„Farben und Formen“ von Eva Heller

Zwei Bücher in einem, die sich pri­ma ergän­zen, das sind die Klassiker „Die wah­re Geschichte der Farben“ und „Ich bin Künstler, ich kann alles malen“ im neu erschie­ne­nen Doppelband „Farben und Formen“ von Eva Heller. Ich hof­fe, es ist wegen die­ser Titelanhäufung noch nie­mand abge­sprun­gen, das wäre scha­de. Denn die Bücher sind toll.

Im ers­ten Band, „Die wah­re Geschichte von allen Farben“, wird von den Farben Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett erzählt, die nach und nach auf­ein­an­der­tref­fen, sich trie­zen, sich mischen und wie­der tren­nen, laut oder lei­se, spitz oder rund sind – und am Schluss den Farbenkreis bil­den. Das liest sich sehr kurz­wei­lig, ganz sim­pel und span­nend, und zu den Worten kann man gut malen, ob anhand der Zeichnungen im Buch oder frei Schnauze.

Im zwei­ten Band, „Ich bin Künstler, ich kann alles malen“, braucht man nicht viel mehr als Farben und ein-zwei Kartoffeln, um Vögel, Luftballons, einen Wald, eine Stadt usw. zu erschaf­fen. Übersichtlich und leicht ver­ständ­lich wird gezeigt, wie man sich die Kartoffelstücke zurecht­schnei­det und wel­che Farben man nimmt. Wie man Farben mischt, Muster ins Spiel bringt, aus einer Form ganz Verschiedenes schafft und mit Rahmen und der Unendlichkeit expe­ri­men­tiert. Dieses Buch ist eine Anleitung, aber eine spie­le­ri­sche, offe­ne, die eher die Fantasie anregt als sie zu begren­zen, Tipps, Tricks und Suchbilder inklusive.

Wie gesagt, ein tol­les Buch. Empfohlen ab 5 Jahren, aber anfan­gen kann man damit sicher in jedem Alter etwas, wenn man Lust auf Farben und Ausprobieren hat.

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Eva Heller: Farben und Formen
(ent­hält: „Die wah­re Geschichte von allen Farben“ und „Ich bin Künstler, ich kann alles malen“)
96 Seiten
Lappan
ISBN: 978–3‑8303–1223‑9
16,95 Euro
Ab 5 Jahren

„Alles geschieht heute“ von Jesse Browner

Der Titel ist Programm, „Alles geschieht heu­te“ spielt tat­säch­lich an einem Tag. Nicht an irgend­ei­nem Tag im Leben von Wes, der eigent­lich Leslie heißt, die­sen Namen aber erfolg­reich ver­drängt hat, sodass nur noch sei­ne Mutter ihn so nennt. Es ist der Tag nach der Nacht, in der Wes zum ers­ten Mal mit einem Mädchen geschla­fen hat, nicht mit dem Mädchen, das er seit einem Jahr regel­recht anbe­tet, son­dern mit einem Mädchen, das er eigent­lich nicht kennt.

Auf 249 Seiten weicht man Wes nicht einen Moment von der Seite, trifft sei­ne klei­ne Schwester, die er sehr liebt, sei­nen Vater, den er ver­ach­tet, sei­ne Mutter, die bett­läg­rig ist und die er mit pflegt, sei­nen bes­ten Freund und schließ­lich das Mädchen. Vor allem schaut man in sei­nen Kopf, und der Junge (er ist sieb­zehn Jahre alt) macht sich über etli­ches Gedanken, nicht zuletzt über eine Hausarbeit, die er umschrei­ben muss – aber wer das übli­che Teenager- und Schulgeplänkel erwar­tet, wird ent­täuscht, statt­des­sen gibt es phi­lo­so­phi­sches, ver­zwei­fel­tes, pathe­ti­sches, rot­zi­ges, nai­ves, spin­ner­tes Kopfkino.

Muss man mögen, es dau­er­te eine Weile, bis ich ins Buch fand, und stre­cken­wei­se war es mir zu lang­at­mig, zum Ende hin pack­te es mich aber doch. Und das ist ja eigent­lich das Reizvolle, dass man mit man­chen Büchern gera­de nicht die alt­be­kann­ten Wege betritt, son­dern sich auf etwas ein­lässt, das einem ziem­lich fremd ist.

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Jesse Browner: Alles geschieht heute
Aus dem Englischen von Anne Brauner
Hardcover mit Umschlag, 249 Seiten
Verlag Freies Geistesleben
ISBN: 978–3‑7725–2775‑3
1. Auflage Juli 2014
19,90 Euro
Ab 14 Jahren

„Australien? Australien! Ein Roadmovie“ von Tino Schrödl

Meo, fünf­zehn Jahre alt, Außenseiter, hat eine ein­zi­ge Freundin, die dicke und star­ke Odette, die ihn vor über­grif­fi­gen Mitschülern beschützt, ansons­ten ein Kaninchen namens Qualle, geht gern in die Schule, trotz der Mitschüler, schätzt es, wenn alles sau­ber ist und das Leben tag­ein, tag­aus gleich ist, sei­ne Mutter ist auch so, sie kocht ihm, was er gern isst, und zusam­men schau­en sie fern.

Der Vater ver­kauft auf der gan­zen Welt Staubsauger und ist stän­dig weg. Als er ein­mal da ist, sagt er, dass er nach Australien gehen wird. Kein Problem für Meo und sei­ne Mutter. Dann rückt der Vater aller­dings damit raus, dass es für drei Jahre ist – und er möch­te, dass Frau und Sohn mit­kom­men. Bei sei­ner Stubenhockerfamilie ern­tet er damit kei­ne Begeisterung, ganz im Gegenteil. Der Vater bit­tet um eine Chance, und so geht es in den Sommerferien erst mal für einen Urlaub nach Australien. Odette ist mit von der Partie, das war Meos Bedingung.

In Australien gibt es zunächst ein 08/15-Touristenprogramm, fami­liä­re Spannungen inklu­si­ve, bis Meo und Odette sich im Kakadu-Nationalpark erst ver­lau­fen und dann bewusst von den ande­ren abset­zen, um auf eige­ne Faust nach Melbourne zu tram­pen. Das ist kein Spaziergang. Sie haben wenig Geld, nachts manch­mal kein Dach überm Kopf und oft genug nichts zu essen – aber sie tref­fen immer wie­der Leute, Einheimische vor allem, die ihnen hel­fen, ohne groß zu fra­gen. Nun, und selt­sa­me bis gefähr­li­che Typen auch. Die bei­den hal­ten sich erstaun­lich gut, aber wie Superman und Superwoman rau­schen sie nicht durch, bei­lei­be nicht. Und kei­ne Frage, am Ende sind sie nicht mehr die, als die sie nach Australien kamen …

Die Geschichte rockt, sie ist span­nend und gut geschrie­ben. Am bes­ten ist jedoch die Art und Weise, wie Meo das, was er erlebt, erzählt: tro­cken, ehr­lich bis an die Schmerzgrenze, bild­haft, komisch. Die Wortwechsel sind teils zum Schießen, und in wel­che Situationen Meo und Odette kom­men … Sollte man wirk­lich lesen.

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Tino Schrödl: Australien? Australien! Ein Roadmovie
illus­triert von Ulf K.
288 Seiten
ueber­reu­ter 2014
ISBN: 978–3‑7641–7016‑5
14,95 Euro
Ab 12 Jahren