Sonntags in die Bücherei?

In Hessen bera­ten Politiker über eine Öffnung der Bibliotheken auch an Sonntagen. Kein Müssen, son­dern ein Können, wenn sie wol­len. So ganz aus der Luft gegrif­fen, wie sich das anhört, ist es schein­bar nicht, da sich der Bibliotheksverband Hessen dafür aus­ge­spro­chen hat. Aber die Begründung?

„Ziel des Entwurfs ist auch, hohe kirch­li­che Feiertage bes­ser vor Verkaufsveranstaltungen wie ‚Mitternachtsshopping‘ an den Abenden zuvor zu schüt­zen.“ (Quelle: boersenblatt.net)

Kann mir jemand den Zusammenhang erklä­ren, so es einen geben soll­te? Wie schützt man den Sonntag, indem man die Bibliothek öffnet?

Ich wür­de sagen: Lasst die Bibliotheken am Sonntag zu. Wer will denn das? Sechs Tage die Woche kann man sich Bücher aus­lei­hen, am sieb­ten Tag soll man sie lesen. Die Bibliothekarinnen wer­den nör­geln. Die Leser nicht kom­men. Oder sehe ich das zu schwarz? Ich hab jüngst erfah­ren, dass es Bibliotheken gibt, die kei­ne Jahresgebühr ver­lan­gen, son­dern eine Gebühr pro aus­ge­lie­he­nem Buch. Ich fin­de, DAS gehört ver­bo­ten. Ich kann mir kaum eine bes­se­re Lesebremse vorstellen!

Fünf Fragen an eine Übersetzerin und einen Übersetzer

1. Wann wer­den die Übersetzer von Übersetzungsprogrammen abgelöst
(Übersetzerin)
Es sieht nicht so aus, als könn­te das in abseh­ba­rer Zeit pas­sie­ren. Dazu müss­te die elek­tro­ni­sche Datenverarbeitung wie das mensch­li­che Gehirn funk­tio­nie­ren. Sprache läßt sich nun ein­mal nicht rest­los mathe­ma­tisch beschrei­ben, und beim Übersetzen sind immer irra­tio­na­le Faktoren im Spiel, selbst wenn es sich um kno­chen­tro­cke­ne Texte handelt.

(Übersetzer)
Erst wenn ich mich der Sache ange­nom­men habe, doch war­um soll­te ich … Nein im Ernst, mit den aktu­el­len lin­gu­is­ti­schen bzw. sta­tis­ti­schen Verfahren wird das alles auf Dauer nichts wer­den. Der Algorithmus müss­te eigent­lich das gesam­te Wissen der Welt als Hintergrundwissen hin­zu­zie­hen, und die­ses müss­te stän­dig aktu­ell gehal­ten wer­den. Die sprach­li­che Seite ist da noch das gerings­te Problem.

2. Braucht man ein Diplom, um ein guter Übersetzer zu sein?
(Übersetzerin)
Prinzipiell nicht. Aber in dem Studium, das zum Diplom führt, bekommt man schon das nöti­ge Handwerkszeug mit, um sich guten Gewissens an die­se Arbeit wagen zu kön­nen. Natürlich ersetzt es kei­nes­falls die Berufserfahrung und ein gewis­ses Sprachgefühl.
Je nach Fachgebiet des zu über­set­zen­den Textes kann aber zum Beispiel auch ein Jodeldiplom von Nutzen sein.

(Übersetzer)
Meine Antwort dar­auf ist ein kla­res Jein: Es ist viel­leicht hilf­reich, wenn man eines hat. Mindestens genau­so wich­tig sind jedoch Berufserfahrung und Fachkenntnisse in den Bereichen, in denen man übersetzt.

3. Warum sind nicht alle Übersetzer in einem Übersetzerverein?
(Übersetzerin)
Ich weiß nicht, viel­leicht fehlt der Leidensdruck.

(Übersetzer)
Viele Übersetzer sind Mitglied in einem der zahl­rei­chen Übersetzerverbände. Diejenigen, die das nicht sind, wol­len viel­leicht die berufs­be­ding­te sozia­le Isolation kon­se­quent zu Ende füh­ren, oder ihnen leuch­tet nicht ein, war­um sie in einen Verein poten­zi­el­ler Konkurrenten ein­tre­ten sol­len. Das kann man so sehen, muss man aber nicht …

4. Welche Tools erleich­tern Dir das Übersetzerleben?
(Übersetzerin)
Abgesehen vom Rechner selbst, der prak­tisch unver­zicht­bar ist: das Internet. Fast immer habe ich beim Übersetzen ver­schie­de­ne Online-Glossare, eine Suchmaschine und even­tu­ell noch Wikipedia geöff­net. Natürlich fin­det man dort nicht die letz­te Wahrheit, genau­so wenig wie in den Wörterbüchern. Hier benut­ze ich vor allem die Fachwörterbücher für Technik, für Recht und Wirtschaft und mit­un­ter das Synonymwörterbuch. Bei ganz kniff­li­gen Problemen, wenn ich gar nicht mehr wei­ter weiß, grei­fe ich auch mal zum Telefon und befra­ge Fachleute.

(Übersetzer)
Neben den übli­chen Officeprogrammen vor allem CAT-Tools (spe­zi­el­le Übersetzungseditoren) und, ja, maschi­nel­le Übersetzungsprogramme. Und natür­lich auch der FineReader, vie­le Kunden schi­cken mir beson­ders gern PDF-Dateien, die zwar schön aus­se­hen, sich aber lei­der nicht direkt bear­bei­ten lassen …

5. Du warst nicht bei der BDÜ-Konferenz in Berlin. Warum?
(Übersetzerin)
Ich war zu der Zeit ander­wei­tig beschäf­tigt. Außerdem bin ich nicht Mitglied des BDÜ.

5. Du warst bei der BDÜ-Konferenz in Berlin. Was hat Dir das gebracht?
(Übersetzer)
Ich habe vie­le inter­es­san­te Vorträge gehört, Kollegen getrof­fen und jede Menge neue Ideen …

Immer da wo du bist bin ich nie

Am 18. September kommt die neue CD von Element of Crime her­aus, sie trägt den schö­nen Titel „Immer da wo du bist bin ich nie“. Das ist doch mal ein Titel für Kommajünger und Auseinandernehmerinnen. Auf die Kommas, die nicht da sind, gehe ich mal nicht ein, das ist ja egal, sol­len die das machen, wie sie wol­len, viel­leicht hät­ten die Kommas ins­ge­samt betrach­tet zu viel Extrakosten beim Druck ver­ur­sacht, viel­leicht ist das der Beitrag von EOC zum Umweltschutz, der ist ja bei allen Wirtschaftsunternehmen sehr groß die­ser Tage.

Was mich mehr inter­es­siert ist, wie das gehen soll, dass ein Mensch immer da ist, wo der ande­re nicht ist. Das geht natür­lich schon, aber wenn man hier krü­mel­ka­cke­risch wird, müss­te man sagen, dass unter die­sen Bedingungen die­se Menschen sich ja eigent­lich nicht ken­nen kön­nen bzw. sich zumin­dest noch nie in per­so­na getrof­fen haben. Das klingt fast nach den Königskindern, die ein­an­der nicht krie­gen, die Version des Internetzeitalters sozusagen.

Oder aber es ist die mit leicht nöli­ger Stimme vor­ge­tra­ge­ne Klage eines Mannes (aber ja doch!), des­sen Freundin gar zu aktiv ist, und der des­halb mit Verallgemeinerungen und Absolutheiten nicht gera­de zurück­hal­tend umgeht. Hm, das passt viel­leicht nicht so ganz, es wür­de bes­ser pas­sen, wenn der Titel lau­te­te „Immer da wo ich bin bist du nie“ … Aber bevor ich hier all­zu aus­schwei­fend wer­de, bre­che ich das mal ab und höre mir mor­gen das Lied ein­fach an.