Der Weg einer Erkenntnis

Dosenöffner sind idio­ten­si­cher. Hätte ich bis vor Kurzem behaup­tet. Wobei es natür­lich die gibt, mit denen man nur mit­hil­fe irgend­wel­cher Kniffe zurecht­kommt. Die reich‘ ich wei­ter, ich muss ja nicht alles kön­nen. Aber man sieht, wie sie funk­tio­nie­ren, und sie machen ihren Job.

Nun bin ich neu­lich auf einen Dosenöffner gesto­ßen, der „jede Dose schnell und sicher“ öff­nen soll­te. Bei der ers­ten Dose konn­te von „schnell“ nicht die Rede sein. Es war der ers­te Dosenöffner, bei dem ich eine Anleitung benötigte.

Ich folg­te der Anweisung also Schritt für Schritt. Nahm den Dosenöffner run­ter. Der Deckel war noch dran.

Noch ein­mal mit Gefühl. Und? Der Deckel war noch dran.

Gedanke: komi­scher Rand, alles, was die­ser däm­li­che Dosenöffner zustan­de bringt, ist, den Rand platt­zu­wal­zen. Männo.

Umdrehen und anders­rum pro­bie­ren? Moment mal. Wie war das mit der letz­ten Anweisung? Zange, Deckel?

Und der Deckel war ab. Tatsächlich. Keine schar­fen Kanten.

Und die nächs­te Dose geht dann auch schnell …

Kennt Ihr die­sen Typ Dosenöffner, wisst Ihr, was ich mei­ne? Die gibts doch noch nicht so lan­ge, oder?

Klo und Co

Das ist doch mal was: Ein Kack-Thema, optisch kna­ckig auf­be­rei­tet! Die Arbeit stinkt zwar immer noch, aber ver­ste­cken? Wieso? Werben, und zwar richtig!

Mit Pferden, ab acht: „Wir sind die Waldens!“ von Heide John

Heldin des Buches ist Rieke Walden, 10 Jahre, die vier Brüder hat und ein Pony namens Balduin. Ihre Familie zieht auf den Hof des Großvaters, denn die Mutter ist schwan­ger mit Zwillingen, und für eine bald neun­köp­fi­ge Familie ist im alten Haus nicht mehr genug Platz. Und sonst?

  1. Es gibt einen Blick in die Zukunft, ohne den geht es ja in den wenigs­ten Büchern, oder? „Doch da soll­te Rieke sich gewal­tig irren: Nach den Sommerferien wür­de sie Tjorven täg­lich sehen …“
  2. Tjorven also, der Einzige, der in die­sem Buch die Harmonie stört. Ansonsten ist alles fried­lich, ange­sichts von fünf Kindern schon erstaun­lich, aber viel­leicht zof­fen sich zwei Geschwister ja mehr? Tjorven ist jeden­falls der Nachbarssohn, und er ist ein Eigenbrötler, der die ande­ren mei­det und nur zu einem Pferd der Waldens einen Kontakt aufbaut.
  3. Mutter Walden näht schrä­ge Sachen, die die Kinder nicht anzie­hen wol­len, der Großvater aber schon. Ob sie auch bei Dawanda ein­stellt, erfährt der Leser nicht.
  4. Bruder eins hört immer Musik und sprayt Graffitis, Bruder zwei ist stän­dig am Lesen, einer hat nur Kochen im Sinn und der Älteste, der 18 wird, führt mehr oder weni­ger schon sein eige­nes Leben.
  5. Rieke hat vor allem eins im Kopf: ihr Pony Balduin. Das ist zunächst nei­disch auf ein Fohlen, das neu auf den Hof kommt, aber …
  6. Eine schö­ne Geschichte: Warum die Hofziege „Frau Doktor“ heißt. Ich wuss­te nicht, dass Pferde und Ziegen ein gutes Gespann sein kön­nen, Aha-Effekt.
  7. Der Großvater ist 66 Jahre alt, was man ihm aber nicht ansieht, er hat eine Künstlerfreundin und möch­te Peter genannt wer­den, nicht Opa.
  8. Am Meer woh­nen wie die Familie Walden wür­de ich auch gern. Wobei, eigent­lich lie­ber an der Ostsee. Ich bräuch­te auch kein Pferd, um am Strand glück­lich zu sein. Bezieht sich die­ses „Blanker Hans“ eigent­lich nur auf die Nordsee?

Also, ein schö­nes Buch, eine net­te Geschichte! Klingt ver­däch­tig nach Auftakt einer Serie, denn in ers­ter Linie wer­den die Menschen und die Pferde ein­ge­führt, und war­um z. B. Tjorven so ist, wie er ist, erfährt man nicht. Die Illustrationen von Elke Broska sind anspre­chend, der Ton ist locker, die Schrift rela­tiv groß. Der Untertitel, „Ponychaos hoch 7“, ist ein wenig dick auf­ge­tra­gen, denn chao­tisch geht es für mei­ne Begriffe auf dem Waldenhof eher nicht zu, und sie­ben Ponys gibt es auch nicht. Aber bald sie­ben Kinder …

Heide John: Wir sind die Waldens! Ponychaos hoch 7
Arena Verlag
ISBN 978–3‑401–45393‑4
12,95 Euro