Sibylle Rieckhoff: „Die Hafenbande“

„Die Hafenbande“ spielt am Hamburger Hafen und zunächst gibt es noch gar kei­ne Bande, das Buch ist viel­mehr die Geschichte, wie die Bande sich fin­det. Es erzählt Nick, zwölf Jahre, der an einem Mistwettertag mit sei­nem bes­ten Freund Olli drau­ßen unter­wegs ist, da Hund Daisy Gassi muss. Dummerweise ver­schwin­det der Hund auf einem frem­den Grundstück in einem Schuppen. Damit beginnt das Abenteuer, das erst weit nach Mitternacht endet.

Mit von der Partie ist der rei­che Reedersohn Malte, der okay ist, des­sen Cousin Bernie, der ein Chromosom zu viel oder zu wenig hat, außer­dem eine Person im Schuppen, die eini­ges auf dem Kerbholz und ein eher außer­ge­wöhn­li­ches Haustier hat, sowie ein Schlägertyp.

Im Laufe des Abends ver­schwin­det der Hund noch mal, dies­mal spur­los, außer­dem jedoch Bernie. Viel Aufregung! Und es macht Spaß, dar­über zu lesen, denn Nick erzählt extrem kurz­wei­lig und sehr bild­haft, was man wört­lich neh­men kann, da auf fast allen Buchseiten min­des­tens eine klei­ne Zeichung ist, außer­dem gibt es zwi­schen­drin Comics. Die Illustrationen sind von Susanne Göhlich, die Geschichte hat Sibylle Rieckhoff geschrie­ben, ein gutes Team, eben­so wie wahr­schein­lich die Hafenbande, aber das müs­sen erst wei­te­re Abenteuer zeigen …

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Sibylle Rieckhoff: Die Hafenbande
Illustrationen von Susanne Göhlich
192 Seiten, gebunden
ab 9 Jahren
2015 ueberreuter
ISBN: 978–3‑7641–5051‑8
12,95 Euro

Frank Egholm: „Das große Buch vom Schnitzen“

„Das gro­ße Buch vom Schnitzen“ ist eigent­lich recht hand­lich, aber mit sei­nen 200 Seiten und x‑Schnitzideen dann doch wie­der rich­tig groß. Am Anfang gibt es auf knapp drei­ßig Seiten eine klei­ne Einführung in das Schnitzen: die wich­tigs­ten Regeln, Informationen zum Messer, zum Holz und zu den Schnitztechniken. Dieser Teil ist genau­so kom­pakt und reich bebil­dert wie der „Rest“ des Buches, der aus Schnitzideen und ‑vor­schlä­gen besteht. Also nicht zu vie­le Worte und genau die Informationen, die man wirk­lich braucht.

Das Buch rich­tet sich an Kinder wie Erwachsene, an Anfänger und Fortgeschrittene. Die Schnitzanleitungen sind jeweils mit einem, zwei oder drei Sternchen gekenn­zeich­net, je nach Schwierigkeitsgrad. Die Vielfalt der Vorschläge ist groß: Tierfiguren, Spiele, Spielzeug, Schmuck, Deko, Küchenzubehör … Die Anleitung besteht immer aus drei Teilen: ers­tens ein paar all­ge­mei­ne Worte zum Schnitzobjekt, zwei­tens das benö­tig­te Material und drit­tens „So wird’s gemacht“. Die Fotos dazu sind klar, auf­ge­räumt und haben schö­ne, erd­ver­bun­de­ne Farben, wenn es kom­ple­xer wird, wer­den sie durch Skizzen ergänzt.

Es ist fas­zi­nie­rend zu sehen, was in Astgabeln, in Holz über­haupt, steckt. Zum Beispiel ein Küchenrollenständer, für den man einen Ast und eine Stammscheibe braucht, oben wird ein Gesicht mit Hut oder Mütze geschnitzt, der Ast mit der Scheibe ver­schraubt, even­tu­ell noch etwas Farbe drauf und fertig!

Das Wichtigste an einem sol­chen Schnitzbuch ist ja, dass es Lust aufs Schnitzen macht. Und das ist bei die­sem Schnitzbuch von Frank Egholm ganz klar der Fall. Es juckt einen in den Fingern, wenn man die geschnitz­ten Vögel sieht, die Pfeife aus Weidenrinde, die freund­li­chen Irrlichter (mit Lampionblumenblüten als Hut), den indi­schen Flitzebogen, die Wandhaken mit Pinocchionase … Man möch­te sofort anfan­gen zu schnit­zen. Na dann los!

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Frank Egholm: Das gro­ße Buch vom Schnitzen
Aus dem Dänischen von Patrick Zöller, mit Fotos von Per Rasmussen und Lillian Egholm
199 Seiten, gebunden
2015, Verlag Freies Geistesleben
ISBN: 978–3‑7725–2645‑9
24,90 Euro

Jana Männig: Wie das „Kochbuch Oberes Erzgebirge“ entstand

Ein Kochbuch übers Erzgebirge ist natür­lich span­nend, wenn man im Erzgebirge lebt. Wenn es zudem anspre­chend rüber­kommt, sowohl auf den ers­ten Blick als auch nach eini­gem Blättern, haben der Verlag und die Autorin schon mal etwas rich­tig gemacht.

Das „Kochbuch Oberes Erzgebirge“ habe ich im Schwarzenberg-Blog bespro­chen (lesen) und nun noch der Autorin des Buches, Jana Männig, ein paar Fragen zu des­sen Entstehung gestellt. (Danke fürs Antworten!)

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Seit wann schreibst du Kochbücher?
Das Erzgebirgskochbuch war mein ers­tes Kochbuch über­haupt. Eigentlich
schrei­be ich Firmengeschichten, Fachartikel oder Fachbücher. Die haben aber
auch hin und wie­der mit Essen zu tun, wie mein Schokoladenbuch „Lauter süße
Sachen“ oder mein Filinchen-Büchlein.

Wie kam es zu die­sem Kochbuch?
Das ist eine unge­wöhn­li­che Geschichte. Meine Familie mütterlicherseits
stammt aus dem Erzgebirge und des­we­gen lie­gen auch die Wurzeln meiner
zahl­rei­chen Cousins und Cousinen hier. Meine Tante bekam eines der
Kochbücher aus der Edition Limosa in die Finger und hat­te die Idee, ein
sol­ches Kochbuch, nur eben über das Erzgebirge, an ihren Sohn in der Fremde
zu ver­schen­ken. Doch es gab keins. Sie erzähl­te mir davon und mein­te, ich
kön­ne doch im Verlag fra­gen, ob ich nicht ein Kochbuch zum Oberen Erzgebirge
schrei­ben sol­le. Dort lief ich offe­ne Türen ein. Wenn man so will, habe ich
das Buch nur für mei­nen jüngs­ten Cousin geschrieben. ;)

Warum Oberes Erzgebirge und nicht Erzgebirge?
Das Obere Erzgebirge – also die Gegend um Oberwiesenthal – ist mei­ne Heimat.
Ich woh­ne nun schon 25 Jahre in Leipzig und füh­le mich hier sehr wohl, aber
Heimat bleibt doch Oberwiesenthal!
Vom „Silbernen Erzgebirge“ gab es in der Edition Limosa schon ein Kochbuch,
aber eben kei­nes von „ganz oben“!

Von wem stam­men die Rezepte?
Ich habe das Kochbuch gemein­sam mit mei­ner Mutti, Bärbel Modes, geschrieben.
Sie ist Köchin. Viele Rezepte sind von ihr, eini­ge auch von mir, die
aller­meis­ten aber hat mei­ne Mutti bei Freunden, Nachbarn und Bekannten
eingesammelt.

Hast du alle Rezepte selbst getestet?
Ich sel­ber nicht, da ich mit dem Schreiben der Geschichten, der Rezepte und
der Suche nach den Bildern wirk­lich aus­ge­las­tet war. Aber mei­ne Mutti hat
einen Großteil nach­ge­kocht. Dann lief hier das Telefon heiß, weil Garzeiten,
Mengenangaben und Temperatureinstellungen ange­passt wer­den mussten.

Hast du ein Lieblingsrezept?
Ich lie­be die „Falschen Bratheringe“, wenn sie mei­ne Mutti macht, und auch an
„Buttermilchgetzen“ kom­me ich nicht vor­bei. Ansonsten natür­lich: Sauerkraut.

Wie lan­ge hast du an die­sem Kochbuch gearbeitet?
Da ich ja neben­bei auch noch im Brotberuf Unternehmensgeschichten schreiben
muss­te, zogen sich die Arbeiten am Kochbuch über etwa 9 Monate hin.

Von wem sind die schö­nen Fotos?
Um an die Fotos zu kom­men, habe ich extra eine Facebook-Seite eingerichtet
und mich mit zahl­rei­chen Erzgebirgsfotografen ver­netzt, die mir mit
unend­li­cher Treue und Geduld gehol­fen haben, mehr als 200 Fotos zu sammeln.
Die Philosophie des Verlages besteht näm­lich dar­in, mög­lichst vie­le Menschen
in die Entstehung des Buches ein­zu­bin­den und um die Bereitstellung von
Rezepten, Geschichten und Bildern zu bit­ten. So fin­det man Mitstreiter und
akqui­riert gleich­zei­tig Käufer. Ich muss sagen, das Konzept ging auf. Unsere
Helfer konn­ten das Erscheinen des Buches kaum erwar­ten. Zur Buchvorstellung
kamen jede Menge Leute und wir haben ewig geses­sen und signiert.
Heute tau­schen sich die Leser im Wartezimmer bei der Hausärztin über die
Rezepte aus. Mit so viel Begeisterung hät­ten wir nicht gerechnet.

Arbeitest du schon an einem neu­en Kochbuch?
Nein, ein Kochbuch habe ich gera­de nicht auf mei­nem Tisch, aber vielleicht
ergibt sich noch ein­mal die Gelegenheit.

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Jana Männig und Bärbel Modes: „Das Kochbuch Oberes Erzgebirge. Kulinarische Wanderung zwi­schen Greifensteinen und Fichtelberg“, Edition Limosa, November 2014, 160 Seiten, ISBN 978–3‑86037–573‑0, 19,90 Euro