Labergerät

Der Duden ist sel­ten um ein Wort ver­le­gen, aber zwi­schen Deckel 1 und Deckel 2 pas­sen eben nicht alle Wörter, die so im Umlauf sind. In der fri­schen 25. Auflage kann ich 135.000 Stichwörter nach­schla­gen, aber das, was ich suche, fin­de ich nicht: Labergerät. Auf Seite 666 steht immer­hin „labern“: „ugs. für schwat­zen, unauf­hör­lich und ein­fäl­tig reden“. Bisschen nega­tiv, das. Und nun die gro­ße Frage: Wer oder was ist ein „Labergerät“? Any ide­as? Ich mach mal paar Vorschläge:

  1. Es ist der Kosename für den Fernseher, den ich nicht habe.
  2. Etwas abschät­zi­ge oder aber auch lie­be­vol­le Bezeichnung für einen Menschen, den man sonst viel­leicht Schwätzer nen­nen würde.
  3. Ein Tippfehler, wie­der mal ein Tippfehler, aber wie? Es gibt ja schon mehr als zwei Möglichkeiten…
  4. … noch mehr Vorschläge? Nehme ich gern ent­ge­gen, danke.

*Nachtrag: Zum aktu­el­len Rechtschreibduden gibt es einen kri­ti­schen Artikel in der Süddeutschen Zeitung mit dem Titel „Jenseits von Duden“. Der Hinweis stammt von Martina aus dem Texttreff.

Dukatenscheißer, der zweite

So sehen sie zusam­men aus, der Dukatenscheißer und sein Text. Der Herr D. ist auch unter ande­ren Namen bekannt, Dukatenkacker z. B., aber das ist doch gehupft wie gesprun­gen, oder?
Den Text, wie ich ihn ent­zif­fert habe, also des Rätsels Lösung, gibt es nun hier:

Gald, was geborgt, das gibt kaa Ruh
drüm, mei guts Männel, druck när zu!
Mach fle­ßig Gald hör fei net auf
bis unner is das Haus! Glück auf!

Dem Spruch merkt man zwar sei­ne Herkunft an (Arzbebirg, wie bist du schie!), aber ein Wörterbuch braucht man dafür noch nicht. Die gibt es aber, und eins habe ich vor mir lie­gen: „Wuu de Hosen Huusn haasn – Kleines Wörterbuch der erz­ge­bir­gi­schen Mundart. Für alle, die sich in erz­ge­bir­gi­schen Landen zurecht­fin­den wol­len und den Erzgebirgern zur Freude. Erzgebirgisch – Deutsch“. Ein lan­ger Titel für ein Buch mit den Wahnsinnsmaßen von 7 x 10 Zentimetern! (94 Seiten, falls das jeman­den interessiert …)

Fünf Fragen an Not quite like Beethoven

1. Warum bloggst Du?
Das ist wirk­lich bei jedem Eintrag ganz unter­schied­lich. Ich bin ertaubt, bei mir im Blog kreist alles ums Hören und Verstehen – rich­tig, anders oder auch mal ganz und gar nicht. Um Kommunikation und die Folgen geht’s also. Ich blog­ge dann mal, weil ich ger­ne sagen will, wie uner­war­tet sich Schwerhörigkeit aus­wirkt oder um ein biß­chen auf­zu­klä­ren, wie sie sich eigent­lich anhört. Neulich, weil bestimm­te Fragen immer wie­der auf­tau­chen, dann wie­der, weil mir was wie­der ein­ge­fal­len ist. Manchmal auch, weil ich mich auf­re­ge, was fra­ge – oder weil ich gern andern in ähn­li­cher Situation nütz­lich sein will.

2. Wie lan­ge hast Du das geplant und wie bist Du auf den Namen gekommen?
Letztes Jahr im Spätsommer hab ich zum ers­ten Mal dar­über nach­ge­dacht, ein Blog zu star­ten. Da bin ich nach Harvard gegan­gen und hat­te über­legt, was über Elitenwahnsinn oder Wahnsinnseliten zu schrei­ben. Ich hat­te dann aber so viel zu tun, dass ich das nicht wei­ter ver­folgt hab. Gleichzeitig hab ich immer schlech­ter gehört und damit ver­bun­den immer mehr Probleme bekom­men. Meine Freundin Berlinessa in New York hat mich dann ermun­tert, doch dar­über zu schrei­ben. „Das ist Dein Thema, da beißt die Maus ein­fach mal kei­nen Faden ab“, sag­te sie. Mir war nicht wohl dabei, weil ich eigent­lich lie­ber weg­se­hen woll­te – schließ­lich habe ich es aber doch ein­fach gemacht. Und seit­her schaue ich, wie sich das so ent­wi­ckelt. Beethoven fand ich per­sön­lich span­nend, weil ich das Heiligenstädter Testament gele­sen hat­te und in sei­nen Erfahrungen und sei­ner Verzweiflung so erschre­ckend viel von ihm in mir wie­der­erkannt hab. Weil die Mission aber nicht „Verzweiflung“ son­dern „gut Leben“ sein soll­te, bin ich nun nicht ganz wie Beethoven.

3. Spielt Beethoven musi­ka­lisch eine Rolle für Dich?
Ich habe bis ich 16 war klas­si­sche Musik am Klavier gespielt, „Für Elise“ war eins mei­ner Lieblingsstücke. Nicht das in allen Warteschleifen hoff­nungs­los ver­bra­te­ne Hauptmotiv, son­dern die zwei Mittelteile. Ansonsten moch­te ich damals eigent­lich lie­ber Mozart und Liszt. Erst spä­ter, als ich schon nicht mehr selbst gespielt hab, hab ich Beethoven wie­der für mich ent­deckt. Vielleicht hab ich mit weni­ger Hören bes­se­ren Zugang, wer weiß? Inzwischen ist mir klas­si­sche Musik aber lei­der meist zu kom­pli­ziert. Ich höre nicht dif­fe­ren­ziert genug.

4. Wie wich­tig ist das Bloggen für Dich, wie viel Zeit ver­bringst du damit?
Ist mir ziem­lich wich­tig gewor­den. Ich wür­de ger­ne mehr Zeit rein­ste­cken, also mehr recher­chie­ren und mehr schrei­ben. Aber ich mach schon mehr als ich soll­te, denn eigent­lich muss ich gera­de drin­gend eine Dissertation fer­tig­stel­len. Meist so etwa eine Stunde pro Tag. Wer weiß, viel­leicht kann ich das ja irgend­wann mal mit einem Job verbinden.

5. Hat sich durch das Bloggen für Dich etwas ver­än­dert? Wenn ja, was?
Zwei Dinge: Ich habe gemerkt, was für eine unglaub­lich span­nen­de Welt die der Blogs ist – und schon eini­ge inter­es­san­te Menschen ken­nen­ge­lernt. Ohne Kommentare wäre das alles nix. Und ich habe sehr sehr viel über mich selbst und mei­ne Schwerhörigkeit gelernt – das Schreiben hilft mir, damit umzu­ge­hen. Manchmal hab ich das Gefühl: Ich erobe­re mir von der Behinderung mei­ne Persönlichkeit zurück.

*Hier ist noch der Link zu Not quite like Beethoven.