„Die Seele der Muskeln. Krafttraining jenseits von Sport und Show“ von Werner Kieser

Ein Buch von Werner Kieser, dem Begründer des Kieser-Trainings, über Krafttraining, das klang inter­es­sant und auch das Cover hat mich ange­spro­chen. Das Buch ist kei­ne Neuerscheinung, son­dern eine Neuausgabe, und eines die­ser typi­schen Fitnessbücher ist es auch nicht. Auf 160 Seiten gibt es rela­tiv weni­ge Abbildungen, die­se in Schwarz-Weiß und zum Teil nicht all­zu groß. Das stört aber nicht, da sie sowie­so kei­ne Übungen zum Nachmachen zei­gen, son­dern vor allem Kieser-Trainingsgeräte mit trai­nie­ren­der Person.

Es geht also um Kieser-Training, und weil es über die Praxis gar nicht so viel zu sagen gibt – man muss eben hin­ge­hen und es aus­pro­bie­ren –, erzählt Werner Kieser, wie er zu sei­ner Trainingsmethode kam, war­um sie kein Sport ist, war­um sie gut für den Körper ist, wel­che Widerstände es gab usw. Kieser ist der Meinung, dass der Mensch Training braucht, um Kraft zu gewin­nen, um beweg­lich und in Form zu blei­ben. Dieses Training muss bzw. soll jedoch nicht aus­ufernd sein – mit den rich­ti­gen Geräten, die die rich­ti­gen Muskeln trai­nie­ren, sei ein Mal eine hal­be Stunde Training pro Woche genug.

Wer nicht so denkt, kommt im Buch schlecht weg, egal ob Kritiker, Fitnessstudios oder Physiotherapeuten. Exzessives Training, Ausdauersport, Aufwärmen, Stretching und Co. sei­en alle­samt nicht nötig, es rei­che kur­zes, effek­ti­ves Training, sie­he oben. Das klingt jetzt wahr­schein­lich nach einem sehr gerad­li­ni­gen Buch, aber für mei­ne Begriffe hät­te es ruhig mehr auf den Punkt gebracht sein kön­nen. Wenn man zum Beispiel einen Blick auf die Kapitelüberschriften wirft: „Bemerkungen zum Umfeld“, „Der Mensch wächst am Widerstand“, „Was ist ver­än­der­bar?“, „Mit Kraft lebt es sich ange­nehm“ usw. – das fin­de ich etwas vage, etwas all­ge­mein, und das ist beim Inhalt nicht groß anders.

Aber dar­auf kann man sich ruhig ein­las­sen, auch dar­auf, dass Werner Kieser sei­ne Methode als die ein­zi­ge und idea­le sieht, denn das Buch lie­fert etli­che Denkanstöße und gute Tipps fürs Training, egal wo und wie man letzt­end­lich trai­niert.

Werner Kieser: Die Seele der Muskeln. Krafttraining jen­seits von Sport und Show
160 Seiten
Patmos 2018
ISBN: 978-3-8436-1049-0
17 Euro

„New York Bakery – Christmas Cookies backen“ von Clara Hansemann

Was ist das nur mit Weihnachten in New York, dass das für vie­le einen beson­de­ren Klang und Glanz hat? Mich hat der Titel „New York Bakery – Christmas Cookies backen“ jeden­falls neu­gie­rig gemacht. Der Untertitel ver­spricht „Rezepte und stim­mungs­vol­le Storys“. Die Storys kom­men aller­dings etwas kurz, eigent­lich sind es nur vier Stück, die einen Blick aufs weih­nacht­li­che New York wer­fen, vom Weihnachtsbaum im Rockefeller Center bis zur Eislaufbahn im Central Park. Zu den Storys gibt es schö­ne Illustrationen von Pia von Miller und zusam­men mit den Rezepten kann einen das durch­aus in weih­nacht­li­che Stimmung brin­gen.

Am Anfang des Backbuches zeigt Autorin Clara Hansemann die zum Cookies-Backen nöti­gen Utensilien und Grundzutaten, vier Rezepte weih­nacht­li­cher Getränke sowie wel­che für Zuckerguss und Sugar Cookies. Hier sind die Seiten bis auf eine far­big unter­legt (ein gema­ser­tes Grau), was das Erkennen der schwar­zen Schrift erschwert. Zum Glück ist das bei allen ande­ren Rezepten nicht so, die las­sen sich auf wei­ßem Untergrund sehr gut lesen, auch wenn die Schrift nicht beson­ders groß ist.

Auf 96 Seiten fin­den sich 35 Rezepte von Matchstick Cookies über Peppermint Chocolate Cookies bis Santa Claus’s Kisses. Ein Rezept hat jeweils eine Doppelseite, die Zutaten und die Anleitung sind auf der lin­ken Seite, auf der rech­ten ein Foto. Auf den Fotos ste­hen die Cookies im Mittelpunkt, die Deko ist teils weih­nacht­lich, aber eher zurück­hal­tend. Die Zutaten sind in der Regel über­schau­bar und nicht exo­tisch, was ich gut fin­de, denn ich mag kei­ne auf­ge­bläh­ten Rezepte und backe gern auch mal spon­tan, ohne vor­her extra ein­kau­fen gehen zu müs­sen.

Ausprobiert habe ich gleich die Crunchy Cinnamon Oat Cookies, in die Butter, Zucker, Eier, Mehl, Zimt, Backpulver, Kokosraspel, Haferflocken kom­men, zur Verzierung Kuvertüre. Die Kokosflocken habe ich durch geho­bel­te Mandeln ersetzt, auf die Kuvertüre habe ich ver­zich­tet. Die Anleitung war klar und und unkom­pli­ziert, die Mengenangaben pass­ten und die Cookies bezie­hungs­wei­se Plätzchen sind echt lecker gewor­den, sie kamen bei diver­sen Testpersonen sehr gut an.

Ob die Rezepte authen­tisch sind, kann ich nicht beur­tei­len, aber da ver­traue ich ein­fach mal der Autorin. Das Buch ist jeden­falls schön anzu­se­hen und macht Lust, die Rezepte aus­zu­pro­bie­ren. Zum Beispiel die Sticky Toffee Bites. Oder die Christmas Chocolate Whoopies. Oder die Red Velvet Crinkle Cookies. Oder …

Clara Hansemann: New York Bakery – Christmas Cookies backen. Rezepte und stim­mungs­vol­le Storys
Lektorat: Saskia Wedhorn
Illustrationen: Pia von Miller
Fotos: Tina Bumann
96 Seiten
Edition Michael Fischer 2017
ISBN: 978-3-86355-827-7
15,99 Euro

„Lecker ohne … Milch“ von Alexandra Hirschfelder und Sabine Offenborn

„Lecker ohne … Milch“ hat zwei Teile. Im ers­ten gibt es Infos rund um die Milch für Leute, die auf Milch ver­zich­ten wol­len oder müs­sen: Die Autorinnen Alexandra Hirschfelder und Sabine Offenborn gehen auf eini­ge Gründe für Milchverzicht näher ein und nen­nen Produkte, mit denen man Milch sowie wert­vol­le Inhaltsstoffe der Milch erset­zen kann. Im zwei­ten Teil fin­den sich Rezepte ohne Milch von Aufstrichen über Suppen und Hauptgerichte bis Desserts.

Ein Grund, auf Milchprodukte zu ver­zich­ten, ist natür­lich, dass man sie nicht ver­trägt. Wenn der Milchzucker, also Laktose, das Problem ist, müs­se man Zutatenlisten stu­die­ren, so die Autorinnen. Denn Laktose ist nicht nur in Milch, Joghurt, Butter und Co. ent­hal­ten, son­dern wird vie­len Produkten bei­ge­setzt wie zum Beispiel Gewürzmischungen, Trockensuppen, Fertiggerichten. Zu „Laktose in Lebensmitteln“ (lak­to­se­hal­tig, lak­to­se­arm, lak­to­se­frei) fin­det sich eine Tabelle, die zum Teil etwas sim­pel anmu­tet (Honig, Wassereis, Tee, Kaffee, Ketchup und Senf sind bei­spiels­wei­se lak­to­se­frei, okay), aber ja viel­leicht hilf­reich ist, wenn man Laktose wirk­lich unbe­dingt mei­den muss.

Zu Milch und Milchprodukten gibt es mitt­ler­wei­le etli­che Alternativen. Bevor die Autorinnen sie vor­stel­len, wei­sen sie dar­auf hin, dass alle Sorten Pflanzenmilch wie­der­um ande­re Allergene ent­hal­ten, die eben­falls Probleme machen könn­ten. Unter ande­rem aus Soja, Hafer, Mandeln und Nüssen wer­den Milchersatzprodukte her­ge­stellt, in ers­ter Linie Drinks („Milch“ dür­fen sie nicht genannt wer­den) und Cremes. Die Seiten dazu sind abwechs­lungs­reich und infor­ma­tiv und enden mit Rezepten, wie man unter ande­rem Sojadrink, Nussdrink, Getreidedrink und Nussfrischkäse selbst hin­be­kommt. Da freut sich even­tu­ell das Portemonnaie, denn so man­ches Milchersatzprodukt ist ganz schön teu­er. Ob es güns­ti­ger ist, wenn man es selbst macht, muss man pro­bie­ren, aber in jedem Fall ist es dann fri­scher und ent­hält kei­ne Zusatzstoffe. Doch um noch mal auf den Nussfrischkäse zurück­zu­kom­men: Was es nicht alles gibt! Das hat­te ich vor­her noch nicht gehört, und sol­che Aha-Momente dürf­ten beim Lesen des Buches ab und zu alle haben, die nicht bereits Milchersatz-Expertinnen und -Experten sind.

Dass Milch als gesund galt und im Prinzip auch noch gilt, hat ja Gründe. Sie hei­ßen Milchzucker, Milchfett, Milcheiweiß, Vitamine, Mineralstoffe und Milchsäurebakterien. Wie man sich damit aus­rei­chend ver­sorgt, ohne zu Milch und Milchprodukten zu grei­fen, erläu­tern die Autorinnen kurz und mit Nennung alter­na­ti­ver Lebensmittel. Mit „Zehn Regeln für eine gesun­de Ernährung“ endet der ers­te Teil des Buches.

Die Rezepte im zwei­ten Teil pas­sen fast alle jeweils auf eine Seite und sind über­sicht­lich sowohl von den Zutaten als auch von der Zubereitung her. Bei eini­gen muss man etwas län­ge­re Zeiten ein­pla­nen, da man­ches Getreide, Bohnen oder Nüsse ein paar Stunden oder über Nacht ein­wei­chen muss. Das steht dann aber auch gleich ganz oben mit bei der Zubereitungszeit. Ein paar Rezepte her­aus­ge­grif­fen: Broccoli-Tomaten-Quiche, Kartoffelsalat mit Avocado, Karamellpudding, Bienenstich. Klingt, als wür­de das schme­cken, oder? Und das ist auch die Botschaft die­ses Buches: sich ohne Milchprodukte ernäh­ren geht, und zwar gut, gesund und lecker.

Alexandra Hirschfelder und Sabine Offenborn: Lecker ohne … Milch. Köstlich kochen und backen. Die leckers­ten natür­li­chen Alternativen
Lektorat: Annette Gillich-Beltz
152 Seiten
hum­boldt 2017
ISBN 978-3-89993-948-4
19,99 Euro

„Wie ich meinem Kind zu einem starken Selbstwertgefühl verhelfe“ von Heinz-Peter Röhr

Ein gan­zes Buch zum Thema Selbstwertgefühl – ich schät­ze, ich hat­te mit eini­gen all­ge­mei­nen Infos und jeder Menge Tipps gerech­net. Tipps gibt es auch, aber irgend­wie anders als erwar­tet. Gleich in der Einleitung erfährt man, wel­chen Stellenwert Autor Heinz-Peter Röhr dem Selbstwertgefühl bei­misst: „Für nahe­zu alle psy­chi­schen Probleme und Krankheiten, die kei­ne bio­lo­gi­schen oder orga­ni­schen Hintergründe haben, ist ein gestör­tes Selbstwertgefühl die eigent­li­che Ursache.“

Kurz geht er dar­auf ein, wie sich das Selbstwertgefühl ent­wi­ckelt, das gesche­he maß­geb­lich wäh­rend der ers­ten sechs Lebensjahre und die Gene wür­den dabei eine wich­ti­ge Rolle spie­len. Das Selbstwertgefühl wer­de von „inne­ren Programmen“ bzw. Glaubenssätzen gesteu­ert, wie zum Beispiel: „Ich ler­ne leicht“, „Ich habe immer Glück“, „Ich habe es schwer“, „Keiner mag mich“ usw.

Von ent­schei­den­der Bedeutung für das Selbstwertgefühl sei­en drei Fragen: 1. „Bin ich will­kom­men?“, 2. „Genüge ich?“ und 3. „Bekomme ich genü­gend Liebe und Zuwendung?“ Wenn die Antworten auf die­se drei Fragen posi­tiv aus­fal­len, habe man in der Regel „eine sta­bi­le Grundlage für sein Selbstwertgefühl“.

Das Selbstwertgefühl lei­de jedoch, wenn nega­ti­ve inne­re Programme lau­fen, „gehei­me Programme“ nennt Heinz-Peter Röhr sie, da man sie ver­ste­cke bzw. sie einem gar nicht bewusst sei­en. Mit den gehei­men Programmen „Ich bin nicht will­kom­men“, „Ich genü­ge nicht“ und „Ich bin zu kurz gekom­men“ setzt er sich näher aus­ein­an­der. Wenn man sich bei­spiels­wei­se nicht will­kom­men füh­le, ver­su­che man, dem mit ver­schie­de­nen Strategien bzw. Gegenprogrammen zu begeg­nen, wie Anpassung, Verhaltensstörungen, Suchtmitteln. Diese Gegenprogramme wür­den jedoch nicht hel­fen, das kön­ne ein­zig die Installation des Gegenprogramms „Ich bin will­kom­men“.

Direkt ein­fach und all­ge­mein ist das Buch also nicht. Der Autor hat ein System ent­wi­ckelt, das im Prinzip gut nach­voll­zieh­bar ist, auch dank etli­cher Fallbeispiele. Egal ob einen die­ses System, die­ser Ansatz über­zeugt oder nicht, in jedem Fall kann man etli­che Denkanstöße, Impulse aus der Lektüre mit­neh­men, zum Verstehen von bestimm­ten Verhaltensweisen, zur Beziehung zwi­schen Eltern und Kind und dazu, wie man das Selbstwertgefühl von Kindern kon­kret för­dern kann. Es geht auch bei­lei­be nicht „nur“ um das Kind, son­dern eben­falls um die Erwachsenen, um die Eltern, die sich fra­gen soll­ten, wel­che gehei­men Programme bei ihnen womög­lich ablau­fen und wie sich das auf das Kind aus­wir­ken könn­te.

Kurzum: Auf 176 Seiten mit rela­tiv klei­ner Schrift hat Heinz-Peter Röhr viel Expertenwissen und Erfahrung zusam­men­ge­tra­gen – er ist Pädagoge und hat über 30 Jahre an einer Fachklinik für Suchtmittelabhängige gear­bei­tet. Die eine leich­te Antwort auf die Frage „Wie ich mei­nem Kind zu einem star­ken Selbstwertgefühl ver­hel­fe“ gibt es sicher nicht, aber das Buch bie­tet dazu die ein oder ande­re Antwort und zahl­rei­che Anregungen.

Heinz-Peter Röhr: Wie ich mei­nem Kind zu einem star­ken Selbstwertgefühl ver­hel­fe
176 Seiten
Patmos 2017
ISBN: 978-3-8436-0995-1
16 Euro