Weltwassertag

Heute ist Weltwassertag. Ich habe kei­nen Kalender, der mir alle Jubel- und Gedenktage anzeigt, son­dern ich lese manch­mal Werbeblättchen. Tatsächlich. Im Angebot eines Discounters gab es eine Seite, die auf den Weltwassertag hin­wies. Der Spruch dazu: „Sparen Sie am Preis, nicht am Wasser“.

Es folgt eine kur­ze Erklärung, was es mit dem Weltwassertag auf sich hat. Ich zitie­re: „Er beschäf­tigt sich unter ande­rem mit dem Problem der Wasserversorgung der armen Bevölkerungsschichten sowie den Folgen des Klimawandels.“ Natürlich ist die Seite vol­ler Wässerchen, die von dann bis dann bil­li­ger sind – damit sich auch die Armen mal das gute Wasser leis­ten kön­nen? Was Plastikflaschen für das Klima bedeu­ten, steht nicht da, logisch – und dass Leitungswasser an sich das bes­te und güns­tigs­te Wasser ist …

Mutti ist schuld: „Mutterschuldgefühl“ von Ulrike Hartmann

Ich bin über­zeugt davon, dass Eltern durch­aus zu vie­le Ratgeber und Sachbücher zum Thema „Wie erzie­he ich mein Kind rich­tig?“ lesen kön­nen. Und wer hat denn über­haupt Zeit dafür? Die Tyrannen-Bücher hab ich mir erspart. Jirina Prekop hab ich mal live erlebt – und danach dan­kend auf ihre Bücher ver­zich­tet. Von Jesper Juul steht natür­lich was im Regal. Aber gele­sen? Nee, wann denn?

Für „Mutterschuldgefühl“ von Ulrike Hartmann hab ich mir die Zeit genom­men (schließ­lich woll­te ich das rezen­sie­ren). Sie schreibt auch sehr unter­halt­sam, ein Ratgeber im eigent­li­chen Sinne ist das Buch nicht. Eher eine Mischung aus Selbsterlebtem und hand­fes­ten Informationen. Hier wird der Weg der Mütter mit ihren Kindern von der Schwangerschaft bis in die Schulzeit hin­ein erzählt. Besser gesagt: der Weg der Autorin mit ihren bei­den Töchtern. Ihr Erleben steht exem­pla­risch für das vie­ler Mütter. Dabei trifft Ulrike Hartmann einen Ton, der zum Weiterlesen ani­miert: ein wenig Plaudern, aber nicht ober­fläch­lich, leicht, mit einem Schuss Ironie. Das liest sich sehr gut.

Los geht es mit den Mutterschuldgefühlen nicht etwa erst, wenn das Kind gebo­ren ist. Nein, davor kom­men bei­spiels­wei­se die Risikofaktoren. Mittlerweile gibt es 53 Risikofaktoren, dar­un­ter: Adipositas, Kleinwuchs, das Alter der Mutter (unter 18, über 35 Jahren). So wer­den 70 % der Frauen gleich als Risikoschwangere ein­ge­stuft – in Skandinavien sind es laut Ulrike Hartmann gera­de mal um die 20 %.  Und was nicht alles geprüft und gemes­sen wird, wenn frau schwan­ger ist! Der Arzt mutiert schnell zum Vertreter für prä­na­ta­le Diagnostik, und die Frau fühlt sich „schwan­ger-krank“. Dass sie sich Gedanken über das Kind, die Familie, die Zukunft, die Welt macht, gehört zu einer Schwangerschaft. Aber das kann schnell extre­me Züge anneh­men. Sie könn­te sich aufs Kind freu­en – und hat Angst vor Katzen (Toxoplasmose!), anste­cken­den Krankheiten, dem Feinultraschall usw. Mutter wer­den und nicht Patientin sein – wem gelingt das?

Wenn das Kind end­lich da ist, kann sich der Druck auf die Mutter ordent­lich ent­fal­ten. Sie muss alles per­fekt machen: das Kind pau­sen­los beauf­sich­ti­gen (damit kein Nachbar sich beschwert, wenn man es mal hört), das Richtige tun (Drama an der Supermarktkasse – was hat die Frau nur falsch gemacht bei der Erziehung …), das Richtige kau­fen. Zum Beispiel den Kinderwagen, der gera­de „in“ ist – ja doch, der Kinderwagen als Statussymbol! Schuldig füh­len sich auch man­che Mütter, die nicht stil­len kön­nen oder wol­len, die Autorin spricht vom „Still-Zwang“ und gar einer „Still-Mafia“. Dieser Abschnitt ist der ein­zi­ge, in dem mich der poin­tier­te Stil stört, das Stillen wird mir gar zu schwarzgemalt.

Ansonsten hat­te ich beim Lesen vie­le Aha-Momente und sol­che, in denen ich die Augen ver­dre­hen muss­te. Oder was soll man denn von einem Englisch-Kurs für Babys im Alter von 3 bis 18 Monaten hal­ten? Das Kursunwesen für Mutter und Kind nimmt die Autorin aus­gie­big aufs Korn. Statt drau­ßen zu toben, mes­sen Mütter und Kinder sich in Sportkursen, und um ande­re Mütter zu tref­fen und mal aus den eige­nen vier Wänden raus­zu­kom­men, geht man eben in den PEKIP-Kurs. Die Mitmütter sind zwar gute Informationsquellen (Essen, Einkauf) und Gesprächspartnerinnen , doch schnell wer­den die Kinder ver­gli­chen: Wer läuft frü­her, wer kann was, wie kann ich mein Kind best­mög­lich fördern …

Eine Norm gibt es auch bei den U‑Untersuchungen beim Kinderarzt, schnell ist ein Kind zu klein, zu dünn, zu dick oder hat einen zu gro­ßen Kopf. Und die Normung geht immer wei­ter: Im Kindergarten gibt es „Personalakten für die Kleinsten“, in der Schule ste­hen dann alle gemein­sam unter Leistungsdruck – Kinder, Lehrer und Eltern müs­sen gute Noten erbrin­gen in einem Schulsystem mit dem Leitspruch „Wie mache ich die bes­te Bildung mit mög­lichst wenig Geld?“. Und wer nicht damit klar­kommt, hat eben Pech.

Zum Ende hin wird das leicht grus­lig, denn Kinder, denen alles zu viel wird und die schon Angst vor der Schule oder sogar Depressionen haben – das kann doch eigent­lich nicht sein?! Ulrike Hartmann schließt jedoch mit einem auf­mun­tern­den Plädoyer, gegen den „Leistungswahn in unse­rer Gesellschaft“, gegen das „Ideal der per­fek­ten Mutter“ und Mutterschuldgefühle. Für eine ent­spann­te Mutter, die nicht auf Biegen und Brechen ver­sucht, ihr Kind von Anfang an opti­mal für sei­ne spä­te­re Karriere als Rechtsanwalt oder Ärztin zu präparieren.

Wir haben also den Lernprozess einer Mutter mit­ver­folgt, die nicht gera­de gegen den Strom schwimmt bzw. schwim­men muss. Sie hat zwei gesun­de Kinder, nimmt sich für sie Zeit, infor­miert sich, enga­giert sich im Kindergarten und in der Schule, wenn das erwünscht (oder gefor­dert) ist. Am Ende hat sie den Druck durch die Gesellschaft (Normen hier, Normen da) erkannt und will nicht mehr in die Mutterschuldgefühlfalle tre­ten. Ob das zu schaf­fen ist, ist die ande­re Frage. Frau braucht schon viel Gelassenheit, um im prä­na­ta­len Zirkus gelas­sen zu blei­ben. Und wie bewahrt man die Ruhe, wenn es in der Schule Probleme gibt? Kann man sich wirk­lich aus dem Leistungszirkus aus­klin­ken? Ich hab da so mei­ne Zweifel. Aber nichts­des­to­trotz: Dieses Buch ist abso­lut emp­feh­lens­wert. Weil es sich pri­ma liest und einen zum Nachdenken bringt.

Ulrike Hartmann
Mutterschuldgefühl
Vom täg­li­chen Anspruch, immer das Beste für die Kinder zu wollen
Verlag süd­west, 2010
ISBN: 978–3‑517–08631‑6
16,99 Euro

Das liebe Moderlieschen

Das Wandern ist des Müllers Lust, und das Lieschen liebt das Schwimmen. Ja, der Vergleich hinkt, denn wenn das Moderlieschen kein Wasser um sich hat, wird es lei­der ster­ben. Der Müller dage­gen kann ganz gut ohne das Wandern leben …

In Unterkirnach am Teich haben wir nur ein Bild des Moderlieschens gese­hen, nicht den Fisch selbst. Das Wasser war gefro­ren, kei­ne Chance. Aber ich weiß:

  • das Lieschen wird zir­ka 9 cm lang (soso)
  • das Weibchen ist meist dicker als das Männchen (haha)
  • sie gehö­ren zur Familie der Karpfenfische (aha)
  • und mögen ste­hen­de Gewässer (jaja)
  • sie wer­den auch Malinchen, Sonnenfischchen, Zwerglaube, Schneiderkarpfen (usw.) genannt, und das alles habe ich aus der Wikipedia, denn auf dem Schild stand ja nun wirk­lich nicht viel zu die­sem Fisch mit den schö­nen Namen