„Gesundheitsratgeber Sodbrennen“ von Miriam Schaufler

Sodbrennen? Nicht gera­de ein schö­nes Thema. Aber noch weni­ger schön ist es, wenn man Sodbrennen hat und nicht weiß, was man dage­gen tun könn­te. Der „Gesundheitsratgeber Sodbrennen“ ist ein hand­li­ches Buch mit 144 Seiten, die in drei Teile geglie­dert sind. Im ers­ten Teil geht es dar­um, was Sodbrennen über­haupt ist und wie es dazu kommt. Autorin Miriam Schaufler ver­an­schau­licht hier kurz, wie Verdauung ablau­fen soll­te und wel­che Rolle die Magensäure spielt, sie nennt Ursachen und Auslöser. Ursachen für Sodbrennen kön­nen zum Beispiel sein: Refluxkrankheit, Diabetes, Medikamente. Als Auslöser zählt die Autorin unter ande­rem auf: Stress, Übergewicht, fet­ti­ges Essen, Fehlernährung, Alkohol und Nikotin.

Man sieht es schon, bei eini­gen Auslösern kann man anset­zen und selbst etwas ver­än­dern. Wie genau, dar­um dreht sich alles im zwei­ten Teil des Buches: Wie ernährt man sich aus­ge­wo­gen, die Dos und Don’ts bei Sodbrennen, Hausmittel und sinn­vol­le Lebensmittel, Kräuter und Gewürze. Für die prak­ti­sche Umsetzung gibts im drit­ten Teil gleich eini­ge Rezepte, von Frühstück über Hauptgerichte bis Desserts. Die Rezepte sind ein­fach gehal­ten und anspre­chend, sie pas­sen von den Zutaten und der Zubereitungszeit her gut fürs Alltagskochen.

Das Buch liest sich ziem­lich fix. Die Autorin erklärt Zusammenhänge, ufert dabei aber nicht aus, son­dern fasst sich ange­nehm kurz. So hat man nach dem ers­ten Durchlesen einen guten Überblick und kann spä­ter bei Bedarf bei­spiels­wei­se die Dos und Don’ts schnell noch mal nach­schla­gen. Und für aku­te Beschwerden fin­det man im Umschlag eine Aufzählung bewähr­ter Hausmittel, eine pri­ma Idee.

Miriam Schaufler: Gesundheitsratgeber Sodbrennen. Beschwerden im Griff. Das kön­nen Sie selbst tun
Rezepte von Walter A. Drössler
Lektorat: Ulrike Schöber
144 Seiten
hum­boldt 2017
ISBN 978-3-89993-952-1
19,99 Euro

Gastrezension: „Die Wilden. Eine französische Hochzeit“ von Sabri Louatah

Im Zentrum des Buches steht die aus Algerien stam­men­de Familie Nerrouche – und mit ihr das gan­ze Dilemma der Integration der nord­afri­ka­ni­schen Einwanderer, die mitt­ler­wei­le in zwei­ter oder drit­ter Generation in Frankreich leben, aber eben immer noch in vie­len Situationen zu spü­ren bekom­men, dass sie nicht wirk­lich dazu­ge­hö­ren. Als nun die gro­ße Chance besteht, dass erst­mals ein Kandidat ara­bi­scher Herkunft zum Präsidenten gewählt wird, sehen vie­le der Nerrouches die Erfüllung ihrer Hoffnung auf Emanzipation und Anerkennung zum Greifen nahe …

Der Einstieg in das Buch kos­tet eini­ge Überwindung, denn es ist schon recht schwie­rig, den Überblick über die weit­ver­zweig­te Familie Nerrouche und ihr Umfeld zu behal­ten. Autor und Verlag scheint die­ses Problem bewusst gewe­sen zu sein. Deshalb fin­det der Leser im Buch einen Stammbaum, ein Lesezeichen mit einer Liste aller wich­ti­gen Personen und ein aus­führ­li­ches Personenverzeichnis im Anhang. All das moti­viert aber nur bedingt zum Lesen, zumal die Handlung in den ers­ten Kapiteln noch etwas lang­at­mig ist. Als dann jedoch – direkt am Tag vor dem alles ent­schei­den­den Wahlgang – ein Attentat auf den ara­bisch­stäm­mi­gen Kandidaten Chaouch ver­übt wird, über­schla­gen sich die Ereignisse und das Buch nimmt deut­lich an Fahrt auf. Während die Rolle von Krim und Nazir Nerrouche recht schnell klar wird, blei­ben die Hintergründe des Attentats im Dunkeln – eben­so wie die Absichten eini­ger hoch­ran­gi­ger Politiker und Ermittler …

So ist es über den Rest der knapp 700 Seiten hoch­span­nend. Doch wer wis­sen will, wie alles aus­geht, muss sich noch zwei Jahre gedul­den, denn die Geschichte ist als Dreiteiler ange­legt: Teil zwei wird im September 2018 und Teil drei lei­der erst 2019 erschei­nen. Das ist etwas lang, wie ich fin­de, zumal die Bücher im fran­zö­si­schen Original bereits vor­lie­gen. Ungeachtet des­sen bie­tet die­ser ers­te Teil – hat man sich erst ein­mal durch die ers­ten Kapitel gekämpft – packen­de Lektüre und einen inter­es­san­ten Blick auf die fran­zö­si­sche Gesellschaft.

Rezension von Stefan Taudus, www.technik-uebersetzer.com

Sabri Louatah: Die Wilden. Eine fran­zö­si­sche Hochzeit
Aus dem Französischen von Bernd Stratthaus
704 Seiten
Heyne Encore 2017
ISBN: 978-3-453-27119-7
18 Euro

„Der Tod bringt mich nicht um. Warum ich Bestatterin geworden bin“ von Nicole Rinder

Der Titel und das Coverbild ver­ra­ten es bereits: Dies ist ein sehr per­sön­li­ches Buch. Nicole Rinder erzählt vom Tod ihres Kindes, von ihrem Leben davor und danach. Davor war sie Arzthelferin, woll­te in dem Beruf aber schluss­end­lich nicht wei­ter­ar­bei­ten, nach­dem ihr Sohn vier Tage nach der Geburt gestor­ben war, wegen eines Herzfehlers. Nicole Rinder und ihr Mann hat­ten schon in der spä­ten Schwangerschaft erfah­ren, dass ihr Kind nicht leben wür­de, es war ein lan­ger Abschied.

Danach mach­te sie eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin und begann in einem Bestattungsunternehmen zu arbei­ten, das mehr woll­te (und will) als „nur“ Beerdigungen orga­ni­sie­ren, und zwar die Hinterbliebenen tat­kräf­tig ein Stück auf ihrem Weg des Abschiednehmens und der Trauer beglei­ten. Über ihren Berufsalltag als Bestatterin, über man­che schwe­re Abschiede, schreibt Nicole Rinder empa­thisch und auf den Punkt gebracht, sie fin­det die rich­ti­gen Worte, beschö­nigt nicht den Tod, zeigt aber auch immer Trost und Hoffnung auf. Sie ist über­zeugt, dass eine Bestattung so gestal­tet sein kann, dass die Hinterbliebenen einen guten Ausgangspunkt für ihren Weg der Trauer bekom­men.

Diese zwei Perspektiven auf den Tod und die Trauer in einer Person, zum einen als Betroffene, als Hinterbliebene, und zum andern als Bestatterin, die Hinterbliebene beglei­tet, macht das Buch zu etwas Besonderem. Als sehr ange­nehm emp­fand ich die Erzählweise, zwar per­sön­lich und unmit­tel­bar, aber doch mit etwas Abstand und ruhi­gen, über­leg­ten Worten. Es über­rascht nicht, dass man etli­che Gedanken aus dem Buch für sich mit­neh­men kann, und es macht auch neu­gie­rig auf ande­re Bücher der Autorin. Zum Thema Tod und Trauer hat sie zusam­men mit Florian Rauch unter ande­rem „Das letz­te Fest. Neue Wege und heil­sa­me Rituale in der Zeit der Trauer“ und „Wie Kinder trau­ern. Ein Buch zum Verstehen und Begleiten“ ver­fasst.

Nicole Rinder: Der Tod bringt mich nicht um. Warum ich Bestatterin gewor­den bin
Unter Mitarbeit von Franziska Roosen
Lektorat: Andrea Langenbacher
128 Seiten
Patmos 2017
ISBN: 978-3-8436-0944-9
18 Euro

„Poppy Poppington. Tiersprechstunde im Muffinhaus“ von Michaela Holzinger

Penelope Poppington, genannt Poppy, ist zehn Jahre, hat maus­brau­nes Haar mit einer roten Strähne – und kann Tiere nicht lei­den. Damit ist sie in ihrer Familie eine Ausnahme, denn ihre Eltern und ihre Großeltern sind Tierforscher, Zoologen, und zwar mit Begeisterung und vol­lem Einsatz. Ständig sind Poppys Eltern in der gan­zen Welt unter­wegs, um Tiere zu ret­ten. Wenn Ferien sind, muss Poppy mit und kann sich dann kaum die Tiere vom Leibe hal­ten, alle schei­nen es auf sie abge­se­hen zu haben. Weswegen sie sogar vor süßen Welpen und Babybonobos Angst hat und das Weite sucht.

Als ihre Eltern kurz­fris­tig in den Sommerferien wie­der auf eine Tierrettungsmission gehen sol­len, streikt Poppy und ver­reist allein zu ihrer Granny Alfreda, die sess­haft gewor­den ist und ihr Cottage in Uigmorlie reno­viert hat, dass es aus­sieht wie ein Vanillemuffin. Dort hofft sie auf mög­lichst tier­freie Ferien, aber da ihre Granny auch Tierforscherin ist, ste­hen die Chancen dafür wohl doch nicht so gut …

Dass Poppys Verhältnis zu Tieren sich frü­her oder spä­ter deut­lich bes­sert, ver­ra­ten ja bereits das fabel­haf­te Cover und der Titel. Der Grund dafür ist ein biss­chen zau­ber­haft: Poppy ent­deckt, dass sie mit Tieren spre­chen kann. Und schon ist sie mit­ten­drin in einem Abenteuer, zusam­men mit dem Nachbarsmädchen Nelly, Kater Sesam, Eichhörnchen Grinsemaul, Exmoor-Pony Harry Potter und noch etli­chen Tieren mehr.

Kurzum: „Poppy Poppington. Tiersprechstunde im Muffinhaus“ ist ein ein­falls­rei­ches, span­nen­des und lus­ti­ges Buch für alle ab acht Jahren, die Geschichten über Familiengeheimnisse (Kann nur Poppy mit Tieren spre­chen? Wo ist ihr Grandpa abge­blie­ben?), Freundschaft und Tiere mögen.

Michaela Holzinger: Poppy Poppington. Tiersprechstunde im Muffinhaus
Illustrationen: Monika Parciak
Lektorat: Emily Huggins
160 Seiten
ab 8 Jahren
ueber­reu­ter 2017
ISBN: 978-3-7641-5113-3
12,95 Euro