Keine Ahnung von Baseball

Wenn ein Roman „Die Kunst des Feldspiels“ heißt und im Klappentext schon etwas von Baseball steht, muss man sich nicht davon abschre­cken las­sen, auch wenn man kei­ne Ahnung von Baseball hat. Man hat doch von vie­len Dingen kei­ne Ahnung, über die man liest, und auch wenn Baseball tat­säch­lich eine nicht unwich­ti­ge Rolle in Chad Harbachs Debütroman spielt, stört das nicht. Mich hat es jeden­falls nicht gestört (bis auf eine Baseball-Ballung am Schluss). Fußball wäre für mich nicht bes­ser gewe­sen, das ist zwar ver­trau­ter, aber es inter­es­siert mich gar nicht. Noch weni­ger anspre­chend hät­te ich Tennis gefun­den, und Golf erst … Sportarten ste­hen nicht im luft­lee­ren Raum, man hat Bilder davon im Kopf, ein bestimm­tes Milieu vor Augen, die Menschen, die die­sen Sport betrei­ben und die Menschen, die sich die­sen Sport live oder im Fernsehen anschau­en.

Baseball ist fremd, Baseball ist Amerika, Baseball ist – das gro­ße Unbekannte, so wie jedes Buch, wenn man es anfängt zu lesen. Wenn man mit „Die Kunst des Feldspiels“ fer­tig ist, wird Baseball nicht unbe­dingt ein guter Bekannter sein, aber ein Unbekannter auch nicht mehr. Endlich wie­der ein Buch, in dem sich nicht alles um eine Person oder um ein Liebespaar dreht, son­dern in dem ein fes­seln­des Beziehungsnetz gefloch­ten wird, fünf Personen im Zentrum, in der Peripherie noch eini­ge mehr, die auch nicht nur Wasserträger der Handlung sind. Man denkt an John Irving (der auf dem Buchcover zitiert wird, lobend äußert er sich über Chad Harbachs Roman), die­se Art von Figurennetz baut er eben­falls, sei­ne Geschichten und Leute sind viel­leicht noch etwas skur­ri­ler als die in „Die Kunst des Feldspiels“, die­se sind ziem­lich nor­mal, geer­det, die Leute von neben­an qua­si (wenn auch mit einer Prise Wunderbarkeit, die sie unver­wech­sel­bar macht), und sie sind so wahr­haf­tig dar­ge­stellt und reden eben­so, dass man sich an Stephen Kings Romane erin­nert fühlt. Und es gibt die­se Stellen, die man sich raus­schrei­ben will, raus­schrei­ben wür­de, müss­te man nicht ohne Pause wei­ter­le­sen. Ein rich­tig gutes Buch, eines, das man, trotz­dem es 600 Seiten stark ist (die Schrift ist eher klein), gar nicht mehr aus der Hand legen kann.

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