„Bo sieht Gespenster“ von Harmen van Straaten

Bo zieht mit sei­nem Vater in ein Holzhaus am Waldrand – klingt idyl­lisch, aber: Das Haus ist alt, direkt neben­an befin­det sich ein Friedhof und in dem Haus spukt es. Dass es spukt, fällt aller­dings nur Bo auf, er sieht Wörter auf dem beschla­ge­nen Spiegel, Schornsteinrauch in Form eines Totenkopfs und hört lau­te Geräusche auf dem Dachboden. Für ihn ist klar: Das sind Gespenster!

Als es fröh­lich wei­ter­geht mit abson­der­li­chen Ereignissen, bekommt auch Bos Vater etwas mit. Für ihn ist jedoch stets klar: Das war Bo! Bo nimmt das locker, wahr­schein­lich, weil er gar nicht dazu kommt, sich über sei­nen Vater auf­zu­re­gen, denn dau­ernd pas­siert etwas, das Haus scheint selt­sa­me Gestalten nur so anzu­zie­hen. Und Bo freun­det sich mit Adrian an, der alt­mo­di­sche Klamotten trägt, sich auf dem Friedhof wie zu Hause fühlt und behaup­tet, er sei ein Gespenst …

Auf knapp hun­dert Seiten erzählt Harmen van Straaten in Wort und Bild eine Geschichte mit Gespenstern und Scheingespenstern über ein altes Haus, das es in sich hat, und über zwei Freunde, die eine kniff­li­ge Angelegenheit zusam­men zu einem guten Ende brin­gen. Witzig, über­ra­schend und nicht zu grus­lig, für alle ab acht Jahren.

Harmen van Straaten: Bo sieht Gespenster
Mit Illustrationen des Autors
Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf
104 Seiten
ab 8 Jahren
Verlag Freies Geistesleben 2018
ISBN 978-3-7725-2785-2
14 Euro

„Wortwächter“ von Akram El-Bahay

Auch das neue Kinderbuch von Akram El-Bahay führt auf direk­tem Weg in die Welt der Fantasie. Beziehungsweise in eine Welt wie unse­re, in der aller­dings fan­tas­ti­sche Dinge gesche­hen. Man bekommt schon einen ziem­lich kon­kre­ten Einblick, wenn man sich das schö­ne, sehr anspre­chen­de Buchcover genau­er anschaut: Die Helden sind zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen, schät­zungs­wei­se elf, zwölf Jahre alt. Die Aufmachung des Covers ver­rät, dass die­se bei­den ein Abenteuer erle­ben, und dabei spie­len Bücher, eine gol­de­ne Feder und beschrie­be­ne Seiten eine Rolle. Das Abenteuer führt nach London zum Big Ben, nach Ägypten zur Sphinx, nach Paris in den Louvre zur Mona Lisa und nach Amerika zu den Präsidentenköpfen. Vielleicht sind das etwas zu vie­le Informationen? Vielleicht aber auch nicht, denn natür­lich pas­siert auf den 384 Seiten des Buches noch viel, viel mehr und die Frage ist sowie­so, wie das alles zusammenhängt.

Der Held des Buches ist Tom, zwölf Jahre alt, aus Deutschland, der die Sommerferien in England in Stratford-upon-Avon bei sei­nem Onkel David ver­brin­gen soll, den er vor­her noch nie getrof­fen hat. Seine Eltern holen in den sechs Wochen ihre Flitterwochen in Paris nach, sind also nicht vor Ort. Gleich am ers­ten Tag geht es mit Merkwürdigkeiten los, so ist das alte Häuschen in der Shakespeare-Stadt vol­ler Bücher und hat dafür weder Internet noch Computer noch Fernseher. Onkel David kann mit Tom nichts anfan­gen und hat einen selt­sa­men Diener, der Tom mit „gnä­di­ger Herr“ anspricht. Tom befürch­tet das Schlimmste, aber wenig über­ra­schend wer­den die­se Ferien das glat­te Gegenteil von langweilig.

Unter ande­rem, weil Onkel David ver­schwin­det, das Mädchen Joséphine auf­taucht und Tom eine Buchseite fin­det, die sich von selbst voll­schreibt mit Dingen, die gera­de erst pas­sie­ren oder die Tom denkt. Die Seite wird zu Toms stän­di­gem Begleiter bei der Suche nach einem magi­schen Gegenstand, den er für Onkel Davids Rettung benö­tigt. Auf der aben­teu­er­li­chen Reise um die hal­be Welt trifft Tom jede Menge inter­es­san­te bis fan­tas­ti­sche Leute und Wesen, die ihm hel­fen, bekommt es aber auch mit mäch­ti­gen Gegnern zu tun …

Ja, es geht um Bücher und Wörter, wel­che Welten sie eröff­nen und Macht sie (in fan­tas­ti­schen Geschichten) haben kön­nen. Dabei ist Tom kein Leser, er liest höchs­tens mal Sportzeitungen, heißt es am Anfang, ganz anders Joséphine, die Bücher ver­schlingt und all die bekann­ten Autoren (und Autorinnen) kennt. Tom hat es umge­ben von Lesebegeisterten stre­cken­wei­se nicht leicht, trägt das aber mit Fassung, was sym­pa­thisch ist, und auch sonst folgt man ihm gern bei die­sem span­nen­den, dicht geschrie­be­nen Abenteuer, bei dem ins­be­son­de­re Toms fan­tas­ti­sche Buchseite für das ein oder ande­re Grinsen sorgt. Ein schö­nes Buch, das Spaß beim Lesen und Lust aufs Lesen macht.

Akram El-Bahay: Wortwächter
Umschlagillustration: Maximilian Meinzold
Lektorat: Emily Huggins
384 Seiten
ab 11 Jahren
ueber­reu­ter 2018
ISBN: 978-3-7641-5118-8
14,95 Euro

„Götz von Grützwurst und der Mutigste von allen“ von Barbara Rose und Sascha Morawetz

Der edle und muti­ge Ritter Götz von Grützwurst sucht einen Knappen aus gutem Hause, der rei­ten und mit Waffen umge­hen kann. Rudis Haus ist frisch gestri­chen und sieht gut aus, auf dem Esel kann er rei­ten und mit Waffen kommt er als Sohn des Schmieds pri­ma zurecht. Also macht er sich auf zur Burg Blechdose, natür­lich zusam­men mit sei­ner Ratte Karlchen.

Vier Mitbewerber hat Rudi, alle adlig und „von und zu“. Rudi stellt sich als „Rudi“ vor und erklärt, als Ritter Götz von Grützwurst „Rudi … was?“ fragt: „Rudi vom Schmied.“ Die drei Prüfungen – gutes Benehmen, Wettreiten und Schwertkampf – schafft Rudi mit viel Glück und vor allem Ratte Karlchens Hilfe. Zuletzt steht noch die Mutprobe an, und dann kommt raus, wer der Mutigste von allen ist …

Text und Illustrationen har­mo­nie­ren, bei­de sind kurz­wei­lig und humor­voll. Die Bilder sind auf­ge­räumt und dabei detail­reich, die sat­ten Farben laden zum Anschauen ein. Man ver­steht die Geschichte auch, wenn man nur die Bilder anschaut, was prak­tisch für Kindergarten- und Vorschulkinder ist. Aber mit dem span­nen­den, lus­ti­gen Text ist es noch bes­ser, den wer­den sich die Kinder gern vor­le­sen las­sen. Günstig für Eltern und Leseanfänger: Die Schrift ist schön groß und klar.

Wenn man das Buch vorn und hin­ten auf­schlägt, sieht man im Umschlag zwei Illustrationen, die kann man mal ver­glei­chen – hat was von einem Suchbild, fin­de die Unterschiede! Ratte Karlchen trägt übri­gens ein Jäckchen und sieht auch sonst sehr nett aus. Auch bei Kämpfen und Mutproben ist die­ses Buch kei­ne Spur beängs­ti­gend! Das Zeichen des Ritters Götz von Grützwurst ist übri­gens ein „G“ mit Wurstzipfeln. Genau sol­che Details sind für mich das Tüpfelchen auf dem i. Ein rund­um schö­nes Bilderbuch!

Götz von Grützwurst und der Mutigste von allen
Text: Barbara Rose, Illustrationen: Sascha Morawetz
Lektorat: Christiane Lawall
32 Seiten
ab 4 Jahren
annet­te betz 2018
ISBN: 978-3-219-11730-1
14,95 Euro