Kategorie-Archiv: Kinder- und Jugendbuch

Malorie Blackman: “Himmel und Hölle” // “Noughts and Crosses”

Wurde Zeit, dass ich auf Malorie Blackman gestoßen bin, die britische Autorin hat schon über 50 Bücher veröffentlicht, ihr größter Erfolg bisher ist die “Noughts and Crosses”-Reihe. Das sind vier Bücher, auf Deutsch sind bisher drei erschienen: “Himmel und Hölle”, “Asche und Glut”, “Schachmatt”. Diese drei Bücher sind mir letztens in der Bibliothek ins Auge gesprungen, ich  habe Band 1, “Himmel und Hölle”, in einem Rutsch gelesen, das war eine recht lange Nacht …

Malorie Blackman: Himmel und Hölle

Den Titel “Himmel und Hölle” finde ich nicht so gut, seine Richtigkeit hat er aber schon, da es auch eine Liebesgeschichte ist, die von Sephy (Persephone) und Callum. Doch wichtiger als das ist, dass Sephy eine Alpha (in der englischen Version: Cross) und Callum ein Zero (englisch: Nought) ist. Die Alphas sind schwarz und regieren, die Zeros sind weiß und Menschen zweiter Klasse, ehemalige Sklaven, die entweder ihr Schicksal hinnehmen oder in der “Befreiungsfront” militant gegen die Alphas vorgehen. Von beiden Seiten kommt Hass und zwischendrin Sephy und Callum, die von Kindheit an Freunde sind und sich als Teenager verlieben …

Der Ansatz ist faszinierend: Malorie Blackman dreht die Geschichte um, nicht die Schwarzen sind die Unterdrückten, sondern die Weißen, die Handlung spielt in einer “anderen Jetztzeit” oder in einer nahen Zukunft. So schafft die Autorin Abstand und lässt einen neuen Blick auf das alte Thema zu. Indem sie es mit einer Liebesgeschichte verbindet und abwechselnd Sephy und Callum erzählen lässt, spricht sie so ziemlich alle Jugendlichen ab etwa 14 Jahren an, Mädchen wie Jungen.

Es ist ein Jugendbuch, also wird es dem erwachsenen Leser manchmal eine Spur zu pathetisch, emotional, simpel zugehen, aber: Die Geschichte packt, fesselt und macht nachdenklich, perfekt für die Zielgruppe. Ich freu mich auf die nächsten zwei Bücher (die ich ja schon aus der Bibliothek ausgeliehen habe).

Website der Autorin: www.malorieblackman.com
Malorie Blackman bei Twitter: twitter.com/malorieblackman

Tiere sind auch nur Menschen: “In Hamburg lebten zwei Ameisen” von Joachim Ringelnatz

Morgenstern, denke ich immer wieder, Morgenstern! Dabei ist es Ringelnatz – ein Bilderbuch ab fünf Jahren mit über zwanzig Gedichten von Joachim Ringelnatz und sehr schönen Illustrationen von Christine Sormann. Die titelgebenden Ameisen sind vorn auf dem Cover zu sehen. Dass sie nur vier (und nicht sechs) Beine bzw. zwei Arme und zwei Beine haben, muss natürlich so sein – weil diese Ameisen auch nur Menschen sind.

Zwei Ameisen aus Hamburg wollen nach Australien reisen, aber schon bei Altona ist die Puste raus, die Beine tun weh und sie lassen’s bleiben. Sie würden ja gern, aber … ach, zu Hause ist es doch auch schön! Sehr menschlich kommen auch rüber: Nilpferd, Elefant, Tintenfisch, Stachelschwein, Qualle, Storch, Walfisch, Hochseekuh und andere, eine bunte Menagerie, die Christine Sormann wunderbar in Szene setzt, mit klaren Strichen und Farben, mit Kontrasten und Mustern.

Auf jeder Buchseite steht ein Gedicht, immer zwei Gedichte sind sich vom Thema her nahe und also auch durch die Illustration verbunden. So steht zum Beispiel auf der linken Seite das Gedicht “Im Park” und auf der rechten Seite “Das Samenkorn”. Die linke Seite ist schwarz-weiß in der Nacht, die rechte Seite farbig am Tag, und der Baum in der Mitte erstreckt sich über beide Seiten, hinein in die Nacht und in den Tag. Die Illustrationen strahlen eher Ruhe aus und harmonisieren mit den jeweiligen Gedichten.

Und auch die Sprache passt zum Kinderbuch: zum großen Teil leicht verständlich (manche Wörter wird man einem Kind erklären müssen, kein Wunder, die Gedichte haben bald 100 Jahre auf dem Buckel), mit Lautmalerein, Quatschwörtern und Reimen. Das Buch kann man sich immer mal wieder nehmen und dem Kind oder den Kindern ein-zwei Gedichte vorlesen, die Bilder anschauen, Geschichten weiterspinnen. Zum Beispiel die von den zwei Ameisen, die vielleicht einen zweiten Versuch wagten und nicht schon in Altona hängenblieben, sondern es rund um die Welt bis nach Australien schafften und dort … nun, das ist eine andere Geschichte.

Joachim Ringelnatz
In Hamburg lebten zwei Ameisen
illustriert von Christine Sormann
Lektorat Constanze Steindamm
32 Seiten
21,9 cm x 27,8 cm
Lappan Verlag
ISBN 978-3-8303-1192-8
12,95 Euro

Geisterstunde in Pyeville Manor: “Detective Invisible” – “Kommissar Unsichtbar” von Corinna Wieja

Kinderbücher mit Detektiven gibt es viele, mit einem unsichtbaren Detektiv wohl eher nicht, mir fällt zumindest keins ein. Detektiv Jonathan Smartypants ist unsichtbar, weil er ein Geist ist. Also ein toter Detektiv, der herumgeistert, da er seinen letzten Fall nicht mehr lösen konnte, das aber seiner Auftraggeberin versprochen hatte. Und was man versprochen hat, das muss man auch … so ist das eben.

Smartypants spukt in einer alten Villa namens Pyeville Manor, in die es in den Sommerferien Josy mit ihrer Mutter (die aus Deutschland stammen) verschlägt. Josys Mutter hat überraschend die Villa geerbt und will dort ein Bed & Breakfast eröffnen. Genau, ein B & B, denn die Geschichte spielt in Großbritannien, in der Nähe von Brighton. In der Villa leben noch der Gärtner Mr Partridge und die Haushälterin Mrs Summer, die in den Ferien ihren Enkelsohn Jared zu Besuch hat.

Dass es in der Villa nicht mit rechten Dingen zugeht, merkt Josy gleich in der ersten Nacht: Da erscheint ihr Detektiv Jonathan Smartypants, und schon steckt Josy mitten in einem Kriminalfall – kann sie Smartypants helfen, seinen letzten Fall zu lösen?

Die Geschichte hat alles, was ein ordentlicher Kinderkrimi braucht: einen kniffligen Fall (Wo ist das “Himmelsherz”?), zwei Helden, die auf Trab sind – Josy und Jared –, einen sympathischen Sonderling – Jonathan Smartypants –, ein-zwei Verdächtige (hier keine Namen …), Spannung, Rätselraten, Humor … und eine gute Portion Englisch, denn “Detective Invisible” ist in der Langenscheidt-Reihe “deutsch-englische Krimis für Kids” erschienen.

Logisch, dass Englisch gesprochen wird, da Josy (wie gesagt) in Großbritannien ist, und Jared, Mrs Summer, Jonathan Smartypants und all die anderen nun mal englisch sprechen. Die Gespräche sind also zum großen Teil auf Englisch, der Rest der Geschichte auf Deutsch. Das ist eine gute Mischung und  kommt ganz natürlich rüber, man wird durch den Sprachenwechsel nicht aus der Geschichte geworfen. Manche Wörter und Wendungen sind im Text fett gedruckt und stehen ganz unten auf der Seite, mit Übersetzung. “Smartypants” heißt beispielsweise “Klugscheißer” – ob der Name zum Geisterdetektiv passt, kann man ja mal selbst nachlesen.

Fazit: “Detective Invisible” von Corinna Wieja liest sich flott weg, ist ab 10 Jahren und macht Appetit auf englischsprachige Bücher. Hat mir gut gefallen!

Website und Blog der Autorin
Eine Leseprobe findet sich hier: klick

Corinna Wieja
Detective Invisible – Kommissar Unsichtbar
Illustrationen von Jörg Hartmann
Langenscheidt Verlag
120 Seiten
6,99 Euro
ISBN: 978-3-468-20892-8

Bloß nichts verpassen: “Ich bin wirklich noch nicht müde!” von Lori Sunshine und Jeffrey Ebbeler

Die alte Geschichte: Man denkt, man würde etwas Großartiges verpassen, wenn man bei irgendeiner Sache nicht dabei ist. Und wie geht es da erst Kindern – die jeden Tag lange vor den Eltern ins Bett müssen und gar nicht wissen können, was die Erwachsenen machen, wenn sie, die Kinder, schlafen oder schlafen sollen. Wunderbarer Erzählstoff für ein Bilderbuch, für “Ich bin wirklich noch nicht müde!” von Lori Sunshine. Der Name der Autorin verrät es, das Buch ist aus Amerika über den großen Teich zu uns gewandert, übersetzt hat es Constanze Breckoff.

Da wäre also Tom, der eines Abends überhaupt noch nicht müde ist und endlich herausfinden will, was seine Eltern machen, wenn er im Bett liegt, mit Sicherheit die tollsten Dinge! Mit Pitt, seinem Panda-Teddybär, schleicht Tom durchs Haus. Der Teddy hat die rote Taschenlampe in der Pfote, und im Lichtkegel sieht man, was Tom sich so alles ausmalt: die Eltern als Akrobaten im Zirkus, als Tierpfleger im Zoo, im Astronautenanzug vor einem Raumschiff, im Garten mit einem Dinosaurier …

Die Illustrationen von Jeffrey Ebbeler sind in gedämpften Farben, sie strahlen eine gewisse Ruhe aus, auch wenn Toms Fantasie Purzelbäume schlägt. Also kann man das Buch gut vor dem Schlafengehen anschauen und vorlesen, was nicht heißt, dass die Bilder zum Einschlafen sind, sie wirken wie aus einem guten Zeichentrickfilm und man kann viele Details entdecken. Besonders gut gefällt mir das Nachtblau, das immer wieder auftaucht, als Kontrast zum Licht der Taschenlampe. Manchmal erstreckt sich eine Szene über zwei Seiten, manchmal füllen mehrere Szenen und Illustrationen eine Doppelseite aus, das wechselt.

Zwei Versuche braucht Tom, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, beim ersten Anlauf knarzt die Treppe, was die Eltern hören. Beim zweiten Mal schafft Tom es bis zur Wohnzimmertür, er öffnet sie und lugt durch den Spalt, und “es war überhaupt nicht so, wie er sich das vorgestellt hatte”. Aber das kann Tom gar nicht erschüttern, er ist sicher, dass er Zirkus, Zoo, Eisenbahn, Torte usw. nur gerade verpasst hat und will es am nächsten Tag wieder versuchen …

Lori Sunshine:
Ich bin wirklich noch nicht müde!
Illustrationen von Jeffrey Ebbeler
Aus dem Englischen von Constanze Breckoff
ab 5 Jahren
40 Seiten
25,1 cm x 25,2 cm
Lappan Verlag
ISBN: 978-3-8303-1190-4
12,95 Euro

Es ist Frühling! “Kabulski und Zilli-Ohwiewunderbarschön” von Brigitte Werner und Birte Müller

Ganz schön lang, der Name: Zilli-Ohwiewunderbarschön. Erst habe ich Zilli-Ohwiewunderschön gelesen, ohne “bar”. Zillikatze ist auch wunderschön, findet zumindest Kabulski, ein Kater im Ruhrpott. Er ist schwarz und mit Bauch, der beim Herumrennen ein wenig hinderlich ist, aber nicht so sehr, dass Kabulski nicht rennen würde, zumindest, wenn er mit Zillikatze unterwegs ist.

Und Zillikatze findet alles ohwiewunderbarschön, besonders wenn es etwas ist, was Kabulski vorschlägt. An einem Frühlingsabend schlägt er vor, Elefanten und Nashörner zu jagen. Im Ruhrpott, wohlgemerkt. Und Zilli ist begeistert, sie reißt Kabulski mit, sie jagen durch die Stadt und stoßen vielleicht sogar auf ein Nashorn, beinahe. Und irgendwann sind sie völlig erledigt, aber auch – glücklich.

Von Nashörnern und Elefanten wimmelt es auf den Bildern des Buchs, sie sind an Litfaßsäulen, in Hausfenstern, auf dem Strommast, hinter Büschen, in Müllkübeln, in Einfahrten … Die Illustrationen sind von Birte Müller, und ich finde sie wunderbarschön. Die Farben sind pur, satt, sie leuchten. Nix Vermischtes, sondern flächig und einfach, an Plakatfarben erinnert mich das. Zillikatze ist weiß, ihre Ohren und Nase “tiefrosarot”, Kabulski ist schwarz und mit Bauch, wie gesagt.

Brigitte Werner spielt mit den Wörtern, sie schreibt: Fizzematenten, der Duden Fi­si­ma­ten­ten, keine Frage, welche Variante schöner ist, dann hätten wir noch “wibbeligwibbeligkribbelig” und “blitzschnellmöglichstsofort”, und Zillikatze tanzt den “AchichbinsoaufgeregtlassunsanfangenTanz”. Eine Katze und ein Kater im Frühling auf der Jagd nach Elefanten und Nashörnern, die natürlich liebend gern von Katzen gejagt werden, wie Kabulski sagt, sich aber dennoch gekonnt verstecken. Am Schluss weiß Zillikatze immer noch nicht, wie Elefanten und Nashörner aussehen, und schläft “ratzfatzdikatz” ein, aber Kabulski kuschelt sich an sie und sein Herz ist “auf der Stelle ein schlingerndes Karussell”. Es ist Frühling!

Brigitte Werner:
Kabulski und Zilli-Ohwiewunderbarschön
Illustrationen von Birte Müller
ab 6 Jahren
Verlag Freies Geistesleben
ISBN 978-3-7725-2487-5
gebunden, 57 Seiten
12,00 Euro

Bitte melden! “Miekes genialer Anti-Schüchternheitsplan” von Birgit Ebbert

Bücher über Schule sind eine Sache für sich, es reicht doch, wenn man ständig hingehen muss oder musste, könnte man denken. Wie gut, wenn sich dann ein Buch zum Thema “zu schüchtern, um sich in der Schule zu melden” als richtig nette Unterhaltung mit Ratgebereffekt entpuppt!

Mieke ist elf Jahre und weder auf den Kopf noch auf den Mund gefallen. Einige Schulfächer mag sie lieber, in anderen ist sie nicht ganz so gut, Probleme hat sie jedenfalls nicht, bis auf eins: Sie traut sich nicht, sich im Unterricht zu melden. Das mag dem einen oder andern bekannt vorkommen. Wenn ich so an meine Schulzeit zurückdenke, habe ich auch nie zu denen gehört, die dauernd was zu sagen hatten bzw. sagen wollten. Na, Kinder sind auch nur Menschen, und ob man sich so nebenbei meldet oder deswegen jedesmal ein Fass aufmacht, hängt von x-Dingen ab. Bei Mieke in Birgit Ebberts Buch ist die Sache ganz einfach, Mieke meldet sich nie. Es ist also auffällig, und eines Tages stellt ihr Klassenlehrer, Herr Meyer-Piepenkötter, genannt “Förster” (wegen seiner grünen Weste), ihr ein Ultimatum: Mieke hat drei Monate Zeit, um endlich aus dem Knick zu kommen, was das Melden angeht. Wenn alles beim Alten bleibt, muss sie die Schule verlassen – da in dieser Schule die mündliche Mitarbeit sehr wichtig ist. Weiterlesen

Zwei Kinder in Indien: “Akhil Kakerlake und Neena Stinkefisch” von Marie-Thérèse Schins

Dieser Bucheinband ist schön. Erst mal gebunden, also kein nachgiebiges Cover, sondern eines, das man fest anfassen kann. Auch kein Papierumschlag drumherum, bei dem man sich immer fragt, ob man ihn beim Lesen lieber abmachen soll, obwohl er ja das Buch schonen soll und nicht umgekehrt. Dann natürlich die Umschlagillustration, die von Birte Müller stammt. So bunt, aber nicht grell, mit vielen Dingen, die im Buch, in der Geschichte vorkommen.

Unten krabbeln beziehungsweise schwimmen eine Kakerlake und ein Fisch durchs Cover und sehen ganz nett aus, doch als Spitzname sind sie nicht gerade schmeichelhaft, auch nicht in Indien, wo Neena und Akhil leben – Neena im Fischerdorf Nallipulla, Akhil im Dorf Karutam. Neena ist elf Jahre und nicht auf den Mund gefallen. Wenn Jungs aus ihrer Klasse sie Neena Stinkefisch nennen, “stinkt” sie zurück. Und auch gegen ihre kleine, jedoch wort- und ohrfeigengewaltige Großmutter, die Ammamma, begehrt sie auf – indem sie “abschaltet”, wenn diese lauthals mit ihr schimpft, oder indem sie der Großmutter, die nicht lesen kann, beim Vorlesen der Zeitung Lügengeschichten erzählt. Neena will schwimmen lernen und Muschelpflückerin werden, wie ihr Vater, der Achan. Doch in ihrer Gegend im Süden Indiens dürfen Frauen und Mädchen nicht ins Meer und erst recht nicht darin schwimmen.

Akhil ist zehn und schrecklich verliebt in die schöne Ambeli aus seinem Dorf – die acht Jahre älter ist als er. Heimlich schaut er Bollywoodfilme an und träumt davon, Ambeli zu küssen. Dass er für Ambeli schwärmt, merkt ausgerechnet sein Erzfeind Raaji, und der ist es auch, der Akhil eine Kakerlake nennt – eine kleine Kakerlake, die nichts weiß.

Auf dem Bucheinband sind mehrere Muscheln zu sehen – Muscheln, nach denen Neenas Vater taucht, die Neenas Mutter, die Amma, auf dem Markt verkauft, und vielleicht auch Neenas zwei Muscheln, die ihr Geheimnis sind und die Glück bringen sollen. Neena ist am Strand, als ihr Vater an einem Tag nach Muscheln taucht und dabei schlimm verletzt wird, weil Fischer in seiner Nähe mit Dynamit fischen. Sie ist nicht vor Angst und Schrecken gelähmt wie ihre Großmutter, sondern handelt. Und sitzt schließlich bei ihrem Vater im Taxi, das sie in die Stadt Trivandrum ins Krankenhaus bringen soll. Als das Taxi unterwegs einem Bus in die Quere kommt, sehen Neena und Akhil sich zum ersten Mal in ihrem Leben: Denn Akhil ist mit seiner Familie in diesem Bus auf dem Weg in die Stadt, um dort den Geburtstag der Mutter zu feiern. Weiterlesen

Abenteuer, Rätsel, Grusel gefällig? “Percy Pumpkin: Der Mumienspuk” von Christian Loeffelbein

Wir brauchen jetzt erst mal ein bisschen Fantasie, bitte. Mehr oder weniger, je nachdem, wann das hier (diese Buchbesprechung) gerade gelesen wird. Geschrieben wird sie jedenfalls im Mai, bei sommerlichen Temperaturen. Und in dem Buch, um das es geht, ist Winter. Weihnachten, um genau zu sein! Aber dass Winter ist, spielt wiederum keine so große Rolle, weil Percy Pumpkin (= Hauptfigur) und seine Freunde kaum aus dem Schloss kommen. Aus dem großen, verwinkelten Schloss Darkmoor Hall, in dem Lord und Lady Darkmoor mit ihren Zwillingstöchern Claire und Linda leben. Zu Weihnachten ist das Schloss jedoch gut gefüllt mit allen möglichen Verwandten der Darkmoors. Darunter Percy Pumpkin mit seinen Eltern. Lady Darkmoor ist seine Tante (die Schwester seiner Mutter), die Zwillinge Claire und Linda sind also seine Cousinen. Mit Percy, Claire und Linda ist die Detektivbande von Darkmoor Hall fast vollzählig, es fehlen nur noch Cousin John (etwas dicklich) und Percys Hund Jim (nicht direkt mutig, aber treu). Fünf Freunde!

Ich hoffe, man kann mir bis hierher folgen? Oder waren es zu viele Namen? Das Problem mit den Namen hatte ich auch. “Der Mumienspuk” ist der zweite Teil der Percy-Pumpkin-Reihe, das erste Buch habe ich (noch) nicht gelesen. An sich kein Ding, da am Anfang kurz der Inhalt von Buch eins nacherzählt wird und im Anhang die wichtigsten Personen (Kinder und Erwachsene) aufgezählt und mit ein paar Sätzen charakterisiert sind. Doch Buch zwei bezieht sich natürlich auf Buch eins und die Verwandtschaft, die sich im Schloss tummelt, auseinanderzuhalten und zuzuordnen, dürfte auch manchem nicht ganz so leicht fallen, der Band eins kennt. Aber: macht nichts, stört nicht weiter. Ich hab das sportlich genommen und mich mit dem Buch sehr gut unterhalten. Warum? Weil die Geschichte spannend ist – mit vielen Rätseln (nicht alle werden gelöst), mit extrem neugierigen und wagehalsigen Zwillingsmädchen, die Percy und John auf gefährliche Detektivtouren durch Schloss Darkmoor mitschleppen, mit kauzigen, bösartigen, fragwürdigen, schrulligen Verwandten (das gilt für Erwachsene und Kinder gleichermaßen) … Weiterlesen

Magie ist ein Verbrechen: “Die Fluchweberin” von Brigitte Melzer

Dieses Buch ist ganz schön dick, ein echter Wälzer. Dabei hat es gar nicht so viele Seiten, “nur” 384. Des Rätsels Lösung:  Es ist wunderbares Papier. Kräftiges, stabiles Papier, ein Fest für die Finger. Logisch, dass da auch über dem Impressum steht, wer das Papier geliefert hat. So was finde ich spannend. :)

“Die Fluchweberin” heißt das Buch, ein Titel, der mich neugierig gemacht hat. Dazu noch das Cover, das fast zurückhaltend wirkt, mit einer Grundfarbe zwischen Grau und Grün, durchwebt von verästelten weißen Fäden. Und mittig oben, um den Buchtitel herum, Ornamente, Figuren und Dinge im Kreis angeordnet. Das hat etwas von einem Armband, an dem einzelne Anhänger, Charms, befestigt sind. Und da “charm” auch Zauber bedeutet, passt das genial, denn um Zauberei, um Magie, geht es in dem neuen Buch von Brigitte Melzer.

“Die Fluchweberin” spielt im heutigen England, Erzählerin und Hauptfigur ist die siebzehnjährige Raine. Mit fünf hat sie auf eine schreckliche Weise ihre Eltern verloren, und davon träumt sie auch zwölf Jahre später noch jede Nacht. Raines Mutter war Zauberin, sie hatte die Gabe, Menschen, denen die Ärzte nicht mehr helfen konnten, zu heilen. Eigentlich eine gute Sache, nicht jedoch in dieser Welt, in der Magie ein Verbrechen ist. Egal wie die Zauberer ihre Kräfte einsetzen, ob für eine gute oder schlechte Sache oder gar nicht – wenn die Magiepolizei sie aufspürt, sind sie verloren. Sie werden nicht direkt getötet, doch mittels einer OP ihrer Zauberkraft beraubt. Dieser Eingriff ist entweder tödlich oder zerstört das Gehirn … Weiterlesen

Ankommen in einem fremden Land: “Mit Salome sind wir komplett” von Jana Frey

“Mit Salome sind wir komplett” spielt zur Hälfte in Äthiopien und zur Hälfte in Deutschland. Man lernt Salome also schon kennen, bevor sie als Adoptivkind nach Deutschland kommt. Salome ist acht Jahre alt, sie lebt in einem Kinderheim in der Nähe von Addis Abeba. Wer ihre Eltern sind, weiß niemand, sie wurde als Neugeborenes in Plastikfolie eingewickelt bei einer Kirche gefunden und ins Heim gegeben. Dort hat sie zwar Hiwot, die kocht und die Kinder bemuttert, wenn sie krank sind, sie hat ihren Freund Elias und eine kleine Ziege, Nuug. Doch eine Familie hat sie nicht.

In Deutschland hat Salome mit einem Mal Eltern – Ulli und Tobias –, einen neuen Bruder, den zehnjährigen Jonathan, und eine Oma, “die Piekfeine”. Die Menschen sind ihr fremd, die Sprache ist ihr fremd, das Essen ist ihr fremd, das Wetter ist ihr fremd. So verstummt Salome und isst kaum noch. Doch es wird wieder. Ihre neuen Eltern bringen ihr große Zuneigung entgegen. Ihr neuer Bruder lehnt sie erst ab (er hätte lieber einen Irischen Wolfshund gehabt), dann rappeln sie sich aber zusammen. Als Salome ausreißt, trifft sie auf den Ewig Summenden, Mamdi, der aus der Elfenbeinküste stammt. Er wird Teil der Familie und hilft Salome, im neuen Land heimisch zu werden.

Die Autorin, Jana Frey, hat ein gutes Händchen für Details und ein gutes Gefühl für Sprache. Sie zeigt Menschen: Hiwot, die liebevolle Distanz zu den Heimkindern wahrt und weint, wenn Babys, die neu ins Heim gekommen sind, sterben. Die gelähmte Naima, die im Heim Märchen erzählt und den Mädchen die Haar flicht. Monsignore Barnabas, den Salome “Kindereinsammler” nennt, weil er für die Heimkinder Adoptiveltern findet und sie dann aus dem Heim weggehen. Salomes Fast-Freundin Sanou, deren Brüder gestorben sind, deren Mutter weggelaufen ist und deren Vater sie verprügelt hat. Das ist manchmal harter Tobak. Aber das steht nicht im Mittelpunkt (denn der Mittelpunkt ist Salome), das läuft so mit. Und Jana Frey erzählt es aus Salomes Perspektive, für die dieses Leben und solche Lebensgeschichten Alltag sind. Sie erzählt es so, dass es für Kinder ab neun Jahren genau richtig ist. Und im Grunde ist das Buch so warm und sonnig wie das wunderschöne Cover: Es ist eine hoffnungsvolle Geschichte mit einem überraschenden und glücklichen Ende. Weiterlesen