mittelalter zurückkehrt, also in eine andere Welt eintaucht, kann man für diese Zeit den doch manchmal anstrengenden Alltag vergessen.
- Das Mittelalter weckt bei uns eine Art romantischer Vorstellungen. Es ist doch schön, abends an einem Lagerfeuer zu sitzen, der Musik zu lauschen, andere Leute zu treffen. Viele kennt man auch schon länger und es entstehen neue Freundschaften.

2. Wie originalgetreu sind die Rüstungen und die andere Ausstattung?
Nun ja, die Rüstungen werden so originalgetreu wie möglich hergestellt (mal von einzelnen Ausnahmen abgesehen). Nur an den Herstellungsweisen hat sich sicher einiges geändert. Manche Hersteller fertigen ihre Rüstungsteile durch z. B. Tiefziehen in Formen, andere produzieren noch in Handarbeit. Hier gibt es dann auch Unterschiede in der Stabilität. Bei einer gut getriebenen Rüstung hat man eben nicht gleich beim ersten Schlag eine Delle drin.
Was die Waffen angeht, so sind die Schaukampfschwerter natürlich nicht scharf. Sie müssen mindestens eine 2-mm-Schlagkante besitzen. Auf Spitzen, auch an anderen Waffen, sollte wegen der Verletzungsgefahr verzichtet werden.
Bei all den Rüstungen und Waffen, die es gibt, muss man dann noch unterscheiden, sind diese nur zur Deko, dann dürfen sie auch nicht zum Kampf verwendet werden (Verletzungsgefahr), Schaukampfwaffen  und Rüstungen sind natürlich hierfür geeignet. Diese Eignung sollte aber beim Hersteller erfragt werden. Dann gibt es noch Originalwaffen und Rüstungen. Wer diese benutzt, ist eigentlich nicht zurechnungsfähig, da so der enorme Wert gemindert wird.

3. Wie ist das mit Kämpfen, Reiten und dem Minnesang?
Hier kann ich natürlich wieder nur für uns antworten. Wir kämpfen zu Fuß. Aber das muss jeder für sich entscheiden. Wer sich ein Pferd leisten und auch noch reiten kann, der macht sich natürlich gut, in schillernder Rüstung auf dem Rücken seines Pferdes. Wer kein Pferd hat, bleibt halt beim Fußvolk. Aber auch zu Fuß, auf dem Schlachtfeld (diese gibt es noch, wenn auch nur zur Show), kann man doch einiges erleben und sich richtig als Ritter fühlen.
Und wie das mit dem Minnesang ist, da muss ich passen. Für das Singen sind dann doch eher Künstler zuständig. Obwohl es doch Leute gibt, die sich dem Minnesang verschrieben haben. Wir ziehen jedenfalls nicht mehr vor das Fenster unserer Angebeteten und bringen dort unsere Liedchen vor.

4. Was sind die Höhepunkte des Ritterjahres?
Auch dies dürfte für jeden anders sein. Es gibt da Veranstaltungen, wo man sehr gern hingeht. Für den einen ist es z. B. ein besonderes Turnier. Wir freuen uns auf die schon benannten Schlachten. Das ist etwas ganz Besonderes, in einem Heer dem “Feind” gegenüberzustehen und dann in geschlossener Linie vorzurücken… Als gute Beispiele kann ich da Ehrenberg – die Zeitreise oder die Belagerung der Brandenburg benennen. Allerdings gibt es viele andere Veranstaltungen, die wir noch nicht besucht haben. Sicher kann es in den nächsten Jahren eine ganz andere Schlacht sein, auf die wir uns sehr freuen.
Auch gibt es Burgfeste, zu denen man immer wieder gern hingeht. Weil der Veranstalter absolut lieb ist, weil die Stimmung stimmt und weil die Leute rundum passen. Ich möchte mich da jetzt nicht genau festlegen.

5. Wie viele Rittervereine gibt es in Deutschland, tauschen sie sich miteinander aus?
Über die Zahl der historischen Vereine kann ich keine Aussage machen. Es gibt derer sicher sehr viele. Die Zahl dürfte jedoch schwankend sein. Wie es nun mal so ist, trennen sich Vereine, deren ehemalige Mitglieder finden sich dann in anderen Zusammenschlüssen wieder. Auch die Mitgliederzahlen sind sehr unterschiedlich. Natürlich tauscht man sich mit anderen Vereinen aus. So gibt es doch viel zu lernen und zu verbessern. Gute Ideen sind immer willkommen.
Die Compagnia degli Scoiattoli Neri hat z. B. einen Gruppenteil in Italien, mit denen wir größere Veranstaltungen gemeinsam bewältigen.

Fünf Fragen an einen Deutschen in Mailand

1. Was für eine Stadt ist Mailand?
Groß und mit internationalen Bewohnern und noch mehr Touristen. Man merkt Mailand seine industrielle Vergangenheit mehr an als alle Jahrhunderte davor. Ausnahmen sind der beeindruckende Dom, das Castello Sforzesco und die Handvoll kleiner Basiliken. Es gibt durchaus schöne Ecken und für Modeliebhaber ist Mailand nach wie vor ein Ziel von Weltrang – was mich recht wenig interessierte. Meine Eindrücke waren: außer Kaffeeprodukten und dem öffentlichen Nahverkehr ist eigentlich alles teuer. Neben unauffälligen, oftmals nicht renovierten Palazzi stehen hässliche Wohnblöcke aus den 70er und 80er Jahren. In einigen Vierteln wohnt man in alten Palästen mit aufwändig begrünten Innenhöfen, um die Ecke die Niederlassungen von Gucci, D&G, Armani & Co. Trotzdem, um eine Kollegin zu zitieren: “Everywhere fucking concrete” (Überall der beschissene Beton). Und tatsächlich: es gibt keine großzügigen Alleen wie bspw. in Turin, keine Vorgärten, nirgendwo Bäume. Um Grün zu sehen, muss man schon zu einem der öffentlichen Parks latschen. Mailand nimmt gefühlsmäßig eine große Fläche ein und man muss auch lange mit Bus, Tram und Metro fahren, um von einem zum anderen Ende der Stadt zu kommen. Allerdings wirkte Mailand nie wirklich groß auf mich. Überall diese fünfstockigen Patrizierblöcke, keine weitläufigen Plätze, keine modernen Bürohäuser.

2. Wie lebt es sich in Mailand?
Ganz gut, glaube ich. Ich habe in einem der Vororte gelebt, da sind Staus auf dem Weg zur Arbeit und zurück vorprogrammiert. Das Nachtleben ist entsprechend der Größe Mailands vielfältig, aber immer: teuer. Es gibt viele Bars, Cafés und Restaurants, in denen man sich mit Freunden und Arbeitskollegen nach der Arbeit zu einem “aperetivo” (d.h. einer happy hour mit Buffet) trifft. Mir gefällt die Stadt nicht, es gibt kaum gemütliche Ecken.

3. Was bekommst du von der Modestadt mit?
In der Innenstadt (Corso Vittorio Emanuele, Via Montenapoleone und Umgebung, aber auch des Nachts bei den Navili) trifft man vermehrt auf schick gekleidete Menschen. Man möchte meinen, für sie wäre jeder Tag ein Feiertag. Tatsächlich scheinen die MailänderInnen grundsätzlich mehr Wert auf ihr Äußeres zu legen. Was hier in Deutschland als ziemlich schick angesehen wird, geht dort als tägliches Berufsoutfit durch. Und die teuren Marken werden tatsächlich getragen – insbesondere fiel mir eine Überschwemmung der Stadt mit der aktuellen Damenhandtasche von Louis Vuitton (~200 €) auf… In der Kneipenstraße bei der Porta Genova trifft man auch schon mal auf eine Gruppe vermeintlicher Models.

4. Welche Sprachen hört man am meisten?
Italienisch! Aber auch, und zwar je nachdem, wo man gerade ist: Philippinisch (hätte ich nicht erkannt, es gibt aber viele Philippinos), Chinesisch in Chinatown, auf dem Domplatz Japanisch, arabische Sprachen im Norden der Stadt und in den Vorstädten. Deutsch, Französisch und andere europäische Sprachen habe ich außerhalb der Arbeit nicht gehört.

5. Wie ist das Italienisch, das in Mailand gesprochen wird?
Es gibt einen sehr eigenen Mailänder Dialekt, der nur noch in den Dörfern der Provinz Mailand gesprochen wird. Wie ich mich informiert habe, nennt sich dies Lombardisch und ist gar kein italienischer Dialekt, sondern eine eigene gesprochene Sprache, die mit dem Französischen enger verwandt ist als mit dem Italienischen. Ich selbst habe Lombardisch aber außer von einer CD einer lokalen Band nie selbst gehört und mich ansonsten nur mit Italienern unterhalten, die das Standarditalienisch sprachen.

Fünf Fragen an eine Übersetzerin und einen Übersetzer

ubersetzer1. Wann werden die Übersetzer von Übersetzungsprogrammen abgelöst
(Übersetzerin)
Es sieht nicht so aus, als könnte das in absehbarer Zeit passieren. Dazu müsste die elektronische Datenverarbeitung wie das menschliche Gehirn funktionieren. Sprache läßt sich nun einmal nicht restlos mathematisch beschreiben, und beim Übersetzen sind immer irrationale Faktoren im Spiel, selbst wenn es sich um knochentrockene Texte handelt.

(Übersetzer)
Erst wenn ich mich der Sache angenommen habe, doch warum sollte ich… Nein im Ernst, mit den aktuellen linguistischen bzw. statistischen Verfahren wird das alles auf Dauer nichts werden. Der Algorithmus müsste eigentlich das gesamte Wissen der Welt als Hintergrundwissen hinzuziehen, und dieses müsste ständig aktuell gehalten werden. Die sprachliche Seite ist da noch das geringste Problem.

2. Braucht man ein Diplom, um ein guter Übersetzer zu sein?
(Übersetzerin)
Prinzipiell nicht. Aber in dem Studium, das zum Diplom führt, bekommt man schon das nötige Handwerkszeug mit, um sich guten Gewissens an diese Arbeit wagen zu können. Natürlich ersetzt es keinesfalls die Berufserfahrung und ein gewisses Sprachgefühl.
Je nach Fachgebiet des zu übersetzenden Textes kann aber zum Beispiel auch ein Jodeldiplom von Nutzen sein.

(Übersetzer)
Meine Antwort darauf ist ein klares Jein: Es ist vielleicht hilfreich, wenn man eines hat. Mindestens genauso wichtig sind jedoch Berufserfahrung und Fachkenntnisse in den Bereichen, in denen man übersetzt.

3. Warum sind nicht alle Übersetzer in einem Übersetzerverein?
(Übersetzerin)
Ich weiß nicht, vielleicht fehlt der Leidensdruck.

(Übersetzer)
Viele Übersetzer sind Mitglied in einem der zahlreichen Übersetzerverbände. Diejenigen, die das nicht sind, wollen vielleicht die berufsbedingte soziale Isolation konsequent zu Ende führen, oder ihnen leuchtet nicht ein, warum sie in einen Verein potenzieller Konkurrenten eintreten sollen. Das kann man so sehen, muss man aber nicht…

4. Welche Tools erleichtern Dir das Übersetzerleben?
(Übersetzerin)
Abgesehen vom Rechner selbst, der praktisch unverzichtbar ist: das Internet. Fast immer habe ich beim Übersetzen verschiedene Online-Glossare, eine Suchmaschine und eventuell noch Wikipedia geöffnet. Natürlich findet man dort nicht die letzte Wahrheit, genauso wenig wie in den Wörterbüchern. Hier benutze ich vor allem die Fachwörterbücher für Technik, für Recht und Wirtschaft und mitunter das Synonymwörterbuch. Bei ganz kniffligen Problemen, wenn ich gar nicht mehr weiter weiß, greife ich auch mal zum Telefon und befrage Fachleute.

(Übersetzer)
Neben den üblichen Officeprogrammen vor allem CAT-Tools (spezielle Übersetzungseditoren) und, ja, maschinelle Übersetzungsprogramme. Und natürlich auch der FineReader, viele Kunden schicken mir besonders gern PDF-Dateien, die zwar schön aussehen, sich aber leider nicht direkt bearbeiten lassen…

5. Du warst nicht bei der BDÜ-Konferenz in Berlin. Warum?
(Übersetzerin)
Ich war zu der Zeit anderweitig beschäftigt. Außerdem bin ich nicht Mitglied des BDÜ.

5. Du warst bei der BDÜ-Konferenz in Berlin. Was hat Dir das gebracht?
(Übersetzer)
Ich habe viele interessante Vorträge gehört, Kollegen getroffen und jede Menge neue Ideen…