Das ist doch mal was: Ein Kack-Thema, optisch knackig aufbereitet! Die Arbeit stinkt zwar immer noch, aber verstecken? Wieso? Werben, und zwar richtig!
Mit Pferden, ab acht: „Wir sind die Waldens!“ von Heide John
Heldin des Buches ist Rieke Walden, 10 Jahre, die vier Brüder hat und ein Pony namens Balduin. Ihre Familie zieht auf den Hof des Großvaters, denn die Mutter ist schwanger mit Zwillingen, und für eine bald neunköpfige Familie ist im alten Haus nicht mehr genug Platz. Und sonst?
- Es gibt einen Blick in die Zukunft, ohne den geht es ja in den wenigsten Büchern, oder? „Doch da sollte Rieke sich gewaltig irren: Nach den Sommerferien würde sie Tjorven täglich sehen …“
- Tjorven also, der Einzige, der in diesem Buch die Harmonie stört. Ansonsten ist alles friedlich, angesichts von fünf Kindern schon erstaunlich, aber vielleicht zoffen sich zwei Geschwister ja mehr? Tjorven ist jedenfalls der Nachbarssohn, und er ist ein Eigenbrötler, der die anderen meidet und nur zu einem Pferd der Waldens einen Kontakt aufbaut.
- Mutter Walden näht schräge Sachen, die die Kinder nicht anziehen wollen, der Großvater aber schon. Ob sie auch bei Dawanda einstellt, erfährt der Leser nicht.
- Bruder eins hört immer Musik und sprayt Graffitis, Bruder zwei ist ständig am Lesen, einer hat nur Kochen im Sinn und der Älteste, der 18 wird, führt mehr oder weniger schon sein eigenes Leben.
- Rieke hat vor allem eins im Kopf: ihr Pony Balduin. Das ist zunächst neidisch auf ein Fohlen, das neu auf den Hof kommt, aber …
- Eine schöne Geschichte: Warum die Hofziege „Frau Doktor“ heißt. Ich wusste nicht, dass Pferde und Ziegen ein gutes Gespann sein können, Aha-Effekt.
- Der Großvater ist 66 Jahre alt, was man ihm aber nicht ansieht, er hat eine Künstlerfreundin und möchte Peter genannt werden, nicht Opa.
- Am Meer wohnen wie die Familie Walden würde ich auch gern. Wobei, eigentlich lieber an der Ostsee. Ich bräuchte auch kein Pferd, um am Strand glücklich zu sein. Bezieht sich dieses „Blanker Hans“ eigentlich nur auf die Nordsee?
Also, ein schönes Buch, eine nette Geschichte! Klingt verdächtig nach Auftakt einer Serie, denn in erster Linie werden die Menschen und die Pferde eingeführt, und warum z. B. Tjorven so ist, wie er ist, erfährt man nicht. Die Illustrationen von Elke Broska sind ansprechend, der Ton ist locker, die Schrift relativ groß. Der Untertitel, „Ponychaos hoch 7“, ist ein wenig dick aufgetragen, denn chaotisch geht es für meine Begriffe auf dem Waldenhof eher nicht zu, und sieben Ponys gibt es auch nicht. Aber bald sieben Kinder …
Heide John: Wir sind die Waldens! Ponychaos hoch 7
Arena Verlag
ISBN 978–3‑401–45393‑4
12,95 Euro
Fünf mal fünf Fragen an eine Texterin
Fünf mal fünf Fragen an eine Texterin. So viele Fragen – an wen? Judith Burger, www.judith-burger.de und www.text-burger.de (Blog).
1. Warum bist Du Texterin?
Es hat sich so gefügt. Eins ist zum anderen gekommen. Ich habe es ausprobiert, weil mir die Arbeit mit Sprache nahe lag. Da hatte ich Lust drauf.
2. Wie bist Du Texterin geworden?
Ich hatte mein Studium abgeschlossen und vertrieb mir so die Zeit mit Kellnern, Theater-Spielen, Kolumnen schreiben. Das war eine wirklich schöne Zeit. Aber diese berühmte Formulierung kam meinem unsteten Lebenswandel bedrohlich näher: „Was Richtiges machen. Was Ordentliches. Etwas, mit dem alles geregelt ist.“ Just zu diesem Zeitpunkt bekam eine Freundin von mir ihren ersten Job als Juniortexterin. Ich wohnte mit ihr zusammen und bekam so den Arbeitsalltag hautnah mit. Ich dachte, das kann ich doch auch! Ein halbes Jahr später ging ich nach Frankfurt Main. Dort bewarb ich mich mit Kolumnen-Texten und Rezensionen, in Sachen Werbetext hatte ich null Ahnung. In meinem Lebenslauf stand, dass ich als Nachtputze gearbeitet habe, das fanden die irre lustig. Ich glaube, sie haben etwas in mir gewittert.
3. Heißen Texter schon immer Texter?
Das weiß ich nicht. Hm, ich könnte an dieser Stelle vielleicht etwas anderes erzählen, vielleicht von meinem ersten Text-Job. Das war ein Kundenanschreiben für die Modemarke Windsor. Ich war völlig überfordert und brachte keinen Satz auf das Papier. Dann kam mein damaliger Chef, grinste nur und meinte: „Mal ganz ruhig bleiben, das kriegen wir schon hin. Texter fallen eben nicht vom Himmel.“
Ist das eine gute Ersatzantwort?
4. Seit wann gibt es Texter?
Seit Balisto Keksriegel… Hihi, nein, Texter sind wohl so alt wie Werbung, oder? Früher hießen die „Schreiber“? Glaube ich…
5. Welche Texte textest Du so?
Alles, womit man mich beauftragt. Allerdings gibt es auch Grenzen, z.B. der Bereich Politik. Da kann ich nicht objektiv bleiben. Ansonsten lernt man als Texterin eine Menge, z.B. über kranke Füße, Heizungsbau, Spritzbrühe, Drucktechniken u.s.w.
6. Welche Texte textest Du am liebsten?
Texte, die eine klare Botschaft haben und inspirierende Themen transportieren.
7. Wie viele Texter gibt es in Deutschland?
Ähm … viele! Sehr viele.
8. Welche Netzwerke und Verbände gibt es für Texter?
FFW – Fachverband Freier Werbetexter, Texter.de, Texttreff und viele mehr.
9. Wie läuft die Ausbildung zum Texter normalerweise ab?
Jeder kann Texter werden. Das hat aber nichts damit zu tun, dass viele, die keine Texter sind, sich für Texter halten, weil das ja sooo einfach sei. Die Ausbildung ist einfach nicht geregelt. Man muss auch überhaupt nicht studiert haben. Entscheidend ist die Kreativität. Ein Texter kann mit einem Praktikum in einer Agentur beginnen oder sogar ohne. Wie ich. Einfach Job kriegen und anfangen. Große Agenturen machen vor einer Neueinstellung oft einen Copytest, um die Kreativität des Texters zu prüfen. Mittlerweile gibt es aber auch Ausbildungsstätten für angehende Texter, zum Beispiel die berufsbegleitende Texterschmiede in Hamburg, das KreativKader in Düsseldorf oder der Studiengang „Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation“ an der Universität der Künste in Berlin.
10. Kann man auch als Texter Erfolg haben, wenn man keine Agenturerfahrung hat?
Ob das so ist, weiß ich nicht. Ich finde Agenturerfahrung sehr wichtig. Dort lernt man, wie eine Kampagne entsteht, arbeitet zusammen mit Graphikern und Kontaktern. Nur in einer Agentur kommt man auf Tuchfühlung mit der Werbebranche und ihren Klischees, z.B. dass Kreative immer schwarze Rollis tragen.
11. Was ist wichtiger: Kreativität oder Handwerk?
Eins geht nicht ohne das andere.
12. Welche Koryphäen gibt es unter den Textern?
Ich kenne keine Namen. Ich kenne nur berühmte Sprüche wie z.B. „Nur Küsse schmecken besser“. Oder: „Der Tag geht …“ Oder: „Better than Life“. Aber das ist so, Texter treten hinter dem Produkt zurück. Oder doch, einige berühmte sind: Jean-Remy von Matt, David Ogilvy …
13. Was ist die Bibel der Texter?
Die Bibel lass ich Bibel bleiben. Was immer in Reichweite liegt, ist „Sag es treffender“ von A. M. Textor.
14. Ticken Texter anders als nichttextende Menschen?
Ticke ich nicht richtig? Andrea, sag jetzt nichts Falsches …
15. Betextest Du am Morgen Dein Müsli?
Ich esse kein Müsli. Aber auch mein Knäckebrot und mein türkischer Kaffee entlocken mir keine Sonette. Nö. Ich bin froh, wenn ich beim Frühstück meine Ruhe hab. Da lese ich lieber Blogs, z.B. querbeet gelesen, gell.
16. Wie finden Deine Kunden zu Dir?
Auf Empfehlung, über meine Akquisepost, über meine Website, über Xing.
17. Welche Texte sind am schwierigsten?
Alle Texte sind schwierig, wenn ich nicht motiviert bin.
18. Welche Texte sind am leichtesten?
Aaaaaach, wenn es vom Kunden ein dickes Lob gibt, dann werden selbst die kniffligsten Texte zu Klacksen.
19. Schreiben Texter privat noch Lyrik oder Prosa, um sich auszuleben?
Na, das muss jeder halten, wie er mag. Viele schreiben privat. Das kommt doch aus der Natur der Sache. Ein Gärtner hat ja privat auch ein paar Pflanzen zu Hause.
20. Warum heißen Texter Texter, gibt es keine nettere Bezeichnung?
Findest du das nicht nett? Ich finde das Wort Texter klasse. Es trägt einen gezückten Dolch mit in sich drin. Da wird was angepiekst. Hörst du das nicht? Sag mal: TeXter. Mich fragen manchmal Leute, was ich mache. Dann sage ich: „Ich bin Texterin.“ Dann fragen die: „Was macht man da?“ Ich: „Z.B. Texte für Broschüren, Web-Seiten, Anzeigen…“ Dann lächeln sie: „Ach, hier Layout und so!“ Ich wieder: „Nein. Nur die Texte, die im Layout stehen.“ Die Leute: „Ach so. Mehr nicht???“
Danke, Judith! :-)
Wie Ihr seht, sind das 20 Fragen, und 5x5 ist immer noch 25. Die letzten fünf Fragen habe ich für Euch reserviert: Was wollt Ihr noch von Judith wissen? Kommentiert und fragt drauflos, Judith antwortet. Oder? Judith? Ach, und wer noch mehr Antworten hat – die sind auch willkommen! (Und „Nur Küsse schmecken besser“ sagt mir gar nix …)