Kabulski und Pusteblume

Warum ist es hier eigent­lich so ruhig in letz­ter Zeit? Eine ein­fa­che Antwort gibt es dar­auf nicht, eher vie­le Dinge, die mit rein­spie­len. Auf quer­beet gele­sen blog­ge ich seit drei­ein­halb Jahren, mal hat­te ich mehr Lust dazu, mal weni­ger, mal mehr Themen, mal ist mir nichts über den Weg gelau­fen. Zurzeit blog­ge ich lie­ber über mei­ne Stadt als über Wortfunde, und viel Zeit zum Lesen habe ich lei­der auch nicht, und so blei­ben Bücher, die ich rezen­sie­ren möch­te, län­ger lie­gen als mir das lieb ist. Bald kommt aber eine neue Rezension über ein Buch, das Birte Müller illus­triert hat. Es ist ein Buch nicht nur mit Bildern, aber über Birte Müller bzw. ihre Kolumne in a tem­po bin ich erst auf die­ses Buch gekom­men, des­we­gen nen­ne ich nicht die Autorin, son­dern die Illustratorin an ers­ter Stelle. Das hat sie auch ver­dient, denn das Buchcover fängt einen gleich ein, zu sehen sind Kabulski und Zilliohwiewunderbarschön. Wer das ist, könnt ihr goo­geln – oder ihr war­tet, bis ich drü­ber schrei­be. ;) Vielleicht schaf­fe ich das ja am Wochenende.

Mittlerweile ist September, die Knallerbsenzeit hat begon­nen. Es wird frü­her dun­kel – der Herbst liegt noch nicht in der Luft, aber er kün­digt sich an. Das heißt, die Zeit der Pusteblumen ist vor­bei und Wasserblumen blü­hen nicht mehr so schön im Gegenlicht. Dafür gibt es: Pilze, sat­te Farben, Kastanien, Nebel … und Herbst, bald.

Bitte melden! „Miekes genialer Anti-Schüchternheitsplan“ von Birgit Ebbert

Bücher über Schule sind eine Sache für sich, es reicht doch, wenn man stän­dig hin­ge­hen muss oder muss­te, könn­te man den­ken. Wie gut, wenn sich dann ein Buch zum Thema „zu schüch­tern, um sich in der Schule zu mel­den“ als rich­tig net­te Unterhaltung mit Ratgebereffekt entpuppt!

Mieke ist elf Jahre und weder auf den Kopf noch auf den Mund gefal­len. Einige Schulfächer mag sie lie­ber, in ande­ren ist sie nicht ganz so gut, Probleme hat sie jeden­falls nicht, bis auf eins: Sie traut sich nicht, sich im Unterricht zu mel­den. Das mag dem einen oder andern bekannt vor­kom­men. Wenn ich so an mei­ne Schulzeit zurück­den­ke, habe ich auch nie zu denen gehört, die dau­ernd was zu sagen hat­ten bzw. sagen woll­ten. Na, Kinder sind auch nur Menschen, und ob man sich so neben­bei mel­det oder des­we­gen jedes­mal ein Fass auf­macht, hängt von x‑Dingen ab. Bei Mieke in Birgit Ebberts Buch ist die Sache ganz ein­fach, Mieke mel­det sich nie. Es ist also auf­fäl­lig, und eines Tages stellt ihr Klassenlehrer, Herr Meyer-Piepenkötter, genannt „Förster“ (wegen sei­ner grü­nen Weste), ihr ein Ultimatum: Mieke hat drei Monate Zeit, um end­lich aus dem Knick zu kom­men, was das Melden angeht. Wenn alles beim Alten bleibt, muss sie die Schule ver­las­sen – da in die­ser Schule die münd­li­che Mitarbeit sehr wich­tig ist.

Das kingt nicht gut, zumal Mieke genau in die­se Schule woll­te, mit Musik als Hauptfach, sogar eine Aufnahmeprüfung hat sie dafür absol­viert. Und natür­lich geht ihre bes­te Freundin Anna eben­falls in die­se Schule, in ihre Klasse. Es steht also eini­ges auf dem Spiel. Und da die­ses Buch Mut machen soll, steckt Mieke jetzt nicht den Kopf in den Sand und war­tet ab, son­dern: legt los. Von gleich auf sofort ändert sich nichts, es steigt auch kei­ne Fee vom Himmel und hilft mit einem Zauber. Mieke packt es selbst an, mit­hil­fe ihrer Oma, ihrer Freundin Anna, einer Journalistin, und Hilfe gibt es auch von uner­war­te­ter Seite. Schritt für Schritt, ganz stim­mig, kommt eins zum andern und Mieke baut sich einen Plan: „Miekes genia­len Anti-Schüchternheitsplan“ – mit Tipps gegen Meldeschüchternheit, die ihr hel­fen und auch den Lesern ab neun Jahren hel­fen kön­nen. Ganz prak­ti­sche und brauch­ba­re Tipps sind das, denn Birgit Ebbert ist nicht nur Autorin, son­dern in ers­ter Linie Pädagogin und „Lernbegleiterin“, sie unter­rich­tet Schüler unter ande­rem in Deutsch, Geschichte und Mathe. Ihr ver­dan­ke ich auch, dass ich jetzt weiß, was ein Marimbafon ist. Details wie die­ses – dass Mieke ein unge­wöhn­li­ches Musikinstrument, das Marimbafon, spielt –, ein rea­lis­ti­sches Umfeld und eine locke­re, authen­ti­sche Erzählweise (Mieke erzählt selbst) erge­ben unterm Strich ein Buch, das sich im Handumdrehen weg­liest. Und das, um es noch mal zu sagen, Mut macht und Tipps für Kinder parat hält, die sich in der Schule nicht (genug) melden.

Birgit Ebbert
Miekes genia­ler Anti-Schüchternheitsplan
ab 9 Jahren
Arena-Verlag
144 Seiten
ISBN 978–3‑401–50414‑8
5,99 Euro

Alte Unke

Eine Unke ist zum einen eine Kröte und zum andern eine Person, die immer schwarz­sieht. Jetzt hör doch mal auf zu unken, Mensch! Warum jemand sei­ne Gaststätte „Zur alten Unke“ nennt und der Unke ein Krönchen auf­setzt, weiß ich nicht. Aber viel­leicht ist es eine gute Geschichte.