Macht genug Aroma rein, und wir fressen alles!

Wir essen tote „Lebensmittel“, die nur dank Aroma nach etwas schme­cken. Wenn Erde, Gras oder Kot nur ordent­lich gefärbt, geformt und mit Aroma auf­ge­hübscht wür­den – wir Konsumenten wür­den uns die Finger danach ablecken.

Wir essen die Tiefkühlpizza vom Band lie­ber als die selbst­ge­mach­te, in der kei­ne Aromen und kei­ne Geschmacksverstärker sind. Wir essen unser Essen nur noch, wenn es stark genug schmeckt. Dass in Erdbeerjoghurt kei­ne Erdbeeren sind, ist ja ein altes Ding. Da regt sich kei­ner mehr drü­ber auf. Wird schon nicht scha­den, das biss­chen Aroma.

Wir ver­pes­ten uns und unse­re Kinder. Wir gewöh­nen schon die Babys an Aromen, sodass unse­re Kinder nichts ande­res mehr ken­nen – und essen und trin­ken wol­len. Aroma ist sogar in der Zahnpasta. Die schmeckt dann nach Erdbeere. Und die Kinder essen sie. Sie schlu­cken nicht nur den Schaum run­ter, son­dern essen die gan­ze Tube leer. Was ist denn Zahnpasta? Das ist eine geschmack­lo­se syn­the­ti­sche Mischung, der Aroma zuge­ge­ben wird, damit die Kinder gern Zähne put­zen. Und so ist das auch mit dem Essen – Aroma dazu, und wir fin­den das tote Fleisch aus Massentierhaltung auf dem Grill ver­dammt lecker. Und wir holen uns die Fertigsoßen, den Fertigfisch, die Fertigbackmischung, alles fer­tig, alles lecker, alles gut.

Lassen wir es uns schme­cken! Guten Appetit.

Dieses Licht ist nicht von hier

… und woher dann? Keine Ahnung, aber ich den­ke: direkt aus der Vergangenheit. Warme, hei­le Welt. Kindheit viel­leicht, aber nicht unbe­dingt, denn die hat ja auch ihre Tücken. Auf jeden Fall eine Zeit, in der alles ein­fach schien.

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Vergaß dei Hamit net!

Sächsisch ist ja, mil­de aus­ge­drückt, nicht gera­de beliebt – heißt es zumin­dest. Warum auch immer, denn mal ehr­lich: Ob man Schwäbisch, Bayrisch und all die ande­ren Dialekte schön oder zum Wegrennen fin­det, ist Kopfsache. Wie das Erzgebirge in all den frag­wür­di­gen Statistiken zur Beliebtheit von Dialekten abschnei­det, weiß ich nicht. Aber ich mag das Erzgebirgische, auch wenn ich auf dem dia­lek­ta­len Ohr größ­ten­teils blind bin. Sozusagen.

Ein erz­ge­bir­gi­scher Dichter, der so schnell nicht ver­ges­sen wer­den wird, ist Anton Günther. Er leb­te von 1876 bis 1937. Geboren wur­de er in Gottesgab (Boži Dar), dort starb er auch. Er stamm­te aus einer armen, kin­der­rei­chen Familie. Anton Günther mach­te eine Ausbildung zum Lithografen, spä­ter bewirt­schaf­te­te er den Hof sei­nes Vaters. Weil das hin­ten und vorn nicht reich­te, trat er auch als Sänger und Musiker auf, er schrieb selbst Lieder. Viele wer­den noch immer gesun­gen, eins von ihnen ist „Vergaß dei Hamit net“. Anton Günther muss sei­ne Heimat, das Erzgebirge, geliebt haben. 1937 hat er Selbstmord begangen.

- Anton Günther in der Wikipedia: de.wikipedia.org

- Anton Günther im Projekt „Sächsische Biografie“: www.saebi.isgv.de