Einfach super: „Superwurm“ von Axel Scheffler und Julia Donaldson

Der „Grüffelo“ war nicht so mein Fall, aber die­ses neue, 2012 erschie­ne­ne Bilderbuch von Axel Scheffler und Julia Donaldson find ich ein­fach herr­lich. Beziehungsweise: super!

Superwurm ist nicht von Krypton und er trägt auch kei­nen bun­ten, haut­engen Anzug. Er sieht aus wie ein stink­nor­ma­ler Regenwurm, ein sehr sym­pa­thi­scher, wohl­ge­merkt, und das ist er auch, er ret­tet das Krötenkind, denkt sich Spiele für gelang­weil­te Bienen aus und holt den Käfer aus dem Brunnen.

Der „tolls­te Wurm der Welt“ schafft alles, freu­en sich sei­ne Freunde, und die­se Kunde dringt bis zur bösen Echse, die gleich gie­ri­ge Pläne schmie­det und ihrem Rabendiener befiehlt, Superwurm zu ent­füh­ren. Gegen Echse, Rabe und Zauberblume hat der Superwurm kei­ne Chance. Er braucht Hilfe! Und die bekommt er auch …

Das Buch ist schön groß­for­ma­tig, gro­ße Bilder zum Entdecken und Bestaunen. Wenig Text (maxi­mal acht Zeilen pro Seite), und zwar gereimt, die Reime sind ein­gän­gig, har­mo­nisch, die Worte für Kinder ab vier Jahren und Eltern pas­send gewählt. Übersetzt hat Salah Naoura und er hat sei­ne Arbeit sehr gut gemacht, wür­de ich sagen, den eng­li­schen Originaltext ken­ne ich aller­dings nicht.

Da die Schrift groß ist, die Texte kurz sind und die Geschichte lus­tig und span­nend ist, ist sie auch was für älte­re Kinder, für Leseanfänger zum Beispiel. Die haben dann schnell ein Erfolgserlebnis, wenn sie Seite um Seite reim­vor­le­sen­der­wei­se umschlagen.

Unterm Strich: ein­fach ein schö­nes Buch, das Kindern und Eltern Spaß macht. Man kriegt gute Laune beim Vorlesen und Selberlesen!

Superwurm

Malorie Blackman: „Himmel und Hölle“

Wurde Zeit, dass ich auf Malorie Blackman gesto­ßen bin, die bri­ti­sche Autorin hat schon über 50 Bücher ver­öf­fent­licht, ihr größ­ter Erfolg bis­her ist die „Noughts and Crosses“-Reihe. Das sind vier Bücher, auf Deutsch sind bis­her drei erschie­nen: „Himmel und Hölle“, „Asche und Glut“, „Schachmatt“. Diese drei Bücher sind mir letz­tens in der Bibliothek ins Auge gesprun­gen, ich  habe Band 1, „Himmel und Hölle“, in einem Rutsch gele­sen, das war eine recht lan­ge Nacht …

Malorie Blackman: Himmel und Hölle

Den Titel „Himmel und Hölle“ fin­de ich nicht so gut, sei­ne Richtigkeit hat er aber schon, da es auch eine Liebesgeschichte ist, die von Sephy (Persephone) und Callum. Doch wich­ti­ger als das ist, dass Sephy eine Alpha (in der eng­li­schen Version: Cross) und Callum ein Zero (eng­lisch: Nought) ist. Die Alphas sind schwarz und regie­ren, die Zeros sind weiß und Menschen zwei­ter Klasse, ehe­ma­li­ge Sklaven, die ent­we­der ihr Schicksal hin­neh­men oder in der „Befreiungsfront“ mili­tant gegen die Alphas vor­ge­hen. Von bei­den Seiten kommt Hass und zwi­schen­drin Sephy und Callum, die von Kindheit an Freunde sind und sich als Teenager verlieben …

Der Ansatz ist fas­zi­nie­rend: Malorie Blackman dreht die Geschichte um, nicht die Schwarzen sind die Unterdrückten, son­dern die Weißen, die Handlung spielt in einer „ande­ren Jetztzeit“ oder in einer nahen Zukunft. So schafft die Autorin Abstand und lässt einen neu­en Blick auf das alte Thema zu. Indem sie es mit einer Liebesgeschichte ver­bin­det und abwech­selnd Sephy und Callum erzäh­len lässt, spricht sie so ziem­lich alle Jugendlichen ab etwa 14 Jahren an, Mädchen wie Jungen.

Es ist ein Jugendbuch, also wird es dem erwach­se­nen Leser manch­mal eine Spur zu pathe­tisch, emo­tio­nal, sim­pel zuge­hen, aber: Die Geschichte packt, fes­selt und macht nach­denk­lich, per­fekt für die Zielgruppe.

Tiere sind auch nur Menschen: „In Hamburg lebten zwei Ameisen“ von Joachim Ringelnatz

Morgenstern, den­ke ich immer wie­der, Morgenstern! Dabei ist es Ringelnatz – ein Bilderbuch ab fünf Jahren mit über zwan­zig Gedichten von Joachim Ringelnatz und sehr schö­nen Illustrationen von Christine Sormann. Die titel­ge­ben­den Ameisen sind vorn auf dem Cover zu sehen. Dass sie nur vier (und nicht sechs) Beine bzw. zwei Arme und zwei Beine haben, muss natür­lich so sein – weil die­se Ameisen auch nur Menschen sind.

Zwei Ameisen aus Hamburg wol­len nach Australien rei­sen, aber schon bei Altona ist die Puste raus, die Beine tun weh und sie lassen’s blei­ben. Sie wür­den ja gern, aber … ach, zu Hause ist es doch auch schön! Sehr mensch­lich kom­men auch rüber: Nilpferd, Elefant, Tintenfisch, Stachelschwein, Qualle, Storch, Walfisch, Hochseekuh und ande­re, eine bun­te Menagerie, die Christine Sormann wun­der­bar in Szene setzt, mit kla­ren Strichen und Farben, mit Kontrasten und Mustern.

Auf jeder Buchseite steht ein Gedicht, immer zwei Gedichte sind sich vom Thema her nahe und also auch durch die Illustration ver­bun­den. So steht zum Beispiel auf der lin­ken Seite das Gedicht „Im Park“ und auf der rech­ten Seite „Das Samenkorn“. Die lin­ke Seite ist schwarz-weiß in der Nacht, die rech­te Seite far­big am Tag, und der Baum in der Mitte erstreckt sich über bei­de Seiten, hin­ein in die Nacht und in den Tag. Die Illustrationen strah­len eher Ruhe aus und har­mo­ni­sie­ren mit den jewei­li­gen Gedichten.

Und auch die Sprache passt zum Kinderbuch: zum gro­ßen Teil leicht ver­ständ­lich (man­che Wörter wird man einem Kind erklä­ren müs­sen, kein Wunder, die Gedichte haben bald 100 Jahre auf dem Buckel), mit Lautmalerein, Quatschwörtern und Reimen. Das Buch kann man sich immer mal wie­der neh­men und dem Kind oder den Kindern ein-zwei Gedichte vor­le­sen, die Bilder anschau­en, Geschichten wei­ter­spin­nen. Zum Beispiel die von den zwei Ameisen, die viel­leicht einen zwei­ten Versuch wag­ten und nicht schon in Altona hän­gen­blie­ben, son­dern es rund um die Welt bis nach Australien schaff­ten und dort … nun, das ist eine ande­re Geschichte.

Joachim Ringelnatz
In Hamburg leb­ten zwei Ameisen
illus­triert von Christine Sormann
Lektorat Constanze Steindamm
32 Seiten
Lappan Verlag
ISBN 978–3‑8303–1192‑8
12,95 Euro