„Fit als Vielsitzer“ von Kay Bartrow

Viel zu sit­zen ist nicht gesund, mitt­ler­wei­le ist das durch­aus bekannt. Physiotherapeut Kay Bartrow hat dazu einen Ratgeber geschrie­ben: ein Buch für Leute, die beruf­lich viel sit­zen und was machen wol­len, damit sie trotz der gan­zen Sitzerei mög­lichst fit und gesund blei­ben. Zwei Teile hat das Buch, „Willkommen im Land der Vielsitzer“ und „Das Trainingsprogramm für Vielsitzer“.

Im ers­ten Teil erklärt der Autor, wel­chen gro­ßen Einfluss Bewegung auf den gan­zen Körper hat, war­um Sitzen an sich nicht schäd­lich ist, dass die eine per­fek­te Sitzhaltung nicht exis­tiert und dass Dauersitzen krank macht. Ziemlich auf­schluss­reich fand ich in dem Zusammenhang zwei Bilder, auf denen dar­ge­stellt ist, wel­che Schmerzen und Krankheiten sich frü­her oder spä­ter ein­stel­len kön­nen, wenn man Tag für Tag stun­den­lang in einer Haltung am Schreibtisch hockt. Nacken- oder Rückenschmerzen sind da kei­ne Überraschung, aber das ist bei Weitem nicht alles, viel­leicht erkennt die eine oder der ande­re ein Problem wie­der und kann es neu mit dem Dauersitzen verbinden.

Bereits in die­sem ers­ten Teil gibt es prak­ti­sche Tipps, wie man aus der Vielsitzer-Falle her­aus­kom­men kann: Sitzvarianten, simp­le und prak­ti­ka­ble Bewegungsmöglichkeiten im Sitzen und nicht zuletzt ein paar Seiten „Ergonomie-Berater“, wo es um das Arbeitsumfeld sowie Haltungen im Sitzen und Stehen geht. Der Autor emp­fiehlt zum Beispiel einen Monitor ab 24 Zoll, damit sei das Arbeiten am Computer kom­for­ta­bel und effek­ti­ver. Das war für mich der nöti­ge letz­te Stups, um mich end­lich von mei­nem zu klei­nen Monitor zu ver­ab­schie­den und einen neu­en, gro­ßen zu kau­fen. Und ja, man arbei­tet dar­an auf jeden Fall bes­ser, ich möch­te ihn nicht mehr mis­sen! Körperliche Probleme durch Vielsitzen kön­nen noch durch Stress befeu­ert wer­den, wes­halb man etwas dage­gen unter­neh­men soll­te – mit Tipps dazu schließt der ers­te Teil des Buches.

Der zwei­te Teil ist also der mit Übungen: pro Übung eine Seite, jeweils mit einer Anleitung und einem Bild. Bei man­chen Übungen wären zwei Bilder nicht schlecht gewe­sen, aber mit­hil­fe des Textes soll­te man alles hin­be­kom­men. Die Anleitung ent­hält die Punkte: Startposition, Durchführung, Endposition, Zu beach­ten, Variationsmöglichkeiten. Ein paar weni­ge Trainingsgeräte wer­den benö­tigt, unter ande­rem ein Gymnastikband und klei­ne Hanteln. Der Autor hat ver­schie­de­ne Trainingsprogramme zusam­men­ge­stellt: Aktivierungs-, Kräftigungs-, Mobilisations-, Theraband-, Faszien-, Bauchmuskel- und Vielseitigkeitsübungen. Am Anfang jedes Übungs-Clusters ste­hen ein paar erläu­tern­de Worte und Trainingsvorgaben, am Ende des Buches fin­det sich ein Übungsregister, fünf­und­vier­zig Übungen sind es ins­ge­samt. Ich wür­de die Übungen als ein­fach bezeich­nen, und da der Autor als Physiotherapeut Experte auf dem Gebiet ist, gehe ich davon aus, dass sie auch etwas bringen.

Das Buch bie­tet jede Menge Stoff zum Nachdenken, Überdenken und In-Bewegung-Kommen, wie immer besteht der größ­te Schritt dar­in, es nicht beim Lesen zu belas­sen, son­dern aktiv zu wer­den. Na dann los!

Kay Bartrow: Fit als Vielsitzer. Die bes­ten Übungen und Alltagstipps für den Schreibtisch und zuhause
Lektorat: Sibylle Duelli
152 Seiten
2020 hum­boldt Verlag
ISBN 978-3-86910-041-8
19,99 Euro

„Ich helfe mir selbst – Bluthochdruck“ von Pepe Peschel

Das Paar auf dem Buchcover beschäf­tigt mich mehr, als es soll­te, die wir­ken für das Thema irgend­wie zu schlank, zu beweg­lich, zu hap­py. Aber viel­leicht sol­len sie ja auch das Ideal, das Ziel zei­gen. Wenigstens sind sie nicht ganz jung, denn mit zuneh­men­dem Alter sind mehr Menschen von Bluthochdruck betrof­fen, ab fünf­und­vier­zig Jahren geht es ordent­lich hoch, wie Autorin Pepe Peschel mit einer Tabelle vom Robert-Koch-Institut belegt. Faktoren, die Bluthochdruck begüns­ti­gen, sind dem­nach unter ande­rem Übergewicht, über­mä­ßi­ger Alkoholkonsum, Rauchen. Also Dinge, die vie­le Menschen schon in jun­gen Jahren pfle­gen, die sich aber irgend­wann rächen. Zugleich Dinge, gegen die man etwas unter­neh­men kann, und das ist ja der Ansatzpunkt des Buches: „Ich hel­fe mir selbst.“

Die Autorin wen­det sich eher an Menschen, die noch kei­ne Profis in Sachen Bluthochdruck sind, sie zeigt den aktu­el­len Stand in Forschung und Behandlung bzw. Medikation und erklärt zum Beispiel auch, wie der Blutdruck ver­läss­lich gemes­sen wird, was durch­aus Sinn ergibt, da Gebrauchsanweisungen für man­che kryp­tisch blei­ben und in Arztpraxen nicht unbe­dingt kon­kret und nach­hal­tig genug erklärt wird. Es wird recht deut­lich gesagt, dass man Bluthochdruck nicht auf die leich­te Schulter neh­men soll­te. Man soll­te zum einen sei­nen Blutdruck ken­nen und zum andern, falls er zu hoch ist, etwas tun, sonst kann das lang­fris­tig schwer­wie­gen­de gesund­heit­li­che Folgen haben.

Das Buch ist in vier Teile geglie­dert: „Deine Riesenpumpe … sorgt für dich“ behan­delt die Grundlagen. In „Dein Körper … ist geni­al“ gibt es Erklärungen und Tipps, was man machen kann, um den Bluthochdruck zu sen­ken, und zwar in den Bereichen Bewegung und Ernährung. Dieser Teil ist der umfang­reichs­te. „Deine Natur … schenkt Gefäßenergie“ ver­weist auf Therapiemöglichkeiten wie Wasseranwendungen und Nahrungsergänzungsmittel. In „Deine Psyche … hat Wirkung“ dreht sich alles um emo­tio­na­len Druck und Stress und was man dage­gen tun kann.

Das Buch liest sich recht schnell mit sei­nen knapp 150 Seiten, die Autorin schreibt gut ver­ständ­lich und locker, sie duzt die Leserin, den Leser. Etwas Abwechslung brin­gen etli­che blau her­vor­ge­ho­be­ne Kästen mit Tipps und Infos sowie drei Interviews mit Experten (ja, mit drei Männern, kei­ne Expertin dabei). Je nach Situation kann die Leserin, der Leser sicher Informationen für sich mit­neh­men, vor allem aber Motivation, denn wei­ter­ma­chen wie gehabt ist bei Bluthochdruck kei­ne Option …

Pepe Peschel: Ich hel­fe mir selbst – Bluthochdruck. Blutdruck zuver­läs­sig sen­ken. Richtig bewe­gen, ernäh­ren und Stress abbauen
Lektorat: Annette Gillich-Beltz
152 Seiten
2020 hum­boldt Verlag
ISBN 978-3-86910-047-0
19,99 Euro

„Redeangst überwinden“ von Uwe Hampel

Tja, so ist es manch­mal, ich hat­te bei „Redeangst über­win­den“ ein ande­res Buch erwar­tet. Das ging gleich mit dem Begriff Redeangst los. Ich dach­te an Lampenfieber, also wenn man vor einer Rede im Familienkreis oder einer Präsentation in der Arbeit auf­ge­regt, ner­vös usw. ist. Da redet man trotz­dem und es funk­tio­niert irgend­wie. Uwe Hampel meint die Redeangst, die einen außer Gefecht setzt, bei der gar nichts mehr geht.

Wenn das der Fall ist, sind Denken und Fühlen nicht im Einklang, so der Autor, und die­sen Ansatz erläu­tert er und bie­tet Übungen an, die dabei hel­fen sol­len, von Redeangst zu Redespaß zu kom­men. Das Buch hat knapp 190 Seiten, kei­ne Bilder, ein wenig wird es durch farb­lich her­vor­ge­ho­be­ne Kästen auf­ge­lo­ckert, in denen kur­ze Zusammenfassungen und die Übungen ste­hen. Hampel spricht die Leserin, den Leser direkt an und siezt sie. Am Anfang erzählt er ein paar Beispielgeschichten, alle mit männ­li­chen Protagonisten, und auch sonst ist es immer der Klient, der Experte, der Therapeut, der Politiker, der Professor. Kann man so machen, aber das lässt sich aus­ge­wo­ge­ner gestalten.

Das Buch liest sich zügig, die Übungen neh­men sicher eini­ge Zeit in Anspruch, wenn man sie direkt pro­biert. Ich fin­de es schwie­rig, den Inhalt auf den Punkt zu brin­gen und Uwe Hampels Strategie gegen Redeangst kon­kret zu benen­nen. Anhaltspunkte sind: nicht auf Probleme und Symptome fokus­sie­ren, son­dern auf die Lösung; es ist nicht nötig, sich mit der Vergangenheit zu beschäf­tig­ten, um Redeangst auf­zu­lö­sen; Probleme las­sen sich durch neue Impulse fürs Gehirn lösen usw.

Hilft das Buch mit sei­nen Erklärungen und Übungen, Redeangst zu über­win­den? Das ist pau­schal nicht zu beant­wor­ten, der Autor schreibt selbst, dass sich sei­ne Behandlungsstrategie als Coach nach der jewei­li­gen Person rich­tet, also sub­jek­tiv ist. Fest steht, dass es nichts bringt, das Buch nur durch­zu­le­sen, man muss die Übungen auch machen. Denn auf der ratio­na­len Ebene lässt sich laut Hampel nicht rela­tiv ein­fach und schnell etwas gegen Redeangst aus­rich­ten, er setzt beim Fühlen, Körperlichen an. Und das hat­te ich oben schon erwähnt: Denken und Fühlen müs­sen laut Hampel im Einklang sein, dann hat die Redeangst kei­ne Chance.

Uwe Hampel: Redeangst über­win­den. Gelassen und sicher präsentieren
Lektorat: Annette Gillich-Beltz
190 Seiten
2018 humboldt
ISBN: 978-3-86910-671-7
14,99 Euro