Franz Hohler: „Gleis 4“

Ein ruhi­ges Buch. Unaufgeregt. Eine ein­fa­che Geschichte, die in der Schweiz von heu­te spielt, Schweizer Orte und Worte inklu­si­ve, aber von vorn: Isabelle hat­te eine OP und will eine Woche spä­ter nach Italien flie­gen, um dort mit einer Freundin Urlaub zu machen. Im Bahnhof zum Flughafen bie­tet ihr ein älte­rer Mann freund­lich an, ihren Koffer die Treppe hoch­zu­tra­gen, und da sie wegen der OP noch nicht wie­der gänz­lich in Form ist, nimmt sie die Hilfe gern an. Oben auf Gleis 4 bricht der Mann jedoch zusam­men und stirbt. Isabelle hat ihn auf dem Bahnhof zum ers­ten Mal gese­hen, er ist ein Unbekannter für sie. Doch durch die Umstände sei­nes Todes und wegen eines Handys, das ihm gehör­te und im Durcheinander bei Isabelle lan­det, hört die Geschichte damit nicht auf, son­dern beginnt erst.

Isabelle kann kei­nen Schlusspunkt set­zen, der Tod des Unbekannten geht ihr all­zu nahe. Wer war die­ser Mann? Isabelle forscht nicht allein, son­dern mit ihrer Tochter und einer Frau, die dem Toten ver­bun­den war. Der Mann ver­brach­te den Großteil sei­nes Lebens in Kanada, wur­de jedoch in der Schweiz gebo­ren, ver­leb­te hier sei­ne Kindheit und Jugend – über die er als Erwachsener nie sprach. Isabelle kommt die­ser Lebensgeschichte Stück für Stück auf die Spur, und gleich­sam einem dunk­len Kapitel in der jün­ge­ren Schweizer Vergangenheit.

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