„Wie Rebekka beinahe Weihnachten verschlief“ von Sandra Salm und Elli Bruder

Rebekka ist sechs Jahre alt, ihre große Schwester ist schon erwachsen – und heißt Maria. Im Laufe der Geschichte kommt heraus, dass es die Maria ist, die Jesus zur Welt bringt, in „Wie Rebekka beinahe Weihnachten verschlief“ geht es also um das erste Weihnachten.

Rebekka erzählt aus ihrer kindlichen Sicht, die Illustrationen dazu sind hell und freundlich. Wort und Bild vermitteln, dass die Handlung in einem fernen Land spielt – in dem Palmen wachsen, die Menschen anders gekleidet sind und andere Dinge essen und trinken. Aber fremd erscheint einem das Ganze nicht. Zum einen, weil die Beziehungen zwischen den Menschen die gleichen sind, und zum andern, weil es eben die Weihnachtsgeschichte ist, wenn auch aus einer neuen Perspektive.

Rebekka ist dabei, als Maria in der Nacht der Engel erscheint, sie freut sich auf das Baby und weint, als Maria und Josef nach Bethlehem aufbrechen. Mit ihrem Hund Strubbel folgt sie den beiden heimlich, trifft sie wieder und ist schließlich mit ihnen im Stall …

Ein schönes Bilderbuch und überhaupt eine schöne Idee: die Weihnachtsgeschichte für Kinder von einem Kind berichten zu lassen.

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Wie Rebekka beinahe Weihnachten verschlief
Text: Sandra Salm, Illustrationen: Elli Bruder
24 Seiten
ab 3 Jahren
2015 Patmos Verlag
ISBN: 978-3-8436-0631-8
12,99 Euro

„Mondschein hin, Mondschein her“ von Adelheid Dahimène und Verena Ballhaus

Dieses Buch ist zufällig bei mir gelandet, eigentlich wollte ich ein anderes rezensieren. Ich wunderte mich also kurz, als es in der Post war, schaute es mir dann aber neugierig an. Der Einband ist ganz schön speziell für ein Bilderbuch für Kinder, dunkelblauschwarz mit sonderbaren bunten Blumen und einigen anderen Formen und Gestalten. Blumen – wie langweilig, könnte man sagen. Aber solche hat man noch nie gesehen. Und so bleibt es auch im Buch: Es stellt sich quer gegen gewohnte Bilder- und Farbwelten und lässt einen wirklich in eine fremde, bizarre Welt eintauchen.

In dieser Welt sucht der Mond ein Quartier für die Nacht und findet es beim Seewächter, der dafür einen Schein (und keine Münzen!) verlangt. Nacht für Nacht bezahlt der Mond einen Schein, bis er „blank“ ist. Nun bietet er dem Seewächter an, für ihn ein Luftschloss über den Wolken zu bauen, dafür nimmt er jede Nacht einen Schein zurück, bis er alle wieder zusammen hat – und so geht das immer hin und her, über Jahre, in denen der Seewächter und der Mond dicke Freunde werden …

Bei den Bildern ist schwer zu sagen, wo Wasser, Land, Himmel beginnen und enden, selbst oben und unten lassen sich nicht ohne Weiteres zuordnen, alles fließt und schwebt und berührt sich. Orientierungspunkte sind der Mond(-mann) und der Seewächter, außerdem schwirren Fische, Frösche und eine Nixe herum, manchmal Blumen und diverse Gebrauchsgegenstände wie Schere, Glühbirne und Kämme, die ein Eigenleben entwickeln. Kämme passen vielleicht auch zur Maltechnik, die Illustrationen wirken, als wäre Wachs im Spiel.

Wenn man (gleich ob Kind oder erwachsene Person) sich auf das Buch einlässt – auf den Text, auf die Bilder, auf beides zusammen –, wird man es sehr oft anschauen können, ohne dass einem langweilig wird. Und von welchem Bilderbuch kann man das schon behaupten?

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Mondschein hin, Mondschein her
Text: Adelheid Dahimène, Illustrationen: Verena Ballhaus
ab 4 Jahren
2015 G&G Verlag, Nilpferd
ISBN: 978-3-7074-5171-9
19,99 Euro

Rosa Rechtsteiner: „Familie im Gepäck“

Der Titel ist schon mal gut, er spricht mich an: „Familie im Gepäck“. Kurz, knackig, aussagekräftig. Den Untertitel „Wie Sie sich aus alten Mustern lösen und zum eigenen Leben finden“ finde ich eine Spur zu vollmundig-verbindlich. Die Autorin des Ratgebers, Rosa Rechtsteiner, ist Pädagogin und Kinesiologin („Kinesiologie“ in der Wikipedia: klick), sie berät Menschen zu allen möglichen Problemen. Ihre Methode ist eine Kombination aus Genogrammarbeit und „energetischer Stresslösung“, im Buch geht sie ausschließlich auf erstere ein.

Ein Genogramm ist ja so etwas wie ein Stammbaum, Personen werden durch bestimmte Zeichen dargestellt und ihre Beziehung zueinander durch Linien. Der Kreis steht für eine weibliche, das Viereck für eine männliche Person usw. Die Genogrammarbeit sieht offensichtlich so aus, dass Beraterin und Klientin zusammen das Genogramm der Klientin erstellen und schauen, inwiefern es Aufschluss über das Problem oder die Probleme gibt, zu denen sich die Klientin beraten lässt.

Im ersten Teil des Buches stellt die Autorin ihre These vor: dass wir – unbewusst – viel mehr von unserer „Sippe“, unserer Familie, unseren Ahnen beeinflusst werden, als wir das oft annehmen. Im zweiten Teil schildert sie typische Fälle aus ihrer Praxis, gegliedert in die zwei Lebensbereiche Beruf und Karriere, Liebe und Beziehungen. In einem Extra-Kapitel geht es um die Auswirkungen von Krieg – Schuld und Traumata – bis in die Enkelgeneration. Rosa Rechtsteiner zeigt bei jedem Fall das Genogramm, skizziert den Beratungsverlauf, nennt „Erkenntnissätze“, die mit den jeweiligen Klienten gefunden wurden, außerdem formuliert sie „Faustregeln“ und bietet der Leserin bzw. dem Leser des Ratgebers passende Übungen.

Die Fälle lesen sich recht plausibel und natürlich ist nur von Erfolgen die Rede, wie das bei Ratgebern, die eine bestimmte Methode propagieren, ja sozusagen sein muss. Darauf kann man sich einlassen – oder nicht. Auf jeden Fall macht das Buch neugierig und regt an, das eigene Genogramm zu erstellen und neu über die Familie nachzudenken, die man selbst „im Gepäck“ hat. Könnte es einen Zusammenhang zwischen eigenen aktuellen Problemen und Lebensweisen, Berufen, Süchten, traumatischen Erfahrungen usw. in der Sippe geben?

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Rosa Rechtsteiner: Familie im Gepäck. Wie Sie sich aus alten Mustern lösen und zum eigenen Leben finden
176 Seiten
2015 Patmos Verlag
ISBN: 978-3-8436-0656-1
14,99 Euro

Paul Gallico: „Vom mutigen Manxmaus-Mäuserich“

Das Buch ist alt, 1968 wurde es erstmals veröffentlicht, der Autor, Paul Gallico, ist schon 1976 gestorben, er war Jahrgang 1897. Die Neuausgabe ist 2015 erschienen und der Verlag wirbt damit, dass „Vom mutigen Manxmaus-Mäuserich“ ein Lieblingsbuch von J. K. Rowling sei. Ich war also auf der einen Seite skeptisch und rechnete trotz allem mit einer angestaubten, eher langatmigen Story. Auf der anderen Seite war ich neugierig, deswegen wagte ich mich dann doch an diese Geschichte mit einem tierischen Helden, was sonst auch nicht unbedingt meine erste Wahl ist.

Ich wurde angenehm überrascht. Man merkt der Geschichte nicht an, dass sie etliche Jahrzehnte auf dem Buckel hat, sie ist wunderbar witzig und kurzweilig erzählt. Man muss sich keinesfalls zum Weiterlesen zwingen, man will im Gegenteil wissen, wie es weitergeht.

Held der Geschichte ist eine Manxmaus, die einzige, die es auf der Welt gibt. Ein Keramiker hat sie in einer betrunkenen Nacht erschaffen. Der Mann stellt ausschließlich Mäuse her und war der Meinung, in jener Nacht die perfekte Maus geschaffen zu haben, was sich am Morgen als Irrtum herausstellt: Die „Maus“ ist blau, hat Ohren wie ein Kaninchen, lange Läufe wie ein Känguru – und keinen Schwanz. In der nächsten Nacht wird die Keramikmaus lebendig und geht auf eine abenteuerliche Reise.

Der Manxmaus-Mäuserich begegnet Tieren und Menschen: unter anderem einem Habicht, einem Elefanten, einem einsamen Mädchen, einem raffgierigen Tierhändler … Und die meisten sind der Meinung, dass der Manxmäuserich früher oder später beim Manxkater landen würde, dies sei schließlich seine Bestimmung. Das passiert auch, aber so viel sei schon mal verraten: Im Titel heißt es nicht umsonst, dass der Manxmaus-Mäuserich mutig ist.

Einfach ein schönes Buch mit bunten Illustrationen von Linde Faas, die fabelhaft zur Geschichte passen.

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Paul Gallico: Vom mutigen Manxmaus-Mäuserich
Aus dem Englischen von Adolf Himmel, Originaltitel: The Mouse that knew no Fear
Illustrationen von Linde Faas
205 Seiten
ab 7 Jahren
2015 Urachhaus
ISBN: 978-3-8251-7938-0
15,90 Euro