Frank Egholm: „Das große Buch vom Schnitzen“

„Das große Buch vom Schnitzen“ ist eigent­lich recht hand­lich, aber mit sei­nen 200 Seiten und x-Schnitzideen dann doch wie­der rich­tig groß. Am Anfang gibt es auf knapp drei­ßig Seiten eine kleine Einführung in das Schnitzen: die wich­tigs­ten Regeln, Informationen zum Messer, zum Holz und zu den Schnitztechniken. Dieser Teil ist genauso kom­pakt und reich bebil­dert wie der „Rest“ des Buches, der aus Schnitzideen und -vor­schlä­gen besteht. Also nicht zu viele Worte und genau die Informationen, die man wirk­lich braucht.

Das Buch rich­tet sich an Kinder wie Erwachsene, an Anfänger und Fortgeschrittene. Die Schnitzanleitungen sind jeweils mit einem, zwei oder drei Sternchen gekenn­zeich­net, je nach Schwierigkeitsgrad. Die Vielfalt der Vorschläge ist groß: Tierfiguren, Spiele, Spielzeug, Schmuck, Deko, Küchenzubehör … Die Anleitung besteht immer aus drei Teilen: ers­tens ein paar all­ge­meine Worte zum Schnitzobjekt, zwei­tens das benö­tigte Material und drit­tens „So wird’s gemacht“. Die Fotos dazu sind klar, auf­ge­räumt und haben schöne, erd­ver­bun­dene Farben, wenn es kom­ple­xer wird, wer­den sie durch Skizzen ergänzt.

Es ist fas­zi­nie­rend zu sehen, was in Astgabeln, in Holz über­haupt, steckt. Zum Beispiel ein Küchenrollenständer, für den man einen Ast und eine Stammscheibe braucht, oben wird ein Gesicht mit Hut oder Mütze geschnitzt, der Ast mit der Scheibe ver­schraubt, even­tu­ell noch etwas Farbe drauf und fertig!

Das Wichtigste an einem sol­chen Schnitzbuch ist ja, dass es Lust aufs Schnitzen macht. Und das ist bei die­sem Schnitzbuch von Frank Egholm ganz klar der Fall. Es juckt einen in den Fingern, wenn man die geschnitz­ten Vögel sieht, die Pfeife aus Weidenrinde, die freund­li­chen Irrlichter (mit Lampionblumenblüten als Hut), den indi­schen Flitzebogen, die Wandhaken mit Pinocchionase … Man möchte sofort anfan­gen zu schnit­zen. Na dann los!

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Frank Egholm: Das große Buch vom Schnitzen
Aus dem Dänischen von Patrick Zöller, mit Fotos von Per Rasmussen und Lillian Egholm
199 Seiten, gebun­den
2015, Verlag Freies Geistesleben
ISBN: 978-3-7725-2645-9
24,90 Euro

Jana Männig: Wie das „Kochbuch Oberes Erzgebirge“ entstand

Ein Kochbuch übers Erzgebirge ist natür­lich span­nend, wenn man im Erzgebirge lebt. Wenn es zudem anspre­chend rüber­kommt, sowohl auf den ers­ten Blick als auch nach eini­gem Blättern, haben der Verlag und die Autorin schon mal etwas rich­tig gemacht.

Das „Kochbuch Oberes Erzgebirge“ habe ich im Schwarzenberg-Blog bespro­chen (lesen) und nun noch der Autorin des Buches, Jana Männig, ein paar Fragen zu des­sen Entstehung gestellt. (Danke fürs Antworten!)

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Seit wann schreibst du Kochbücher?
Das Erzgebirgskochbuch war mein ers­tes Kochbuch über­haupt. Eigentlich
schreibe ich Firmengeschichten, Fachartikel oder Fachbücher. Die haben aber
auch hin und wie­der mit Essen zu tun, wie mein Schokoladenbuch „Lauter süße
Sachen“ oder mein Filinchen-Büchlein.

Wie kam es zu die­sem Kochbuch?
Das ist eine unge­wöhn­li­che Geschichte. Meine Familie müt­ter­li­cher­seits
stammt aus dem Erzgebirge und des­we­gen lie­gen auch die Wurzeln mei­ner
zahl­rei­chen Cousins und Cousinen hier. Meine Tante bekam eines der
Kochbücher aus der Edition Limosa in die Finger und hatte die Idee, ein
sol­ches Kochbuch, nur eben über das Erzgebirge, an ihren Sohn in der Fremde
zu ver­schen­ken. Doch es gab keins. Sie erzählte mir davon und meinte, ich
könne doch im Verlag fra­gen, ob ich nicht ein Kochbuch zum Oberen Erzgebirge
schrei­ben solle. Dort lief ich offene Türen ein. Wenn man so will, habe ich
das Buch nur für mei­nen jüngs­ten Cousin geschrieben. ;)

Warum Oberes Erzgebirge und nicht Erzgebirge?
Das Obere Erzgebirge – also die Gegend um Oberwiesenthal – ist meine Heimat.
Ich wohne nun schon 25 Jahre in Leipzig und fühle mich hier sehr wohl, aber
Heimat bleibt doch Oberwiesenthal!
Vom „Silbernen Erzgebirge“ gab es in der Edition Limosa schon ein Kochbuch,
aber eben kei­nes von „ganz oben“!

Von wem stam­men die Rezepte?
Ich habe das Kochbuch gemein­sam mit mei­ner Mutti, Bärbel Modes, geschrie­ben.
Sie ist Köchin. Viele Rezepte sind von ihr, einige auch von mir, die
aller­meis­ten aber hat meine Mutti bei Freunden, Nachbarn und Bekannten
eingesammelt.

Hast du alle Rezepte selbst getes­tet?
Ich sel­ber nicht, da ich mit dem Schreiben der Geschichten, der Rezepte und
der Suche nach den Bildern wirk­lich aus­ge­las­tet war. Aber meine Mutti hat
einen Großteil nach­ge­kocht. Dann lief hier das Telefon heiß, weil Garzeiten,
Mengenangaben und Temperatureinstellungen ange­passt wer­den mussten.

Hast du ein Lieblingsrezept?
Ich liebe die „Falschen Bratheringe“, wenn sie meine Mutti macht, und auch an
„Buttermilchgetzen“ komme ich nicht vor­bei. Ansonsten natür­lich: Sauerkraut.

Wie lange hast du an die­sem Kochbuch gear­bei­tet?
Da ich ja neben­bei auch noch im Brotberuf Unternehmensgeschichten schrei­ben
musste, zogen sich die Arbeiten am Kochbuch über etwa 9 Monate hin.

Von wem sind die schö­nen Fotos?
Um an die Fotos zu kom­men, habe ich extra eine Facebook-Seite ein­ge­rich­tet
und mich mit zahl­rei­chen Erzgebirgsfotografen ver­netzt, die mir mit
unend­li­cher Treue und Geduld gehol­fen haben, mehr als 200 Fotos zu sam­meln.
Die Philosophie des Verlages besteht näm­lich darin, mög­lichst viele Menschen
in die Entstehung des Buches ein­zu­bin­den und um die Bereitstellung von
Rezepten, Geschichten und Bildern zu bit­ten. So fin­det man Mitstreiter und
akqui­riert gleich­zei­tig Käufer. Ich muss sagen, das Konzept ging auf. Unsere
Helfer konn­ten das Erscheinen des Buches kaum erwar­ten. Zur Buchvorstellung
kamen jede Menge Leute und wir haben ewig geses­sen und signiert.
Heute tau­schen sich die Leser im Wartezimmer bei der Hausärztin über die
Rezepte aus. Mit so viel Begeisterung hät­ten wir nicht gerechnet.

Arbeitest du schon an einem neuen Kochbuch?
Nein, ein Kochbuch habe ich gerade nicht auf mei­nem Tisch, aber viel­leicht
ergibt sich noch ein­mal die Gelegenheit.

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Jana Männig und Bärbel Modes: „Das Kochbuch Oberes Erzgebirge. Kulinarische Wanderung zwi­schen Greifensteinen und Fichtelberg“, Edition Limosa, November 2014, 160 Seiten, ISBN 978-3-86037-573-0, 19,90 Euro

„Keiner gruselt sich vor Gustav“ von Guido van Genechten

Gespenst Gustav sieht aus wie ein Schokokuss, bloß mit Kulleraugen, Stupsnase, roten Bäckchen und Armen sowie Kleiderfalten und außer­dem rosa: ein­fach süß. So knuffig sind auch die ande­ren Gespenster im Buch, aber in Weiß.

Gustav geht wie alle Gespensterkinder in die Gespensterschule, bis der Direktor ver­langt, dass die Nachwuchsgespenster „Buhuhuuu“ machen. Gustav bekommt jedoch nur „Bababahu“ her­aus. Zur Strafe muss er in den Verlassenen Turm, wo er das „Buhuhu“ üben soll. Im Turm trifft Gustav den Kater Miau, sie wer­den Freunde und rich­ten es sich gemüt­lich ein. Auf „Buhuhu“ und spu­ken hat Gustav ein­fach keine Lust …

Ein Gespenst also, das aus der Reihe tanzt. Das brin­gen der nie­der­län­di­sche Originaltitel und der deut­sche Titel ganz unter­schied­lich rüber: „Keiner gru­selt sich vor Gustav“ in Kombination mit dem Coverbild signa­li­siert: Der ist süß, der ist harm­los. „Spookje Spartacus“, Gespenstchen Spartacus, bringt dage­gen den Sklaven, Gladiator und Anführer der Sklavenarmee, die gegen Rom auf­be­gehrte, ins Spiel, was der Zielgruppe, Kindern ab vier Jahren, noch nichts sagen wird, dafür aber den Eltern, Großeltern usw., die die Bücher ja kau­fen und vorlesen.

Das Buch ist schön groß, der Einband schwarz wie die Nacht, jedoch mit rosa Gespenst (Gustav) und Blümchen. Die Bilder sind in gedämpf­ten Farben gehal­ten, schließ­lich sind die Gespenster in der Nacht aktiv. Deswegen fin­den sich auch auf fast jeder (Doppel-)Seite Mond, Sterne, Kerzen … Auch sonst gibt es etli­che Details zu ent­de­cken, über­la­den sind die Bilder jedoch nicht. Als Extra klebt vorn im Buch ein Fensterbild mit Gustav.

„Keiner gru­selt sich vor Gustav“ ist ein Gespensterbuch über ein Gespenst, das nicht spu­ken will und dann eben ander­wei­tig glück­lich wird. Schön anzu­se­hen und zu lesen bzw. zu hören. Bababahu!

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Guido van Genechten: Keiner gru­selt sich vor Gustav
Aus dem Niederländischen von Meike Blatnik (Originaltitel: Spookje Spartacus)
32 Seiten, gebun­den
ab 4 Jahren
2015 annette betz
ISBN: 978-3-219-11657-1
14,95 Euro