Komplete Näge

Gestern stand ich vor einem Schaufenster und kam ins Grübeln:  „Komplete Nägel“ war da zu lesen. Wie war es dazu gekom­men, wie konn­te das sein?

Erster Gedanke: Vielleicht hat­te jemand die zwei feh­len­den Buchstaben weg­ge­kratzt. Das gibt es ja, das ist nichts Ungewöhnliches. Allerdings waren hier kei­ne Leerstellen, kei­ne grö­ße­ren Abstände, da fehl­te nichts.

Zweiter Gedanke: Da muss­te jemand spa­ren. Sicher kos­ten die Buchstaben ein­zeln etwas, und da reich­te das Geld eben nicht für alle. Man muss­te sich also für Buchstaben ent­schei­den, deren Fehlen das Verständnis nicht voll­stän­dig unter­gra­ben würde.

Dritter Gedanke: Da hät­te jemand einen Duden gebraucht. Das wäre bei „kom­ple­te“ vor­stell­bar (ver­such­tes Englisch?), aber bei „Näge“?

Vierter Gedanke: Flüchtigkeitsfehler. Man war schön am Werken und merk­te erst am Schluss, dass da was fehlt. Aber da ließ man es lie­ber, man weiß ja, wie schwer so was von Glas abzu­krat­zen ist.

Fünfter Gedanke: Es soll Aufmerksamkeit erre­gen. Hat bei mir ja schon mal funk­tio­niert. Aber rein­ge­hen wer­de ich trotz­dem nicht. Ich bin nicht so ver­rückt auf bun­te, lan­ge Finger- und Fußnägel.

Sechster Gedanke: Es han­delt sich um eine Sprache, die ich nicht ken­ne. Aber für die ande­ren Worte auf der Scheibe gilt das nicht …

Das Bild fin­de ich ja auch schön. Diese Nägel, äh, Näge, also nein! Mit sol­chen Fußnägeln kann frau doch nur Sandalen anziehen?

Wochenendeinkauf, Nachlese

Was mir beim Einkaufen auf­ge­fal­len ist: Auf dem Honigglas stand „sorg­fäl­tig geim­kert“ und „wert­erhal­tend abge­füllt“. Es hät­te mir zu den­ken geben müs­sen, dass sie nichts Besseres zum Werben gefun­den haben. Der Honig schmeckt enst­pre­chend: nicht direkt schlecht, aber mei­len­weit von gut ent­fernt. Tja, war­um woll­te ich auch unbe­dingt Lindenhonig?
Ein Scheibenkäse, immer­hin Bio, mit fol­gen­dem Spruch: „(Käsename) in Ruhe gereift“. Aha. Es wür­de mich schon inter­es­sie­ren, was das bedeu­tet. Auf der Verpackung ist die Dauer die­ser Ruhereifung nicht ange­ge­ben. „In Ruhe gereift“ – das liest sich hübsch anhei­melnd für die leicht gestress­te Käuferin – und zu Hause kann sie dann über­le­gen, was das nun hei­ßen soll …

Knitter, Knitter, Knitter

In der Zeitung gele­sen: „Die sau­be­re Wäsche soll­te mög­lichst schnell getrock­net wer­den, um über­mä­ßi­ge Knitterbildung zu ver­mei­den.“ Ein gebil­de­ter Knitter. Übermäßig gebil­det! Der Knitter. Klingt ein biss­chen wie Ritter. Der Knitter steht im Duden, jedoch ohne Erklärung. Das Wortschatzportal der Uni Leipzig nennt als Synonyme Bruch, Falte, Knick.
Übermäßige Knitterbildung, was soll das, wo sind die Grenzen, geht es nicht ohne Knitter, was ist da noch mäßig? Was für ein hüb­sches Wort …